"Neues Volksblatt" Kommentar: "Streik wozu?" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 4. Juni 2003

Linz (OTS) - =

Der groß angekündigte Streik der Gewerkschaften
verlief, wie es so schön heißt, in geordneten Bahnen. Immerhin gab es weder ein Verkehrschaos noch handgreifliche Ausschreitungen. Das ist aber schon das einzig Positive an diesem Muskelspiel von ÖGB-Funktionären. Immer deutlicher stellt sich die Sinnfrage solcher Machtdemonstrationen. Beim ersten Durchgang Anfang Mai konnten die Gewerkschaften noch mit dem Ruf nach einem Runden Tisch argumentieren. Den haben sie inzwischen verlassen. Als einzige Forderung bleibt jetzt übrig, die Regierung solle ihren Entwurf und am besten gleich auch sich selbst aufgeben. Von sachlichen Verbesserungsvorschlägen ist nichts zu hören. Damit ist klar, dass die Streiks, sollten sie weitergehen, immer mehr rein politische Kampfmittel werden. Das untergräbt ihre Glaubwürdigkeit. Zumal vor allem gut abgepolsterte ÖGB-Bosse, Eisenbahner, Postler und Facharbeiter aus den Großbetrieben auf die Straße gehen. Womit wir wieder bei der Sinnfage sind: Der gestrige Streik war zwar geordnet, aber er trifft die Falschen, die Pendler, die berufstätigen Eltern und die Wirtschaft. Zur Sicherung künftiger Pensionen, die so gerne beschworen wird, trägt er nichts bei. Es ist anzunehmen, dass immer mehr Menschen das durchschauen.

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