"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Grundsatzdebatte?" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 26. Mai 2003

Innsbruck (OTS) - In bisher nicht gekannter Klarsicht und Schärfe haben Regierungsmitglieder während der vergangenen Wochen deutlich gemacht, was beim Thema Pensionen schon viel früher hätte geschehen müssen. Es geht um die Zukunft, so die absolut zutreffende Begründung. Genau vor diesem Hintergrund würde man sich in Österreich allmählich auch eine fundierte Schuldebatte mit den entsprechenden Konsequenzen wünschen.

Es gab keinen Aufstand, als seinerzeit aus wenigen freien Tagen zum Zweck des Energiesparens richtige Semesterferien wurden. Auch die Bedenken gegen die schulautonomen Tage hielten sich in bescheidenen Grenzen. Heute machen die AHS-Lehrer nochmals mit einem Streik gegen den Leistungsrückzug des Staates bei Schulstunden mobil. Für Ministerin Gehrer ist das Thema bereits erledigt. Die Erregung der Öffentlichkeit verebbt. Wenn in allen anderen Bereichen gespart werden muss, dann eben auch bei den Schulstunden, lautete dafür das locker formulierte Argument. Sprach- und Verständigungsschwierigkeiten hinter fest gefügten Fronten in einem für das Land wesentlichen Bereich?
Tatsache ist, dass exzellente Ausbildung im europäischen und weltweiten Wettbewerb ständig weiter an Bedeutung gewinnt. Tatsache ist ebenso, dass im rasanten Wandel der Gesellschaft kommentarlos auf Schulen und Lehrer Zug um Zug Aufgaben abgeladen wurden. Beides im Alltag zu vereinen, kommt oft einem schwierigen Drahtseilakt gleich, wird in den Debatten aber höchst selten anerkannt. Um die zweifelsfreie Definition von Prioritäten wird von den Verantwortlichen der Politik meist ein weiter Umweg gemacht.
Dass mit respektablen Ergebnissen alles doch immer irgendwie funktioniert, vermag als Patentrezept auf Dauer nicht zu begeistern. Die Pensionsdebatte hat dies erneut und mit vermutlich drastischen Folgen gelehrt.

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