"Kleine Zeitung" Kommentar: "Neuer Friedensplan wird den Jordan hinunter schwimmen" (Von Günter Lehofer)

Ausgabe vom 27.05.2003

Graz (OTS) - Israelis und Palästinenser sind noch nicht zum Kompromiss bereit.

So kompliziert der Friede zwischen Israelis und Palästinensern im Einzelnen auch sein mag, es gibt nur ein Kernproblem: Zwei Völker erheben den Anspruch auf dasselbe Stück Land. Der jüngste Plan, getragen von den USA, sieht zwei unabhängige Staaten vor. Das wäre möglich, wenn beide Seiten meinen, mehr wäre nicht mehr zu bekommen.

Aber die reale Lage ist nicht so. Israel hat durch Jahrzehnte der Siedlungstätigkeit die Landgewinne des ersten Krieges von 1948 kräftig ausgeweitet. Ein Teil der Israelis will das biblische Israel bis zum Jordan wieder herstellen. Es lässt sich nicht vorhersagen, ob dieses Ziel einerseits erreichbar ist und andererseits den Preis wert ist. Aber es gibt in Israel keine Mehrheit für einen Rückzug der Siedler. Es ist erst recht für Israelis unvorstellbar, dass diese Siedler Bürger eines palästinensischen Staates werden könnten. So wie eine Dreiviertelmillion Araber Bürger des Staates Israel sind.

Aber die extremeren Palästinenser wären damit nicht zufrieden. Sie wollen umgekehrt das Rückkehrrecht für alle geflüchteten und vertriebenen Bürger und ihre Nachkommen nach Israel. Würde das durchgesetzt, könnten die Israelis gleich wieder auswandern.

Die Extrempositionen sind klar: einerseits "die Juden ins Meer" und andererseits ein möglichst "araberfreies" Groß-Israel. Es gibt inzwischen Anzeichen dafür, dass auf beiden Seiten viele nicht mehr glauben, dass diese Extreme durchzusetzen sind. Da könnte der neue Friedensplan ansetzen und er versucht es auch.

Aber die Hoffnungen sind äußerst gering. Als einzige Macht der Welt könnten vermutlich die USA Israel einen Rückzug auf garantierte Grenzen aufzwingen. Aber die einzige Macht wird das nicht tun. In der amerikanischen Politik wäre eine solche Regierung gestorben. Der jüdische Einfluss ist ausreichend groß. Eine Änderung ist auf Jahre nicht in Sicht.

Dazu kommt, dass Israel sich auf die Solidarität fast aller Juden weltweit verlassen kann. Die Palästinenser können sich auf keine arabische Solidarität stützen. Sie sind nur Spielball für arabische Despoten. Die arabische Ohnmacht und Unfähigkeit werden durch Hass und Terror ersetzt. Auch von dieser Seite ist auf Jahre keine Änderung zu erwarten.

Alle anderen Mächte dieser Welt, einschließlich die EU, können nur kommentierende Zuschauer des Konfliktes sein. Einfluss haben sie nicht. So dürfte auch der neue Friedensplan wie dutzende vor ihm den Jordan hinunter schwimmen, mit viel Blut im Kielwasser. ****

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