Eröffnung des Kärntner Kultursommers

Rede des Bundespräsidenten

Wien (OTS) - Rede von Bundespräsident Dr. Thomas Klestil anlässlich der Eröffnung des Kärntner Kultursommers am Samstag, dem 31. Mai 2003 in Millstatt

Es gilt das gesprochene Wort

Herr Landeshauptmann,

Herr Bürgermeister,
meine Damen und Herren!

Sehr gerne habe ich die Einladung des Herrn Landeshauptmannes angenommen, den diesjährigen Kärntner Kultursommer zu eröffnen. Nicht nur, weil ich jeden Besuch genieße, den ich im schönen Kärnten machen kann, sondern auch, weil gerade die Region Millstätter See seit langem schon zu den viel beachteten Zentren des österreichischen kulturellen Lebens zählt. Eingebettet zwischen die Naturoase der Nockberge bringt diese Region mit der beinahe schon mediterranen Stadt Villach mit Spittal und seinem prachtvollen Schloss Porcia die besten Voraussetzungen mit, den Kärntner Kultursommer gleichsam einzuläuten. Wobei mich persönliche Erinnerungen mit dem Millstädtersee verbinden. Habe ich doch als Werkstudent vier Sommer lang im Casino in Seeboden gearbeitet und die herrliche Gegend rundum erkundet. Und so meine ich, dass es in Österreich kaum ein kulturelles Angebot gibt, das so facetten- und abwechslungsreich ist, wie hier im Süden unseres Landes. Von der in Ossiach besonders gepflegten Kirchenoper bis zu den Musicals auf der Klagenfurter Seebühne, von der atemberaubenden Kulisse der Burgarena Finkenstein bis zu Jazzabenden, Ausstellungen, Vernissagen oder Volkstanzgruppen reicht das Angebot.

Altes und Neues verbinden sich zur Harmonie - ebenso wie das Internationale neben dem Volkstümlichen und Bodenständigen seinen Platz hat. Und schließlich finden sich im Angebot des Kärntner Kultursommers auch elitäre Veranstaltungen neben populären "Events".

Das ist nicht selbstverständlich, ringen doch viele Veranstalter gerade heute damit, ihren Festspielen ein besonderes Profil zu geben, weil sie befürchten, sonst keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu können. Kärnten hingegen, das seit jeher durch unterschiedliche kulturelle Strömungen und Traditionen geprägt worden ist, hat gelernt, Grenzen zu überschreiten, ohne an Eigenständigkeit zu verlieren. Diese Botschaft ist gerade im Zeitalter der Globalisierung und des zusammenwachsenden Europas von besonderer Bedeutung. Vielfalt prägt und stärkt die Identität, kulturelle Monokultur jedoch schädigt nachhaltig die geistige Landschaft.

Der Kärntner Kultursommer, der in dieser Form zwar zum ersten Mal eröffnet wird, tatsächlich aber schon seit vielen Jahren als Überbegriff für die zahlreichen kulturellen Aktivitäten zwischen Wolfsberg und Kötschach-Mauten, Heiligenblut und dem Dreiländereck dient, ist nicht zuletzt auch ein Wirtschaftsfaktor geworden. Schon aufgrund der vielen Gäste aus dem Ausland, die alljährlich in Kärnten Urlaub machen, hat der Kultursommer große internationale Beachtung gefunden.

Dabei war es immer so, dass die sommerliche Entspannung in ein ausgewogenes Verhältnis zu den Anforderungen künstlerischer Präsentation gesetzt wurde.

Gerade Kunst widersetzt sich ja häufig - und wie ich meine zu Recht - unserem zeitgeistigen Konsumverhalten und scheint mitunter wenig geeignet zum Zeitvertreib. Dennoch ist es hier in Kärnten gelungen, Erholungswert und Lebensqualität mit einem durchaus anspruchsvollen Programm in Einklang zu bringen. Und dafür möchte ich den Verantwortlichen danken, aber auch den Kärntnerinnen und Kärntnern, sind doch gerade sie es, die in letzter Konsequenz als kulturelle Botschafter dieser schönen Region überaus erfolgreich tätig sind.

Meine Damen und Herren!

Lassen Sie mich auch einige Gedanken zur gegenwärtigen politischen Situation gerade in Hinblick auf die beginnende Hochsaison im Sommertourismus formulieren:

Kärnten ist eine zentrale Region des Österreichischen Sommertourismus. Und die Nächtigungszahlen machen Jahr für Jahr deutlich, dass sich die Anziehungskraft der Seen und Berge, der Kulturlandschaft und der gastfreundlichen Bevölkerung ungebrochener Beliebtheit erfreuen. Umso mehr müssen wir danach trachten, auch die sozialen Voraussetzungen für diesen so wichtigen Wirtschaftszweig zu erhalten. Arbeitskämpfe sind stets und überall das Letzte, was Gastwirte und Hoteliers für eine erfolgreiche Saison benötigen. Arbeitskämpfe bringen nicht nur volkswirtschaftlich erheblichen Schaden, sie gefährden Menschen in ihrer beruflichen Existenz und beeinträchtigen die Attraktivität eines Landes.

Es kann daher nur einen Weg geben, - nämlich gemeinsam nach einer Lösung für die aktuellen Probleme in Österreich zu suchen und jene solide Vertrauensbasis wieder herzustellen, die jahrzehntelang eine Art politisches "Markenzeichen" Österreichs war.

Meine Damen und Herren!

Der Legende nach hat Millstatt seinen Namen von den tausend Götzenbildern, die der Heilige Domitian hier seinerzeit in den See werfen ließ. Heute erinnern zahlreiche Skulpturen im Ort an diese Geschichte, und zeichnen damit gleichsam den Weg der Kunst nach: Vom Kult zur Kultur. Ich meine, dass dies ein passendes Symbol ist, denn Kultur ist ein dynamischer Prozess, der stetem Wandel unterworfen ist. Nichts kann immer so bleiben wie es war. Und gerade um zu bewahren, muss man verändern. So hat es etwas Konsequentes, dass die erste formelle Eröffnung des Kärntner Kultursommers hier in Millstatt erfolgt.

Ich wünsche den Veranstaltern des Kärntner Kultursommers viel Erfolg und Freude bei der Umsetzung ihrer Vorhaben. Den zahlreichen Besuchern und Gästen einen unvergesslichen Kunstgenuss in unserem südlichsten Bundesland.

In diesem Sinne erkläre ich den Kärntner Kultursommer 2003 für eröffnet!

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