"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Neuland für Österreich (von Michael Kuscher)

Ausgabe vom 03.06.2003

Klagenfurt (OTS) - Österreich betritt heute Neuland. Der heutige "Abwehrstreik", die größte Streikaktion, die die Zweite Republik je erlebt hat, ist für die Gewerkschaft ebenso neu wie für die Bevölkerung, die Wirtschaft und die Regierung. Entsprechend zurückhaltend und schaumgebremst war gestern die bisherige Kampfrhetorik. Ein unüberlegtes Wort, und der Tag liefe Gefahr, außer Kontrolle zu geraten. Genau das aber will niemand in Österreich.

Bei den Umfragen der letzten Tage und Stunden wurden die Positionen und Aktionen der Gewerkschaft deutlich und zweifelsfrei besser "benotet" als die Sturheit von Bundeskanzler Schüssel. Auch ist allen klar, dass die Gewerkschaft keinen Streik vom Zaun bricht, nur um sich selbst etwas zu beweisen. Der Stimmungs-Rückenwind aus der Bevölkerung bläht die Segel der Gewerkschaft und nicht die der Regierung.

Doch wohin die Fahrt geht, vermag heute keiner seriös zu beantworten. "Endgültige Nachdenklichkeit" seitens des Bundeskanzlers ist die höchst kultiviert formulierte Zielvorgabe der Gewerkschaft. Allein daran lässt sich ablesen, mit welcher politischen Vorsicht der heutige Tag in Angriff genommen wird. Ein Streiktag, der ein ganzes Land in weiten Bereichen lahmlegt, ist ein sehr hoher Einsatz, wer ihn verliert, verliert mehr als er verkraften kann.

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