Forstwirtschaft steigerte im Jahr 2002 Holznutzung um 10%

Grillitsch: Holzpreise stagnieren - Erfolge bei Holzvermarktung

Wien (AIZ) - Die österreichische Forstwirtschaft steigerte im Jahr 2002 auf Grund der zunehmenden Nachfrage ihre Holznutzung um 10%. Probleme bereiteten den Waldbesitzern die strukturellen Benachteiligungen auf Grund der kleinen Flächen. Durch die gemeinschaftliche Holzvermarktung konnte jedoch ein Teil dieser Probleme wettgemacht werden, dies berichtete heute Fritz Grillitsch, Vorsitzender des Ausschusses für Forst- und Holzwirtschaft in der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern bei einem gemeinsamen Bilanz-Pressegespräch mit dem Fachverband der Holzindustrie Österreichs. Grillitsch hob dabei die Bedeutung der Partnerschaft zwischen Forstwirtschaft und Industrie hervor und bezeichnete die forcierte Nutzung von Holz zu Energiezwecken als große Chance für die Waldbesitzer.

Die aktuelle Holzeinschlagsstatistik des Agrarressorts weist für das Jahr 2002 eine deutliche Steigerung der Holzerntemenge um 10% auf 14,85 Mio. Erntefestmeter aus. Diese Menge liegt auch deutlich (+0,9 Mio. Festmeter) über dem langjährigen Durchschnitt. Die Waldbesitzer reagierten damit auf die anziehende Nachfrage und steigenden Preise. Vor allem beim rege nachgefragten Fichtenholz für die Sägeindustrie (+18,2%) und der wieder erstarkenden Eiche (+27,6%) gab es beachtliche Mengensteigerungen.

Rundholzpreis stagniert derzeit

Die aktuelle Konjunkturlage schlägt laut Grillitsch mittlerweile auch auf den Rundholzpreis durch. "Der Privatkonsum ist gedrosselt, auf den Exportmärkten werden Erlösverbesserungen durch die ungünstige Währungsparität stark relativiert. Die Aufnahmefähigkeit des Sägerundholzmarktes ist begrenzt und wird derzeit durch Lieferungen von Windwurfholz ausgelastet", erläuterte Grilltisch. Der Rundholzpreis für das Hauptsortiment (Fichte, Qualität B, Media 2b) habe auf Grund des anhaltenden Mengendrucks nunmehr gegenüber März 2003 um EUR 2,- bis 3,- je Festmeter (fm) nachgegeben. Dabei sei der Preis im März mit EUR 71,66 je fm unter dem Niveau des zehnjährigen Durchschnitts (EUR 73,-) gelegen.

Der Absatz von Zellstoff und Papierwaren sei konjunkturbedingt negativ beeinflusst, die Produktion werde an einigen Standorten weiter zurückgefahren. Derzeit erfolge die Zufuhr noch problemlos, so Grillitsch. Die Papier- und Plattenindustrie signalisiere bei kontinuierlicher und vertragskonformer Anlieferung auch für das zweite Halbjahr volle Aufnahmefähigkeit für Schleif- und Faserholz.

Kleine Strukturen erhöhen Vermarktungskosten

"Die Waldbesitzer zeigen, dass sie ein höheres Einkommen aus dem Wald erwirtschaften wollen und ein sicherer Partner für die Holz verarbeitende Industrie sind. Die österreichischen Waldbesitzstrukturen sind jedoch für die Holzvermarktung denkbar ungünstig", gab Grillitsch zu bedenken. Rund 90% der 170.000 Waldbesitzer würden weniger als 20 ha Wald bewirtschaften. Diese ausgeprägte Struktur der Familienforstwirtschaft bereite Probleme in der Logistik und in der Höhe der Vermarktungskosten. Daher hätten sich bereits vor Jahren forstliche Zusammenschlüsse (Waldverbände) gebildet, die der Industrie entsprechende Vermarktungsstrukturen bieten sollen.

Erfolgsstory "Gemeinschaftliche Holzvermarktung"

Derzeit sind knapp 50.000 Waldbesitzer im Rahmen der Waldverbände organisiert. Das sind 30% aller Waldbesitzer, sie repräsentieren eine Waldfläche von 781.000 ha, das sind 41% der Ertragswaldfläche des Kleinwaldes (Flächen unter 200 ha). Die von den Waldverbänden vermarktete Holzmenge betrug im Jahr 2002 rund 1,8 Mio. fm, das ist gegenüber 2001 eine Steigerung von +18%, gegenüber dem Jahr 2000 sind es sogar plus 70%. Die Waldverbände bieten auch Forstserviceleistungen an, von der Aufforstung über die Waldpflege bis zur Holzernte und -vermarktung. Die Koordination von moderner Erntetechnologie auch im Kleinwald spielt dabei eine große Rolle. Eine wichtige Zielgruppe der Waldverbände sind jene Waldbesitzer, die ihren Forst nicht mehr bewirtschaften. Ziel ist es, auch auf diesen Flächen wieder Holz zu nutzen.

