BUDGETAUSSCHUSS BEHANDELT KAPITEL BILDUNG Gehrer sieht keine Qualitätseinbußen durch Stundenreduktion

Wien (PK) - Die geplanten Stundenkürzungen und der bevorstehende Lehrerstreik waren heute zentrale Themen der Beratungen des Budget-Unterausschusses über das Kapitel Bildung.
Bundesministerin Elisabeth Gehrer sah sich mit Vorwürfen der Opposition konfrontiert, diese Stundenreduktionen würden zu einem Qualitätsverlust des Unterrichts führen und darüber hinaus nicht den Wünschen der Schüler entsprechen. Die Abgeordneten von ÖVP und FPÖ hingegen unterstützten die Maßnahmen als Ausdruck der Entlastung der Schüler und erwarteten sich davon auch eine Stärkung der Schulautonomie.

Im einzelnen meinte Abgeordnete Beate Schasching (S), die Kürzung der Stundenanzahl stehe im Widerspruch zu den vom Ministerium mit der Zukunftskommission verfolgten Zielen. Sie zeigte sich zudem verwundert darüber, dass zwar Turnstunden, nicht aber Religionsstunden von den Kürzungen betroffen sind. Überdies befürchtet Schasching negative Auswirkungen der Maßnahme auf die Umsetzung der Lehrplanreform an den AHS.

Abgeordneter Franz Riepl (S) vertrat die Meinung, die Schüler hätten keinerlei Verständnis für die Stundenkürzungen. Den für kommende Woche geplanten Lehrerstreik wiederum bezeichnete Riepl
als "politische Bildung".

Abgeordneter Alfred Brader (V) bemerkte dazu, ganz so ernst könne es der SPÖ mit ihrer Kritik an den Stundenkürzungen nicht sein, wenn sie gleichzeitig den Lehrerstreik und die damit
einhergehenden Stundenausfälle unterstütze.

Wenn Schüler nun für mehr Schulstunden demonstrieren, dann müsse dies wohl auf einen plötzlichen "Verhaltenswandel" unter den
jungen Leuten zurückzuführen sein, warf Abgeordneter Wolfgang Großruck (V) in die Debatte ein.

Als Schülerentlastung interpretierte Abgeordnete Mares Rossmann
(F) die Stundenkürzungen. Sie fragte darüber hinaus die Bundesministerin, ob sie die streikenden Lehrer "zur Räson" rufen werde.

Abgeordneter Dieter Brosz (G) kritisierte ebenso wie Abgeordneter Erwin Niederwieser (S), dass im Budget für das Jahr 2004
keinerlei Vorkehrungen für Gehaltserhöhungen und personelle Strukturveränderungen getroffen seien. Sie befürchteten deshalb Kürzungen bei den Lehrerdienstposten, um allfällige Mehrkosten auszugleichen. Brosz warf der Ministerin auch vor, bei den Stundenkürzungen von falschen internationalen Vergleichsdaten auszugehen. Der Berechungsschlüssel der OECD sei nicht
eingehalten worden, bei korrekter Kalkulation würde Österreich nach den geplanten Stundenkürzungen um eine Stunde unter dem OECD-Schnitt liegen, gab er zu bedenken.

Abgeordneter Werner Amon (V) verteidigte die Stundenkürzungen.
Die Opposition habe jahrelang eine Entlastung der Schüler
gefordert und kritisiere jetzt die Stundenkürzungen. Wie soll die Schülerentlastung denn funktionieren, wenn nicht durch eine Reduktion der Schulstunden, fragte er.

Bundesministerin Elisabeth Gehrer meinte, 38 Stunden Arbeit, die
man einem Erwachsenen zumute, müssten auch für Schüler genug sein. Wenn Schüler behaupten, sie hätten gerne mehr Stunden, dann werde wohl eine Beeinflussung von gewisser Seite stattfinden, bemerkte sie pointiert. Dem Streik sieht Gehrer, wie sie sagte, gelassen entgegen, politische Bildung für die Schüler sei dies aber sicher keine, betonte sie.

Was Leibeserziehung betrifft sprach Gehrer von einem hohen Ausmaß an Turnstunden und meinte, jeder Schule stehe es frei, eigene Schwerpunkte zu setzen und zusätzliche Turnstunden zur Verfügung zu stellen. Bei den Religionsstunden verwies die Ministerin auf
das Konkordat und betonte überdies, ihrer Meinung nach sei es wichtig, dass junge Menschen eine gute Wertegrundlage bekommen.

Gehaltserhöhungen für Lehrer und die Vermehrung von Dienstposten seien im Budget abgedeckt, versicherte die Ressortchefin. Die Maßnahmen seien aber so gesetzt, dass der Struktureffekt nicht
voll zum Tragen kommt. Überhaupt sei es gelungen, das Unterrichtsbudget um 200 Mill. € anzuheben. Die Qualität des Unterrichtes bleibe bei effizientem Umgang mit den Steuergeldern
und trotz der Stundenkürzungen gesichert, unterstrich Gehrer
dabei mit Nachdruck. An Schwerpunkten der Bildungspolitik nannte
die Ministerin die Qualität der Schule, die Ausarbeitung von Leistungsstandards, die Umsetzung neuer Lehr- und Lernformen
sowie Bildungsinvestitionen in neue Technologien. (Schluss Bildung/Forts. Budgetausschuss)

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