"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Ein teurer Spaß" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe 04.06.2003

Wien (OTS) - Es war eine Hetz', und gekostet hat es auch nicht
viel. Der Berufsverkehr verlief in ganz Österreich flüssig wie nur selten; Gewerkschaftsboss Verzetnitsch wurde beim Besuch streikender Arbeiter von der Unternehmenssprecherin des Coca-Cola-Konzerns mit freundlichen Worten und erfrischenden Getränken begrüßt; Siegfried Menz, der Chef der Ottakringer Brauerei, führte mit alemannischer Vorbildwirkung in Wien persönlich Bier aus - kurz: Der gestrige Fast-Generalstreik gegen die Pensionsreform war ein typisch österreichisch-freundlicher "Arbeitskampf".
Weh getan hat er niemandem; das ist aber auch das einzig Erfreuliche. Die dringend notwendige Pensionsreform droht ein weiteres Mal im politischen Sumpf zu versinken. Wenn schon Abschläge von maximal zehn Prozent "unerträglich" sein sollen, kann von einer langfristigen Alterssicherung keine Rede mehr sein.
Die einzige Alternative wäre, den derzeit stark privilegierten Eisenbahnern, Beamten, Lehrern, Postlern oder Gemeindebediensteten im Zuge einer Pensionsharmonisierung kräftige Einbußen aufzubürden. Dann können kleinere Pensionen generell ungeschoren bleiben. Sonst drohen kräftige Beitragserhöhungen - und das wäre ein teurer Spaß für jene Besserverdiener, die gestern unter den Streikenden am stärksten vertreten waren.
Die Gewerkschaft wird sich schwer tun, aus der selbstgestellten Falle heraus zu kommen, und dasselbe gilt für Wolfgang Schüssel, der in den letzten Wochen die elementarsten Grundregeln des politischen Marketing verletzt hat.

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