Gelebte Partnerschaft mit der Industrie

"Die Versorgung der Holz verarbeitenden Industrie mit Rundholz ist der gesamten Forstwirtschaft und insbesondere den Waldverbänden ein großes Anliegen", stellte Grillitsch fest. Eine erste Zwischenbilanz zur Windwurfkatastrophe vom November des Vorjahres zeige, dass sich die Partnerschaften im Wesentlichen bewähren. Es sei eine Herausforderung an alle, diese mehr als 4 Mio. fm Holz ohne Qualitätsverluste entsprechend am Markt zu platzieren. Die Sägeindustrie habe Rundholz bis an die Kapazitätsgrenze ihrer Rundholzlager aufgenommen. Die Papier- und Plattenindustrie habe ihre Importe deutlich reduziert, um für das Holz aus dem Inland aufnahmefähig zu sein.

Chance Energieholz

Die Forstwirtschaft wolle auch neue Absatzchancen verstärkt nutzen, unterstrich Grillitsch. So komme der Energieproduktion aus Holz im Rahmen der österreichischen Klimaschutzstrategie eine zentrale Rolle zu. Das Regierungsprogramm sehe vor, dass der Biomasseeinsatz bis 2010 um 75% gesteigert werden solle. Auf Grund dieser neuen Rahmenbedingungen (Ökostromgesetz -Einspeisetarifverordnung) werde die gezielte Versorgung existierender Biomasseheizwerke und neuer Großanlagen durch die Forstwirtschaft rasch an Bedeutung gewinnen, ist Grillitsch überzeugt. Das Potenzial dafür sei in den Österreichischen Wäldern auf jeden Fall vorhanden, es werde dabei nach wie vor nicht mehr Holz entnommen, als jährlich zuwachse.

Eigentumsrechte sichern

Der Vorsitzende des Forstwirtschafts-Ausschusses in der Präsidentenkonferenz trat weiters für klare Rahmenbedingungen und ein gesichertes Grundeigentum ein. Die zahlreichen wichtigen Funktionen des heimischen Waldes könnten nur durch eine gezielte und gewinnbringende Waldbewirtschaftung in ausreichendem Ausmaß erreicht werden, betonte er.

Grillitsch verwies in diesem Zusammenhang auf die PEFC-Forstzertifizierung: "Die Konsumenten haben ein Recht darauf, zu erfahren, dass Holz beziehungsweise Holzprodukte aus einer verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung stammen. Das Paneuropäische Forstzertifizierungssystem PEFC steht für eine solche positive Kennzeichnung in Europa. In Österreich wird diese Initiative seit 1999 von der Familienforstwirtschaft gemeinsam mit Holzwirtschaft, Umweltverbänden und Gewerkschaften getragen und umgesetzt. Mit der Zertifizierung nach dem PEFC-System wurde die ökologische Waldbewirtschaftung in Österreich bestätigt", so Grillitsch. Die Zertifikate würden von unabhängigen, international tätigen Organisationen ausgestellt. PEFC sei mit 46,6 Mio. ha Fläche das weltweit führende Zertifizierungssystem.

Mit dem PEFC-Gütesiegel sei es auch der österreichischen Familienforstwirtschaft möglich, mit ihren Produkten konkurrenzfähig zu bleiben. Das gelte besonders im Wettbewerb mit Plantagenholz, das von Großkonzernen aus Übersee importiert wird. Die jährlichen Re-Audits im Rahmen von PEFC würden eindrucksvoll bestätigen, "dass für die österreichischen Waldbesitzer die ökologische und auf Generationen ausgerichtete Waldbewirtschaftung nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, sondern tatsächlich seit langer Zeit praktiziert wird".

Gemeinsam mit der Holzindustrie bekenne sich die Forstwirtschaft dazu, dass Holz und Holzverwendung beworben werden müssen, um gegenüber den Konkurrenzprodukten wettbewerbsfähig zu sein. Die Imagekampagne "Holz ist genial" sei ein guter Ansatz der ausgebaut werden müsse, sagte Grillitsch. Auch der Forschungsbereich sei im Holzbereich weiter auszubauen.
(Schluss) kam

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