PARLAMENT: KHOL ÜBERREICHT KURT-VORHOFER-PREIS AN ANNELIESE ROHRER "Engagierte Kämpferin für Offenheit, Ehrlichkeit und Transparenz"

Wien (PK) - Anneliese Rohrer, Leiterin des Außenpolitik-Ressorts der "Presse", erhielt heute im Parlament aus den Händen von Nationalratspräsident Andreas Khol, "Kleine Zeitung"-
Chefredakteur Erwin Zankel und P.S.K.-Generaldirektor Stephan
Koren den Kurt-Vorhofer-Preis für außergewöhnliche publizistische Leistungen im Bereich der politischen Berichterstattung
überreicht. Rohrer ist damit die achte Preisträgerin dieser Auszeichnung, die jährlich von der Journalistengewerkschaft in Kooperation mit der "Kleinen Zeitung" und der PSK vergeben wird.
Mit dem mit 7.300 € dotierten Preis soll - in Erinnerung an den 1995 verstorbenen stellvertretenden Chefredakteur der "Kleinen Zeitung Kurt Vorhofer - die Tradition eines Printjournalismus gepflegt werden, "der geistige Unabhängigkeit und Verantwortungsbewusstsein mit brillantem Stil kombiniert".

Rohrer sei "klug, analytisch und als Journalistin unbequem" und
habe sich einen Namen als "engagierte Kämpferin für Offenheit, Ehrlichkeit und Transparenz im öffentlichen Leben" gemacht, begründete die Jury ihre diesjährige Entscheidung. Sie verstehe
es in ihren Artikeln hervorragend, "Zusammenhänge deutlich zu machen oder überhaupt erst aufzuzeigen". Rohrer beweise dabei soziale Verantwortung und vereine diese mit "stilistischer Brillanz".

Nationalratspräsident Khol, der zur heutigen Preisverleihung
unter anderem Bundesratspräsident Herwig Hösele, Ex-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer und Lydia Vorhofer, die Witwe des
Namensgebers des Preises, begrüßen konnte, würdigte "die hohe Streitkultur" Rohrers. Sie beide seien zwar selten einer Meinung gewesen und hätten sich oft übereinander geärgert, meinte er, er schätze aber den kritischen Geist der Preisträgerin. Eine Recherche in der APA-Datenbank hat, wie Khol erzählte, für die Zeitspanne 1994 bis heute 40 Kommentare Rohrers über ihn zu Tage gebracht: 36 davon waren negativ, nur 4 positiv.

In Bezug auf den verstorbenen Kurt Vorhofer sagte Khol, dieser
sei ein Meister der Recherche, ein Meister der Kombination und
ein Meister des Wortes gewesen. Das, was Kommentatoren durch Recherche, persönliche Kontakte, Zusammentragen von
Informationen, Kombinationen und anderes in ihren Berichten zum Ausdruck bringen, sei oft nicht nur Geschichte, sondern auch Prognose.

Franz C. Bauer, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft, setzte sich mit dem Ausdruck "kritischer Journalismus" auseinander und meinte, kritischen Journalismus gebe es in Wahrheit nicht, es
handle sich hierbei um einen semantischen Irrtum. Wenn man im
Umgang mit den Reichen und Mächtigen umfassendes Interesse zeige und dieses nicht bereits durch "die Schere im Kopf" einschränke, wenn man kritische Fragen stelle und nicht in der Sorge, den Mächtigen gegenüber unangenehm zu werden, ängstlich frage, wenn man den Bericht den Antworten gemäß gestalte und nicht die
Reichen und Mächtigen automatisch in einem guten Licht erscheinen lasse, egal wie die Antworten ausgefallen sind, dann sei dies Journalismus, betonte Bauer, und das Gegenteil sei Hofberichterstattung. Den Zusatz kritisch hält er fehl am Platz.

Sorge bereitet Bauer, wie er sagte, dass heute im Journalismus verstärkt nicht mehr Charakter, sondern Flexibilität, nicht mehr Haltung, sondern Anpassung gefragt sei. Er führt dies nicht
zuletzt auf die "dramatische Verschlechterung" von sozialen und arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen für Journalisten zurück und appellierte an die Verantwortlichen, sich zu überlegen, wie das geändert werden könne.

Erwin Zankel, Chefredakteur der Kleinen Zeitung, hielt fest, es
habe noch nie so viele Kandidaten für den Kurt-Vorhofer-Preis und noch nie so eine kurze Jurysitzung gegeben. Die Jurymitglieder
seien sich sofort einig gewesen, dass Anneliese Rohrer den Preis bekommen solle.

Anneliese Rohrer selbst äußerte in ihrer Dankesrede drei Hoffnungen: Zunächst wandte sie sich an Nationalratspräsident
Khol und meinte launisch, sie hoffe, es sei ihm nicht eine allzu große Überwindung gewesen, ihr den Preis übergeben zu müssen. Sie hätte verstanden, wenn er sich vertreten hätte lassen. Zum
zweiten meinte sie, sie hoffe, Kurt Vorhofer verzeihe der Jury
diese Entscheidung. Sie habe mit ihm einmal einen schweren
Konflikt gehabt, sie wisse zwar nicht mehr genau, warum, aber es
sei in den 80-er Jahren gewesen. Schließlich gab die
Preisträgerin ihrer Hoffnung Ausdruck, dass das Wort Mut künftig in Österreich nicht mehr mit dem Wort Journalismus in Verbindung gebracht wird. Österreich sei eine funktionierende Demokratie, unterstrich sie, mutigen Journalsimus gebe es in Ländern, wo man sein Leben dafür einsetze und seine Existenz riskiere.

Anneliese Rohrer, geboren am 24. September 1944 in Wolfsberg, war nach einem Geschichte-Studium zunächst als
Universitätsassistentin an der Universität Oakland in Neuseeland tätig, bevor sie 1974 als Journalistin zur "Presse" kam. 1987 avancierte sie zur Leiterin des Innenpolitik-Ressorts, seit
Jänner 2001 leitet Rohrer die außenpolitische Redaktion der "Presse".

Bisherige Preisträger des Kurt-Vorhofer-Preises sind Engelbert Washietl (1996), Katharina Krawagna-Pfeifer (1997), Karl
Danninger (1998), Christoph Kotanko (1999), Andreas Koller
(2000), Armin Thurnher (2001) und Gerhard Marschall (2002). (Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: pk@parlament.gv.at, Internet: http://www.parlament.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPA0004