OPTIMISTISCHE PERSPEKTIVEN FÜR DIE EU-ERWEITERUNG Polens Vizepremierminister Kolodko peilt den Euro schon für 2007 an

Wien (PK) - Der polnische Vizepremierminister und Finanzminister Grzegorz Kolodko besuchte heute Vormittag das Parlament und wurde vom Zweiten Präsidenten des Nationalrates Heinz Fischer herzlich willkommen geheißen. Fischer unterstrich in seinen Begrüßungsworten die gute Entwicklung der österreichisch-polnischen Beziehungen und dankte dem polnischen
Vizepremierminister und führenden Ökonomen für seine Bereitschaft, über die "Wirtschaftlichen Herausforderungen im Kontext der EU-Erweiterung" zu referieren. Die Botschafterin der Republik Polen in Österreich, Irena Lipowicz, zeigte sich erfreut darüber, in Österreich einen polnischen Politiker vorstellen zu können, der sein Land auf eine so charakteristische Weise
vertrete wie Grzegorz Kolodko.

Der polnische Vizepremier leitete seine Ausführungen zunächst mit dem Hinweis darauf ein, dass Polen wegen der großen Zahl seiner Einwohner in ökonomischer Hinsicht das wichtigste der zehn EU-Beitrittsländer darstelle. Vor allem aber betonte Kolodko, dass
der Prozess der EU-Erweiterung mehr sei als ein "lokales"
Ereignis in Europa, denn er sei Teil des größeren Prozesses der Globalisierung. Vor diesem Hintergrund beleuchtete Kolodko die erfolgreichen Bemühungen seines Landes, den europäischen Acquis Communautaire zu erfüllen sowie die Anstrengungen Europas insgesamt, die führende auf Wissen gegründete Ökonomie der Welt, die USA, einzuholen. Dabei ging Prof. Kolodko auf die
erfolgreiche Einführung des Euro ein, unterstrich die
europäischen Bemühungen um eine Harmonisierung des europäischen Steuersystems und nicht zuletzt die ambitionierten Anstrengungen
der Europäischen Union auf den Gebieten Wissenschaft und
Forschung.

In seinem Rückblick auf die Entwicklung Polens von der Transformation der kommunistischen Planwirtschaft bis hin zur Integration in die Europäische Union - ein Prozess, der in keinem Lehrbuch beschrieben sei und der nur durch "Learning by doing" bewältigt werden konnte - unterstrich der Ökonom und Politiker, wie wichtig es sei, den Menschen eine optimistische Perspektive
für die Zukunft ihres Landes zu geben. Nicht ohne Stolz
referierte Kolodko über die wirtschaftlichen Erfolge seines
Landes als Standort von Auslandsinvestitionen und bei der
Steigerung des Exports. Es gebe selbstverständlich auch Probleme, er sehe aber für die aktuelle polnische Wachstumsstrategie sehr viel Licht am Horizont, sagte Kolodko. Er sei zuversichtlich,
dass es Polen gelingen werde, 5 % Wirtschaftswachstum zu
erreichen und schon im Jahr 2007 der Europäischen Wirtschafts-
und Währungsunion beizutreten. Dem Erstaunen, das er mit seinen optimistischen Perspektiven im Publikum auslöste, begegnete der polnische Vizepremier in der nachfolgenden Diskussion, indem er aktuelle polnische Daten zu den Maastricht-Kriterien vorlegte.

EIN INTERNATIONAL FÜHRENDER WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTER

Prof. Grzegorz W. Kolodko ist einer der bedeutendsten polnischen Wirtschaftswissenschafter und international anerkannte Autorität auf dem Gebiet der Entwicklungsökonomie und der
Wirtschaftspolitik. Bereits in den Jahren 1994 bis 1997 fungierte Kolodko als Vizepremierminister und Finanzminister Polens. Beide Funktionen bekleidet er seit dem Vorjahr wiederum in der
Regierung von Premierminister Leszek Miller.

Professor Kolodkos wissenschaftliches Interesse gilt seit einigen Jahren theoretischen und praktischen Problemen der Globalisierung und Fragen der Wirtschaftstransformation. Als Politiker spielte
und spielt Kolodko eine führende Rolle im Prozess der wirtschaftlichen Transformation und Modernisierung Polens. Unter anderem bereiteten die von ihm initiierten Reformen in den
neunziger Jahren den Weg für die Integration Polens in die OECD.

Prof. Kolodko ist Professor der Wirtschaftswissenschaften an der Leon-Kozminski-Hochschule für Business und Management sowie an
den US-Universitäten in Yale, Los Angeles und Rochester. Als Experte berät er unter anderem die UNO, die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds. Seine Publikationsliste umfasst dreißig Bücher und mehr als 250 Aufsätze und Artikel, die in zwanzig Sprachen veröffentlicht wurden.

Und nicht zuletzt wird der polnische Vizepremierminister auch dem antiken Grundsatz "mens sana in corpore sano" gerecht. Mit Stolz präsentierte er dem Publikum seine Medaille vom gestrigen Vienna City Marathon, den der polnische Premierminister trotz drückender Hitze mit einer Zeit von 04:29:41 beendete.

Am Nachmittag wird Vizepremierminister und Finanzminister
Grzegorz Kolodko mit Bundesratspräsident Herwig Hösele zu einem Gespräch zusammentreffen. (Schluss)

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