Grundig: Wiener Werk trotz Einsatz von Gewerkschaften und Betriebsräten vor Schließung

Gewerkschaften bieten Mitgliedern Info-Service im Web

Wien (GMT/GPA/ÖGB). Trotz massivster Bemühungen aller Beteiligen ist das endgültige Aus der Firma Grundig in Wien nach der Gläubigerversammlung vom 26. Mai unabwendbar. Die Gewerkschaft Metall - Textil (GMT) und die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) sowie die Betriebsräte kritisieren in dem Zusammenhang die Geschäftsführung von Grundig in Deutschland.++++

Die Gewerkschaften GMT und GPA haben sich gemeinsam mit den Betriebsräten der Firma Grundig in den letzten Wochen intensiv darum bemüht, die Schließung des Wiener Werkes abzuwenden. Das Arbeitsmarktservice Wien und die Stadt Wien waren ebenfalls bereit, die Fortführung des Werks zu unterstützen. Nach der Gläubigerversammlung mit dem Beschluss, das Werk nicht fortzuführen, sind die schlimmsten Befürchtungen der Gewerkschaften und Betriebsräte eingetreten. Der Masseverwalter kann ab sofort Kündigungen aussprechen, die Fristen beginnen ab 12. Juni zu laufen. Immerhin konnten Gewerkschaften und Betriebsräte erreichen, dass die 23 Grundig-Lehrlinge ihre Lehren in anderen Firmen abschließen werden.

Nach Semperit und Elektra Bregenz ist Grundig ein weiterer negativer Beweis dafür, dass Privatunternehmen in keiner Weise besser wirtschaften können als der Staat, kritisieren GPA und GMT. Denn wenn sich Konzernzentralen im Ausland befinden, werden früher oder später heimische Standorte geschlossen und Arbeitsplätze vernichtet. Die Leidtragenden sind nicht nur die direkt Betroffenen, sondern auch die SteuerzahlerInnen. Denn die öffentliche Hand muss nun da einspringen, wo das private Unternehmen versagt hat. AMS und Stadt Wien haben sich angesichts der drohenden Schließung vorbildlich vorbereitet, der Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds deckt die Qualifizierungsmaßnahmen für die Betroffenen völlig ab. Betriebsräte und Gewerkschaften fordern auch die niederösterreichische Landesregierung auf, ihre Ankündigung, man werde sich um die Betroffenen aus Niederösterreich kümmern, konkret zu machen.

Von der deutschen Geschäftsführung sind die Betriebsräte zutiefst enttäuscht: Noch im April hatte der Aufsichtsratsvorsitzende in Deutschland, Prof. Dr. Kathrein, versichert, das Wiener Werk sei ihm wichtig und er wolle alles tun, um das Weiterlaufen der Produktion zu gewährleisten. Inzwischen hört man, Kathrein sei am Standort in Österreich nicht mehr interessiert. Die Vermutung liegt nahe, er habe nur Interesse, sich Maschinen günstig aus der Masse zu organisieren. "Praktisch alle Zusagen, die uns der deutsche Vorstand gegeben hat, haben nicht gehalten", berichten die Betriebsräte Gottfried Nusser (Arbeiterbetriebsrat) und Günther Hruby (Angestelltenbetriebsrat).

Internet-Service für Grundig-Beschäftigte

Heute, Dienstag, wird die Belegschaft informiert, im Anschluss daran bieten Gewerkschaften und Betriebsräte individuelle Beratungen an. GMT und GPA bieten den Grundig-Beschäftigten gemeinsam mit den Betriebsräten ab Mittwoch umfassenden Service auf der Internetseite www.info-plattform.at, darunter einen Fragen- und Antworten-Katalog zum Konkursverfahren, Informationen über Schulungsmaßnahmen im Zusammenhang mit einer Arbeitsstiftung, Kontaktadressen zu Arbeits-und Sozialämtern und vieles mehr. Für Gewerkschaftsmitglieder besteht selbstverständlich die Möglichkeit, sich auch telefonisch beraten zu lassen, die Kontaktnummern sind ebenfalls auf der Seite zu finden.

ÖGB, 27. Mai 2003
Nr. 429

Rückfragen & Kontakt:

GMT Presse, Nani Kauer, 0664 6145 915
GPA Presse, Mag. Martin Panholzer, 0676 817 111 511
www.info-plattform.at

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