Schüssel: Christen sollen sich einmischen

Bundeskanzler Schüssel hielt Vortrag im Rahmen des Internationalen Evangelisationskongresses

Wien (OTS) Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hielt heute Vormittag im Stephansdom im Rahmen des Internationalen Evangelisationskongresses einen Vortrag zu dem Thema "Europa braucht eine Seele". Bundeskanzler Schüssel betonte die Wichtigkeit, als Christ politisch aktiv zu sein. "Es gibt kein Parteienmonopol auf christliche Politik, aber es gibt Politik in christlicher Verantwortung", so Schüssel und verwies auf die zentralen Eckpfeiler der christlichen Soziallehre, die das Recht auf Leben, auf Familie und auf Ehe festschreiben. In der heutigen Gesellschaft seien gerade jene Werte bedroht und gefährdet, so Schüssel weiter. "Deshalb soll man als Christ nicht wegschauen, sondern sich damit auseinander setzen. Das Sich-Einmischen der Christen ist gefordert. Wichtig ist, dass wir als Christen nicht den Mut zum Träumen verlieren. Auch wenn wir nicht erwarten dürfen, es allen Recht zu machen", betonte der Bundeskanzler.

Christ zu sein, sei manchmal irritierend und sogar provokant, so Schüssel weiter und nannte als Beispiel die christlichen Grundsätze über "Besitz". "Hinter diesem Begriff steckt auch die Frage der wohlerworbenen Rechte und von Privilegien. In ganz Europa wird gegenwärtig die gleiche Diskussion geführt. Das soll aber nicht als Kraftprobe zwischen den gesellschaftlichen und politischen Kräften verstanden werden. Es geht vielmehr um die Frage, was zumutbar ist und wie die soziale Verteilung aussieht. Alles, was wir jetzt schützen wollen, wird von den jungen Menschen bezahlt", betonte der Bundeskanzler. "Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, Solidarität und Nachhaltigkeit. Dies sollten sich nicht nur die Christen vor Augen halten, sondern auch die Arbeiterbewegung. Heute werden nicht mehr die Mindestrechte gegen soziale Ausbeutung gefordert, sondern es werden Rechte verteidigt, die andere schon nicht mehr haben", so Schüssel. Deshalb sei es wichtig, sich wieder auf Solidarität und Verantwortung im urchristlichen Sinne zu besinnen. Netzwerke zu bilden, den Blick über die Grenzen zu heben, Unterstützung jenen zu geben, die sie dringend benötigen, seien nun die zentralen Anforderungen an die Christen, an eine globale Kirche.

"Ich wünsche mir, dass die Seele Europas, den Geist des Vernetztseins hat. In wenigen Monaten setzen wir den historischen Schritt der EU-Erweiterung. Dieser war nur möglich, weil es Papst Johannes Paul II gibt. Ohne Papst Johannes Paul II gäbe es den Eisernen Vorhang noch. Auch wenn sich die Erweiterung stark auf Europa zentriert, so müssen wir auch anderen Ländern Perspektiven geben und uns dort engagieren, wo sich niemand zuständig fühlt", so Schüssel und nannte als Beispiel den afrikanischen Kontinent. Der christliche Weg führe stets durch etwas hindurch. Das bedeute, schwere Lebenssituationen nicht zu verdrängen, sondern sie aktiv zu meistern, so Schüssel weiter. "Es ist nicht der Weg des geringsten Widerstandes, sondern ein Weg, der auf jene Rücksicht nimmt, die nach uns kommen. Deshalb müssen wir auch im Sinne der Subsidiarität, die stets die kleinste gesellschaftliche Einheit stärken soll, den Blick für diesen Weg schärfen und anders, nach innen schauen in die Tiefe und in die Zukunft", so der Bundeskanzler abschließend.

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