- 26.05.2003, 13:41:44
- /
- OTS0135 OTW0135
OPTIMISTISCHE PERSPEKTIVEN FÜR DIE EU-ERWEITERUNG Polens Vizepremierminister Kolodko peilt den Euro schon für 2007 an
Wien (PK) - Der polnische Vizepremierminister und Finanzminister
Grzegorz Kolodko besuchte heute Vormittag das Parlament und wurde
vom Zweiten Präsidenten des Nationalrates Heinz Fischer herzlich
willkommen geheißen. Fischer unterstrich in seinen
Begrüßungsworten die gute Entwicklung der österreichisch-
polnischen Beziehungen und dankte dem polnischen
Vizepremierminister und führenden Ökonomen für seine
Bereitschaft, über die "Wirtschaftlichen Herausforderungen im
Kontext der EU-Erweiterung" zu referieren. Die Botschafterin der
Republik Polen in Österreich, Irena Lipowicz, zeigte sich erfreut
darüber, in Österreich einen polnischen Politiker vorstellen zu
können, der sein Land auf eine so charakteristische Weise
vertrete wie Grzegorz Kolodko.
Der polnische Vizepremier leitete seine Ausführungen zunächst mit
dem Hinweis darauf ein, dass Polen wegen der großen Zahl seiner
Einwohner in ökonomischer Hinsicht das wichtigste der zehn EU-
Beitrittsländer darstelle. Vor allem aber betonte Kolodko, dass
der Prozess der EU-Erweiterung mehr sei als ein "lokales"
Ereignis in Europa, denn er sei Teil des größeren Prozesses der
Globalisierung. Vor diesem Hintergrund beleuchtete Kolodko die
erfolgreichen Bemühungen seines Landes, den europäischen Acquis
Communautaire zu erfüllen sowie die Anstrengungen Europas
insgesamt, die führende auf Wissen gegründete Ökonomie der Welt,
die USA, einzuholen. Dabei ging Prof. Kolodko auf die
erfolgreiche Einführung des Euro ein, unterstrich die
europäischen Bemühungen um eine Harmonisierung des europäischen
Steuersystems und nicht zuletzt die ambitionierten Anstrengungen
der Europäischen Union auf den Gebieten Wissenschaft und
Forschung.
In seinem Rückblick auf die Entwicklung Polens von der
Transformation der kommunistischen Planwirtschaft bis hin zur
Integration in die Europäische Union - ein Prozess, der in keinem
Lehrbuch beschrieben sei und der nur durch "Learning by doing"
bewältigt werden konnte - unterstrich der Ökonom und Politiker,
wie wichtig es sei, den Menschen eine optimistische Perspektive
für die Zukunft ihres Landes zu geben. Nicht ohne Stolz
referierte Kolodko über die wirtschaftlichen Erfolge seines
Landes als Standort von Auslandsinvestitionen und bei der
Steigerung des Exports. Es gebe selbstverständlich auch Probleme,
er sehe aber für die aktuelle polnische Wachstumsstrategie sehr
viel Licht am Horizont, sagte Kolodko. Er sei zuversichtlich,
dass es Polen gelingen werde, 5 % Wirtschaftswachstum zu
erreichen und schon im Jahr 2007 der Europäischen Wirtschafts-
und Währungsunion beizutreten. Dem Erstaunen, das er mit seinen
optimistischen Perspektiven im Publikum auslöste, begegnete der
polnische Vizepremier in der nachfolgenden Diskussion, indem er
aktuelle polnische Daten zu den Maastricht-Kriterien vorlegte.
EIN INTERNATIONAL FÜHRENDER WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTER
Prof. Grzegorz W. Kolodko ist einer der bedeutendsten polnischen
Wirtschaftswissenschafter und international anerkannte Autorität
auf dem Gebiet der Entwicklungsökonomie und der
Wirtschaftspolitik. Bereits in den Jahren 1994 bis 1997 fungierte
Kolodko als Vizepremierminister und Finanzminister Polens. Beide
Funktionen bekleidet er seit dem Vorjahr wiederum in der
Regierung von Premierminister Leszek Miller.
Professor Kolodkos wissenschaftliches Interesse gilt seit einigen
Jahren theoretischen und praktischen Problemen der Globalisierung
und Fragen der Wirtschaftstransformation. Als Politiker spielte
und spielt Kolodko eine führende Rolle im Prozess der
wirtschaftlichen Transformation und Modernisierung Polens. Unter
anderem bereiteten die von ihm initiierten Reformen in den
neunziger Jahren den Weg für die Integration Polens in die OECD.
Prof. Kolodko ist Professor der Wirtschaftswissenschaften an der
Leon-Kozminski-Hochschule für Business und Management sowie an
den US-Universitäten in Yale, Los Angeles und Rochester. Als
Experte berät er unter anderem die UNO, die Weltbank und den
Internationalen Währungsfonds. Seine Publikationsliste umfasst
dreißig Bücher und mehr als 250 Aufsätze und Artikel, die in
zwanzig Sprachen veröffentlicht wurden.
Und nicht zuletzt wird der polnische Vizepremierminister auch dem
antiken Grundsatz "mens sana in corpore sano" gerecht. Mit Stolz
präsentierte er dem Publikum seine Medaille vom gestrigen Vienna
City Marathon, den der polnische Premierminister trotz drückender
Hitze mit einer Zeit von 04:29:41 beendete.
Am Nachmittag wird Vizepremierminister und Finanzminister
Grzegorz Kolodko mit Bundesratspräsident Herwig Hösele zu einem
Gespräch zusammentreffen. (Schluss)
Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: pk@parlament.gv.at, Internet: http://www.parlament.gv.at
OTS0135 2003-05-26/13:41
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPA






