"Neues Volksblatt" Kommentar: "Ablenkung" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 3. Juni 2003

Linz (OTS) - =

In der Österreich-Lahmlegung durch den ÖGB heute
steckt ein doppeltes Ablenkungsmanöver. Erstens: Der ÖGB ist jetzt ebenso wenig zu einer echten Pensionsreform bereit, wie in all' den Jahren davor. Funktionärs-Zwischentöne zeigen das deutlich. Zweitens:
Von der großen gewerkschaftlichen Einigkeit, wie sie heute im Streik inszeniert wird, fehlt in Wahrheit jede Spur. Denn wenn Fritz 1 (Verzetnitsch) die - auch von der Regierung angestrebte -Harmonisierung der Systeme zum Schlüssel seiner Verzögerungstaktik macht, zielt er präzise auf Fritz 2 (Neugebauer), seinen ÖGB-Vize, der auch Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst ist. Gemeinsames Marschieren gegen die Regierung wird dieses Spannungsfeld nicht dauerhaft übertünchen können. Wobei der GÖD-Chef wegen des - etwa von allzu streikfreudigen Lehrern noch verschärften - angekratzten Images seiner Schutzbefohlenen die schlechteren Karten hat. Dabei ist diese Harmonisierung nicht so einfach und selbstverständlich wie sie klingt. Wenn zu großzügige Pensions-Perspektiven fallen, werden die Beamten oft dürftige Aktivbezüge mit einigem Recht wohl nicht weiter hinnehmen. Der künftige Verteilungskampf liegt offen auf dem Tisch. Der wird dann aber auch innerhalb des ÖGB offen auszutragen sein.

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt
Chefredaktion
Tel. 0732/7606 DW 782
volksblatt@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001