KAPITEL KULTUR IM BUDGETAUSSCHUSS Albertina und KHM im Mittelpunkt der Debatte

Wien (PK) - Als nächstes verhandelte der Unterausschuss des Budgetausschusses in seiner heutigen Sitzung das Kapitel
"Kultur". Abgeordnete Christine Muttonen (S) verwies in diesem Zusammenhang auf die negativen Schlagzeilen, in welche die heimischen Museen jüngst gekommen seien. Nicht nur, dass durch
den Raub der Saliera von Benvenuto Cellini unvorstellbarer
Schaden entstanden sei, es komme mittlerweile aus budgetären Gründen sogar zu Ausstellungsabsagen wie jüngst in der Albertina. Wiewohl sich die rechtliche Situation der Museen geändert habe, trage der Bund, so Muttonen, weiterhin Verantwortung und müsse daher, so ihre Forderung, ein Museumskonzept vorlegen, zumal es derzeit ob des Fehlens eines solchen zu Überschneidungen, Doppelgleisigkeiten, ja zu einem regelrechten Verdrängungswettbewerb in der Museumslandschaft komme. Der
Umstand, dass derzeit viele Museen in denselben Gewässern, namentlich in der klassischen Moderne, fischten, führe zu einer
Art "Einheitsbrei", die der Stellung der Museen á la longue abträglich sei. Gleichzeitig würden wichtige Ausstellungsgüter wie die Graphische Sammlung der Albertina nicht gezeigt, was überaus bedauernswert sei. Muttonen zufolge brauche es daher eine "aktive Museumspolitik" des Bundes, um die Aktivitäten der Museen zu koordinieren und deren Profil zu schärfen. Konkret sprach Muttonen eine in Rede stehende Studie an und wollte von der Ministerin wissen, wann diese zugänglich sei und zu welchen Schlüssen deren Autoren kämen.

Abgeordneter Josef Cap (S) ging insbesondere auf den Kunstraub im Kunsthistorischen Museum ein und fragte, weshalb Direktor Seipel nicht, wie "in einem normalen Haus üblich", bis zum Ende der nötigen Untersuchung suspendiert worden sei. Seipel bereits vor
den Untersuchungen einen Persilschein auszustellen, sei, so Cap, unzulässig. Auch das Krisenmanagement biete Anlass zu scharfer Kritik, folgerte Cap. "Das kann so nicht gehandelt werden",
lautete sein Resümee. Hinsichtlich der Albertina schloss sich Cap seiner Fraktionskollegin an und beklagte ebenfalls, dass die Graphiken unter Verschluss gehalten würden. Er könne hinter dem Vorgehen der Albertina kein Konzept erkennen. An die Ministerin gewandt, meinte Cap: "Das ist keine Museumspolitik, Frau
Minister."

Die Entwicklungen rund um das KHM und die Albertina evozierten
auch Fragen seitens der Abgeordneten Gerhard Reheis, Heidrun
Walther und Anita Fleckl (alle S), während ihr Klubkollege
Hermann Krist das Linzer Museum "Lentos" ansprach.

Abgeordnete Andrea Wolfmayr (V) widersprach den
sozialdemokratischen Einwendungen scharf und meinte, man dürfe
aus einem solchen Vorfall kein "politisches Kleingeld" schlagen. Seitens des Museums seien alle erforderlichen
Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden, man könne schließlich keine "Hochsicherheitstrakte" um die Kunstwerke errichten. Den
von den Sozialdemokraten konstatierten "Einheitsbrei" könne sie nicht sehen, vielmehr habe man es in Österreich mit einer überaus lebenden Museumsszene zu tun, wobei der Bund seine Aufgaben voll
und ganz erfülle. Er habe die Schwerpunkte richtig gesetzt und
vor dem Hintergrund der Möglichkeiten zielorientiert agiert.

Abgeordneter Eduard Mainoni (F) wollte wissen, welche Lehren man
aus dem Kunstraub im KHM ziehe. Es stelle sich mitunter heraus,
dass "Sicherheit am Bedarf vorbei geleistet" werde, und dem müsse Rechnung getragen werden. So wäre etwa ein Brand in der Albertina derzeit fatal. Von der Bundesministerin wollte Mainoni daher
wissen, ob die Sicherheitsaspekte im Budget ausreichend dotiert seien und ob die entsprechenden Vorkehrungen adäquat verstärkt werden. Sein Klubkollege Detlev Neudeck griff ebenfalls Sicherheitsfragen auf, erkundigte sich aber auch danach,
inwiefern sich das steigende Besucheraufkommen in den Museen auf
die Einnahmen auswirkten.

