Klestil in NEWS: "Mir mißfällt vieles, was in Österreich vorgeht."

Der Bundespräsident: "Dialog und Bereitschaft sind verloren gegangen" - "Kommt bei Pensionsreform nicht darauf an, ob einige Monate früher oder später"

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin in seiner morgen erscheinenden Ausgabe berichtet, erklärt Bundespräsident Thomas Klestil, dass ihn die Sorge um die Lage Österreichs sehr bedrücke. Wörtlich: "Der Dialog, die Konsensbereitschaft ist leider in den letzten Jahren zu kurz gekommen, wenn nicht sogar verloren gegangen."

Zur Pensionsreform meint der Bundespräsident: "Es kommt auf die Inhalte der Reform an und nicht darauf, ob sie einige Monate früher oder später beschlossen wird."

Der Bundespräsident kritisiert auch die Nicht-Information der von der Pensionsreform betroffenen Bevölkerung mit folgenden Worten: "Nicht richtig ist - so finde ich - dass die Bevölkerung über die einschneidende Pensionsreform nicht ausreichend informiert wird und jeder Dialog über die Pensionsreform als hinderlich abgetan wurde." Er werde nicht hinnehmen, dass die Sozialpartnerschaft Schaden nehme:
"Die Sozialpartnerschaft war und ist ein Markenzeichen der 2. Republik."

Er selbst werde sich im letzten Jahr seines Amtes öfter auch zur Innenpolitk zu Wort melden: "Ob es nun angenehm ist oder nicht, ich werde nicht aufhören, "Rufer in der Wüste" zu sein." Und: "Es ist die Gesprächskultur, die verloren gegangen zu sein scheint. Ich befinde mich im letzten Jahr meiner Amtszeit und werde offener denn je Fehlentwicklungen in unserem Lande ansprechen und aufzeigen." Zum generellen Zustand der Republik erklärt Klestil: "Mir mißfällt vieles, was derzeit in Österreich vorgeht."

Im NEWS-Gespräch deutet Klestil auch seine Mitwirkung an der Geiselaffäre in Algerien an. Dabei kritisiert er schwer das Außenministerium: "Menschliche Tragödien eignen sich nicht für Selbstdarstellungszwecke."

Zur Kritik an seiner eigenen Person (Presse-Zitat: Ist die Hofburg noch zu retten?) erklärt Klestil: "Diese Diskussion ist würdelos. Vielleicht befinden wir uns schon im Vorwahlkampf zu den Präsidentschaftswahlen 2004. Alle Beteiligten sollten kühlen Kopf bewahren, um die Institutionen der Republik und die österreichische Verfassung nicht zu beschädigen, sondern zu schützen."

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