Wöchentlicher Finanzmarktkommentar der Volksbank Investmentbank: 02.06. bis 06.06.2003

Wien (OTS) - Die vergangene Woche war abermals von einem starken Euro und robusten Aktienmärkten gekennzeichnet. Lediglich der ATX hat auf Wochenbasis einen Rückgang zu verzeichnen, wobei sich hier unter anderem das Abflauen des BBAG-Effekt bemerkbar machte. Der Aufwärtstrend der Aktienmärkte seit März blieb auch in der vergangenen Woche intakt. Dem starken Euro und den damit verbundenen Sorgen der deutschen Exportwirtschaft zum trotz hatte der DAX die beste Wochenperformance zu verzeichnen. Auf Monatbasis blieb seine Entwicklung aber neutral, während die US-amerikanischen Indizes und der ATX gegenüber Ende April weiter angestiegen sind und auch deutlich über den Werten vom Jahresanfang notieren.

In den USA gibt vor allem das Verbrauchervertrauen Anlass zu vorsichtigem Konjunkturoptimismus und stützt die klassischen Aktientitel des Dow Jones Index, während die NASDAQ-Titel stärker unter den enttäuschenden Zahlen zum Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter zu leiden hatten.

Das US-Verbrauchervertrauen ist so hoch wie seit sechs Monaten nicht mehr. Zwar lag der von dem Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board veröffentlichte Index des Verbrauchervertrauens mit 83,8 Punkten unter den Erwartungen der Analysten, die mit 84,9 Zählern gerechnet hatten. Der Subindex für die Erwartungen stieg dabei jedoch gegenüber dem Vormonat auf 94,4 Punkte von 84,8 Punkten im April. Dies wurde vom Markt höher bewertet, als der starke Rückgang beim Index für die gegenwärtigen Bedingungen.

Auch in der Eurozone war mit dem ifo-Index eine angenehme Überraschung zu verzeichnen. Zwar wird die gegenwärtige Lage von den Unternehmen unverändert als negativ empfunden, die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung der kommenden Monate hat sich aber spürbar aufgehellt. Anders als in den USA ist die Reaktion der Aktienmärkte in Europa allerdings zwiespältig, bringen doch positive Konjunkturmeldungen auch wieder neue Motive für einen fortgesetzten Euro-Aufschwung, der von Anlegern und Unternehmern als zunehmende Gefahr angesehen wird.

Anfang der kommenden Woche werden für die USA und für die Länder der Eurozone die Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht, die weiteren Aufschluss über die konjunkturelle Entwicklung geben und auch einigermaßen erfreulich ausfallen dürften. Vom G8-Gipfel ist ein Bekenntnis der US-Administration zu einem starken Dollar zu erwarten, die Auswirkungen auf den Devisenmarkt dürften sich aber in Grenzen halten. Zur Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits werden zwar künftig Kapitalimporte erforderlich bleiben, sodass eine gewisse Stabilität und Attraktivität des Dollar gesamtwirtschaftlich wünschenswert ist. Andererseits gehen die Importe und somit das Defizit durch einen schwächeren Dollar zurück, sodass der Außenwert des Dollar per saldo letztlich keine Schlüsselgröße der amerikanischen Wirtschaftspolitik darstellt.

Wichtiger für die von uns erwartete Dollar-Stabilisierung ist die Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am kommenden Donnerstag. Trotz zuletzt wieder starken Geldmengenwachstums in Europa rechnen wir mit einer deutlichen Absenkung des Mindestrefinanzierungssatzes von gegenwärtig 2,5% auf 2,0% am 5. Juni. Die Gefahren für die Preisstabilität sind deutlich zurückgegangen. Der Ölpreis ist wieder auf dem Niveau von vor einem Jahr, der starke Euro verbilligt zusätzlich die Importe und die hohe Arbeitslosigkeit sowie die schwache Konjunktur halten die anderen Faktorkosten in Schach. Zudem hat sich die EZB mit ihrer neuen Zielvorgabe einer Inflationsrate von nahe 2% statt unter 2% neuen Handlungsspielraum verschafft.

Mit der erwarteten Leitzinssenkung wird der Zinsvorteil des Euro als Anlagewährung gegenüber dem US-Dollar und den meisten anderen Währungen wieder kleiner, sodass für die kommende Woche von einer Konsolidierung des Dollar auszugehen ist. Die europäischen Aktienmärkte dürften von dieser Entwicklung profitieren.

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