Wiener Grüne: Ehrengrab für NS-Major Nowotny wird auf Antrag der Grünen aberkannt

Unverständliches Vorgehen der ÖVP und der FPÖ: Beide stimmen dem Antrag nicht zu.

Wien (Grüne) - NSDAP-Mitgliedsnummer 6382781, illegaler HJ-Führer, hochdekorierter Major der deutschen Luftwaffe, 258 Abschüsse alliierter Flugzeuge, tödlicher Absturz 1944 als 24jähriger, Ehrengrab verliehen von einem "Reichsauschuss" des NS-Regimes. Während viele NS-Ehrengräber nach dem Krieg aus naheliegenden Gründen aufgelassen wurden, blieb das Grab von Major Walter Nowotny mit der Inschrift "Ewig ist der Toten Tatenruhm" bis zum heutigen Tag ein von der Stadt Wien bezahltes Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof. Zu allem Überfluss wurde das Grab auch noch zu einer Kultstätte für die Kameradschaft IV, eine Vereinigung ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS, die zu jedem Novemberbeginn zu dieser Grabstätte pilgert und einen Kranz niederlegt.

"Ein Ehrengrab für einen NS-Major, dessen gesamte sogenannte Leistung im Abschießen von alliierten Flugzeugen besteht, ist schlicht und einfach eine Schande", formuliert David Ellensohn, Gemeinderat der Wiener Grünen, seine Kritik. Besonders geschmacklos findet Ellensohn, dass sich das Ehrengrab der verdienten Widerstandskämpferin Rosa Jochmann, die mehrere Jahre im KZ Ravensbrück verbringen musste, in derselben Gräbergruppe 14 C befindet.

"Die Aberkennung des Nowotny-Ehrengrabes war in den vergangenen Jahrzehnten vielen Menschen ein Anliegen", so Ellensohn und weiter::
"Wehrmachtsdeserteur Richard Wadani hat einen sehr ausführlichen Briefwechsel mit Alt-Bürgermeister Helmut Zilk, Ex-Kulturstadtrat Peter Marboe und Bürgermeister Michael Häupl geführt. Außerdem setzten sich auch die Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen oder der Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands, Wolfgang Neugebauer, für die Abschaffung des NS-Ehrengrabs von Walter Nowotny ein."

Auch wenn es lange gedauert hat, heute hat diese Arbeit endlich Früchte getragen. "Ich möchte mich jetzt nicht darüber auslassen, dass es sehr lange gedauert hat, bis wir in dieser Stadt eine Mehrheit für die Aberkennung dieses Ehrengrabes gefunden haben. Ich freue mich ganz einfach, dass der Grüne Antrag auf Aberkennung dieses Ehrengrabs heute von den SozialdemokratInnen unterstützt wurde und dieser Spuk damit einem baldigen Ende entgegen sieht", schließt David Ellensohn.

Rückfragen & Kontakt:

Pressereferat der Grünen im Wiener Rathaus
Tel.: 4000-81814
http://wien.gruene.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GKR0006