Abgeordnete Eva Glawischnig (G) beklagte geplante Kürzungen im Bereich der Erwachsenenbildung und der Alltagskultur, zumal es
ihrer Ansicht nach verfehlt sei, just bei der Kunstvermittlung einsparen zu wollen. Kritik übte Glawischnig an Albertina-
Direktor Schröder, der angekündigt habe, wertvolle Originalstücke veräußern zu wollen, um Sammlungslücken schließen zu können. Hinsichtlich der Werbebanner auf den Gerüsten des KHM wollte Glawischnig wissen, wer diese Einnahmen lukriere. Weiters sprach Glawischnig die Sicherheitsbedingungen im KHM an und erkundigte
sich danach, ob es stimme, dass es im KHM eine interne Weisung gegeben habe, ob der zahllosen Fehlalarme diese nicht mehr an die Exekutive zu melden. Ihre Fraktionskollegin Terezija Stoisits (G) thematisierte die finanzielle Situation der IKG.

Schließlich gab es noch seitens der Abgeordneten Gertrude Brinek (V) und Andrea Kuntzl (S) Fragen bezüglich des Museumsquartiers sowie eine Frage der Abgeordneten Ulrike Baumgartner-Gabitzer (V) hinsichtlich der TM-Expositur Strasshof. Ihre Klubkollein Carina Felzmann begehrte Auskünfte nach den Ausstellungshighlights der Saison.

Bundesministerin Elisabeth Gehrer meinte unter Bezugnahme auf den Kunstraub, eine hundertprozentige Sicherheit sei nicht zu gewährleisten, "sonst müsste man die Museen sperren". Die mancherorts geäußerten Tiraden gegen einen äußerst erfolgreichen Direktor finde sie jedoch merkwürdig, denn man entlasse ja auch nicht den Generaldirektor eines Konzerns, wenn irgendwo ein Einbrecher einen Tresor knacke. Jedenfalls seien alle notwendigen Maßnahmen getroffen worden und habe man alle wichtigen Schritte (Fahndung etc.) eingeleitet. Dies sei auch von internationaler
Seite bestätigt worden. Die Ministerin räumte "menschliche Fehlleistungen" ein, stellte aber gleichzeitig klar, dass alles darangesetzt werde, das wertvolle Stück wiederzubeschaffen. Im übrigen habe es keineswegs viele Fehlalarme gegeben. Man nehme
die Lage und den Vorfall jedenfalls überaus ernst und setze alles daran, die Sicherheit entsprechend zu erhöhen. Die Werbeeinnahmen teilten sich übrigens KHM und Burghauptmannschaft.

Albertina-Chef Schröder, der 2,3 Millionen Euro an Sponsorenbeiträgen erwirtschaftet habe, sei ein äußerst fähiger Direktor, der neue Wege beschreite, was sie, Gehrer, gutheiße.
Sie verstehe die Kritik an seinem Konzept nicht. Die Besucher
nehmen die Ausstellungen jedenfalls an, was die Richtigkeit des Weges aufzeige, so die Ministerin: "Das ist eine ganz spannende Kulturentwicklung, wo die Stärken der einzelnen Museen bewusst ausgespielt werden." Die Studie sei im Status der Fertigstellung
und werde sodann natürlich auch den Mitgliedern des Ausschusses zugeleitet. Hinsichtlich der Ausstellungshighlights verwies
Gehrer auf eine sechsseitige Unterlage, die sie den Abgeordneten ebenfalls zukommen lassen werde.
Veräußerungen von Originalstücken seien rechtlich nicht möglich.

Die Budgetkürzungen bei der Erwachsenenbildung rechtfertigte die Ministerin damit, dass die Länder hier verstärkt Aufgaben übernommen hätten. Bundeszuschüsse zu Projekten in einzelnen Bundesländern, meinte Gehrer unter Bezugnahme auf "Lentos", seien jeweils auf eine besondere Situation zurückzuführen, so beispielsweise in Graz auf die heurige Rolle als Kulturhauptstadt Europas. Hinsichtlich der IKG verwies Gehrer auf die diesbezüglichen Gespräche vor dem Hintergrund der rechtlichen Lage. Ebenso beantwortete die Ministerin die aufgeworfenen Fragen zum Museumsquartier und zu Strasshof.

(Schluss Kultur/Forts. Budgetausschuss)

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