NEUFASSUNG DER OTS0068 von heute: Neue Wege in der Raucher-Prävention

Sozialversicherung fordert ein nationales Tabakkontroll-Programm und will Maßnahmen in der präventiven Rauchertherapie verstärken

Wien (OTS) - Der Zigarettenkonsum stellt heute in den Industrieländern das bedeutendste einzelne Gesundheitsrisiko und die führende Ursache frühzeitiger Sterblichkeit dar. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich vier Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen des Zigarettenkonsums, dies bedeutet alle 9 Sekunden ein Todesfall.
Daher verabschiedete die WHO im Mai eine Anti-Takak-Konvention, zu der sich alle 192 Länder bekennen, auch Österreich. Wesentliche Inhalte sind ein umfassendes Tabak-Werbeverbot, Anhebung der Tabaksteuer und Verhinderung des Tabakschmuggels, Regulierung der Tabakabgabe an Jugendliche, Schutzmaßnahmen für Passivraucher und Aufklärungsprogramme für die Öffentlichkeit.

In Österreich rauchen nach den letzten vorliegenden Zahlen 36% der Männer und 23% der Frauen, also rund 2,3 Millionen Menschen. 14 000 sterben pro Jahr an den Folgen des Tabakkonsums.
Sowohl die enorme Krankheitsbelastung als auch die vorzeitige tabakbedingte Sterblichkeit verursachen horrende betriebs- und volkswirtschaftliche Kosten. Der sozialen Krankenversicherung entstehen durch ursächlich im Zusammenhang mit dem Tabakkonsum entstehenden Sekundär-Erkrankungen (Krebs, Herz- und Kreislauferkrankungen, chronische Lungenerkrankungen) nach vorsichtigen Schätzungen Folgekosten in Höhe von rund 2 Milliarden Euro. Gezielte präventive und therapeutische Maßnahmen könnten diese Kosten enorm reduzieren. Zur Sicherstellung einer langfristigen Finanzierung von umfassenden Raucher-Präventionsprogrammen wäre es sinnvoll, die Tabaksteuern zweckgebunden zu verwenden. Dazu der Staatsekretär für Gesundheitswesen, Dr. Reinhart Waneck, im Rahmen einer Pressekonferenz zum Welt-Nichtrauchertag: "Es wäre sicher sinnvoll, wenn die soziale Krankenversicherung ihre Maßnahmen auf dem Gebiet der Raucher-Prävention verstärkt. Woher das Geld dafür kommt ist letztlich egal".

Internationale Erfahrungen zeigen, dass sich eine nationale koordinierte Anti-Tabak-Politik bewährt, die mehrere Ebenen der Prävention abbildet, nämlich bevölkerungsweite Strategien sowie Zielgruppen- und settingspezifische Kampagnen, die den Einstieg ins Rauchen verhindern sollen sowie persönliche Kommunikation, Beratung und Behandlung für aufhörwillige RaucherInnen.
Bestandteil umfassender, nachweislich erfolgreicher Tabakkontroll-Programme sind:

  • Erhöhung der Tabaksteuern
  • Bekämpfung des illegalen Handels mit Tabakprodukten
  • Verbot von Tabakwerbung und Sponsoring
  • Schaffung einer rauchfreien Umwelt
  • Produktregulierung und Verbraucherinformation
  • Schulische Tabakprävention
  • Massenmediale Tabakprävention
  • Beratungs- und Behandlungsmaßnahmen zur Tabakentwöhnung.

Jede einzelne der dargestellten Maßnahmen kann dazu beitragen, die Raucherquoten und den Pro-Kopf-Konsum von Tabakprodukten zu senken. Eine deutliche und nachhaltige Verringerung des Tabakkonsums kann jedoch nur mit einer Kombination der genannten Maßnahmen erreicht werden. Josef Probst, Geschäftsführer im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger: "Es liegt auf der Hand, dass eine wirksame Tabakkontrolle nicht von der Gesundheitspolitik allein erreicht werden kann, finanz- und wirtschaftspolitische Maßnahmen sowie die Verbraucherschutzpolitik sind ebenso essentiell".

