"Presse"-Kommentar: Diplomatische Feuertaufe (von Thomas Vieregge)

Ausgabe vom 3. Juni 2003

Wien (OTS) - Mit gutem Grund hat sich George W. Bush seine Nahost-Mission bis zum Ende seiner Reise aufgehoben. Gegen Verhandlungen mit ausgebufften Polit-Profis wie Ariel Scharon erscheinen die Kalamitäten mit Chirac oder Schröder wie harmlose diplomatische Geplänkel. Was sind schon die Haarrisse im transatlantischen Konflikt gegen einen so existenziellen Konflikt wie den zwischen Israelis und Palästinensern, wo um jeden Besitzstand gefeilscht wird. Es geht immer gleich um Leben und Tod.
Tunlichst hatte der US-Präsident die Region gemieden. Jetzt wagt er doch den Schritt ins Neuland - mit hohem Risiko. Als Krisenmanager hat Bush seine Feuertaufe zu bestehen. Weder darf er sich von noch so schönen Beschwörungen und Versprechen einlullen, noch von halbherzigen Kompromissangeboten bezirzen lassen - beide Seiten haben es darin zur Perfektion gebracht. Im Ernstfall hilft nur beinharter Druck. Bush senior hat dies vorexerziert, als er nach Ende des ersten Golfkriegs Israels Premier Schamir die Daumenschrauben ansetzte: den Dollar-Hahn zudrehte. Und siehe da: Auf einmal bewegte er sich doch. Bush junior muss auf die strikte Einhaltung des Friedens-Fahrplans pochen, er darf sich die "Roadmap" nicht verwischen lassen, wie es Israel ansatzweise versucht. Und er darf sich nicht durch Rückschläge abbringen lassen. Nur dauerhafte Präsenz von US-Unterhändlern garantiert den Erfolg.

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