Seit 1997 bietet die soziale Krankenversicherung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialmedizin der Universität Wien (Vorstand Univ. Prof. Dr. Michael Kunze) aufhörwilligen RauchernInnen - nach vorsichtigen Schätzungen liegt deren Zahl bei rund 440.000 -zahlreiche Therapiemöglichkeiten auf dem Gebiet der ambulanten und stationären Rauchentwöhnung.
Starken Rauchern wurde erstmals die Möglichkeit geboten, sich im Rahmen eines dreiwöchigen Kuraufenthaltes in der Gesundheitsvorsorgeeinrichtung "Josefhof" bei Graz (Versicherungsanstalt des österreichischen Bergbaues) einer Rauchertherapie zu unterziehen. Die Erfolgsquote liegt unmittelbar nach der Therapie bei 100% und nach einem Jahr bei 50%. Angesichts der Tatsache, dass im Josefhof stark abhängige Raucher behandelt werden, zeigt sich Prof. Karl Fagerström aus Schweden - auf ihn geht das Testverfahren zur Feststellung der Nikotinabhängigkeit zurück -vom Erfolg dieses Therapieprogrammes beeindruckt: "Dieses innovative Konzept der österreichischen Sozialversicherung ist in Europa einzigartig und sollte im Sinne des Best Practise weiterverbreitet werden."

Das Modell "Josefhof" wird von einigen sozialen Krankenversicherungen unterstützt. Die Wiener Gebietskrankenkasse tut dies seit 1999 sehr erfolgreich. Aber auch die Versicherungsanstalt der öffentlich Bediensteten (BVA) im Therapiezentrum Buchenberg bei Waidhofen/Ybbs bzw. die oberösterreichische Gebietskrankenkasse in Bad Schallerbach (Linzerheim), Bad Ischl (Haus Tisserand) sowie Bad Goisern (Hanuschhof) bieten eine stationäre Raucherentwöhnung an.

Aufgabe der Gesundheitsförderung: Nichtrauchen unterstützen

Aus Sicht der Gesundheitsförderung ist es besonders sinnvoll, zu verhindern, dass Menschen überhaupt zu rauchen beginnen. Eine wichtige Aufgabe des Fonds Gesundes Österreich ist es daher, präventive Maßnahmen zu fördern und zur Bewusstseinsbildung beizutragen.

Unter diesem Aspekt führte der Fonds Gesundes Österreich im Herbst/Winter 2002 seine Pro-Nichtrauchen-Kampagne durch, die unter dem Motto "Ich brauch"s nicht - ich rauch nicht" an die Zielgruppe der 10- bis 14jährigen adressiert war. Dr. Klaus Ropin, der als Gesundheitsreferent des Fonds Gesundes Österreich diese Kampagne begleitet hat, erklärt: "Es ist wichtig, noch nichtrauchende Jugendliche in ihrer Haltung zu unterstützen. Entscheidet sich doch im Jugendalter, ob jemand einmal zum Raucher/ zur Raucherin wird oder nicht." Laut Wiener Institut für Sozialmedizin werden 40 Prozent jener Jugendlichen, die in relativ jungen Jahren die vergleichsweise geringe Menge von drei Zigaretten am Tag rauchen, im Erwachsenenalter zu regelmäßigen RaucherInnen.

Zahlreiche Projekte, die der Fonds Gesundes Österreich im Bereich der Jugendgesundheitsförderung mitfinanziert, setzen auf Suchtprävention: "Suchtprävention heißt primär, das Selbstbewusstsein der Kids zu stärken, ihnen Anerkennung und Wertschätzung zu vermitteln. Selbstbewusste Jugendliche trauen sich, Nein zu sagen, wenn ihnen eine Zigarette angeboten wird", sagt Dr. Ropin. Besonderes Augenmerk sollte in der Präventionsarbeit den Mädchen gelten, die immer häufiger zum Glimmstengel greifen: laut WHO rauchen in Österreich mehr 15jährige Mädchen als gleichaltrige Burschen - 23 Prozent der weiblichen und 14 Prozent der männlichen Fünfzehnjährigen rauchen täglich. Mädchen gelten als besonders gefährdet, da Zigarettenkonsum spezifisch "weibliche" Krankheiten wie Osteoporose, Gebärmutterhals- und Brustkrebs begünstigt. Krankheiten wie Herzinfarkte treten bei Raucherinnen früher auf als bei Rauchern, und rauchende Mädchen und Frauen erkranken früher an Lungenkrebs.

Rückfragen & Kontakt:

Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
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Tel.: (++43-1) 71132-1120
dieter.holzweber@hvb.sozvers.at
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