Trotz "Alternativmethoden" steigt die Zahl der Tierversuche an

Wien (OTS) - Trotz Entwicklung zahlreicher "Alternativmethoden"
zum Tierversuch nehmen Tierversuche europaweit zu. "Dies deshalb, weil es sich bei den sogenannten "Alternativen" nicht um tierversuchsfreie Verfahren handelt, sondern Tiere weiterhin, ja sogar vermehrt, große Ängste, Qualen, Schmerzen und Leiden in Versuchen erdulden müssen - bis zu ihrem unausweichlichen Tod im Labor.
Nicht genug damit, müssen wirklich tierversuchsfreie Methoden bis zu ihrer behördlichen Anerkennung einen besonders komplizierten und langwierigen Validierungsprozess durchlaufen, den nur wenige schaffen", so Gerda Matias, Präsidentin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner (IBT). Sie kritisiert, dass im Gegensatz dazu Tierversuche überhaupt keiner Validierung, also der Bewertung ihrer wissenschaftlichen Qualität unterzogen werden.

Sogenannte "Alternativmethoden" sind keine tierversuchsfreien Methoden

Bei der Entwicklung von wirklich tierversuchsfreien Methoden orten die TierversuchsgegnerInnen ein ursächliches Problem darin, dass die Forschung nach tierversuchsfreien Methoden zum überwiegenden Teil von Institutionen und Firmen betrieben wird, die in der Regel parallel dazu noch immer vorrangig Tierversuche machen.
In diesem Sinne entwickeln WissenschafterInnen, die der fragwürdigen Tierversuchsmethode verhaftet sind und denen es in der Regel auch an darüber hinausgehenden Ausbildungen fehlt, "Alternativen" nach dem 3R-Konzept. Die Ergebnisse sind dementsprechend mager und unbefriedigend. Sie tragen nicht zu einer Reduzierung von Tierversuchen bei, wie allein schon die nüchterne Betrachtung der Zahlen der jährlichen amtlichen Tierversuchsstatistiken der EU-Mitgliedstaaten beweist.

Das umstrittene 3R-Konzept ist ein Etikettenschwindel

Bei der Entwicklung von "Alternativmethoden", für die weiterhin Tiere verwendet werden, stützen sich die Forscher auf das umstrittene 3R-Konzept, das 1959 von den Wissenschaftern Russel und Burch begründet wurde. Die drei Rs leiten sich von den englischen Begriffen reduce (Reduzieren), refine (Verfeinern) und replace (Ersetzen) ab. Demnach gilt schon als "Alternativ- bzw. Ersatzmethode", wenn eine geringere Anzahl von Versuchstieren eingesetzt wird (reduce) oder wenn die Tiere weniger Leiden und Schmerzen ertragen müssen, indem sie etwa in größeren Käfigen untergebracht werden (refine).

"Die Verwendung der Begriffe "Alternativ- bzw. Ersatzmethode" für Methoden, bei denen weiterhin Tiere, wenn auch in geringerer Anzahl und unter vermuteten weniger Leiden und Schmerzen, eingesetzt werden, ist ein Etikettenschwindel mit schwerwiegenden Folgen, da er mittlerweile von wichtigen Entscheidungsträgern übernommen wird", betont Gerda Matias. "Zum Beispiel werden die ohnehin spärlichen öffentlichen Forschungsgelder für "Alternativ- und Ersatzmethoden" an Personen und Einrichtungen vergeben, die Projekte im Sinne der 3Rs -also mit zusätzlichen Tierversuchen - durchführen".

Ein weiterer Grund, warum die Zahl der Tierversuche nicht sinkt, ist, weil nur wenige tierversuchsfreie Methoden die behördliche Anerkennung schaffen.

Die Validierung - ein Hürdenlauf

Bevor ein tierversuchsfreies Verfahren behördlich anerkannt wird, muss es - im Gegensatz zu Tierversuchen - den Hürdenlauf eines aufwendigen Validierungsprozesses durchlaufen, der im Durchschnitt zehn Jahre dauert. Das methodische Problem dabei ist, dass die Ergebnisse der tierversuchsfreien Methode mit den Ergebnissen des Tierversuches, der ersetzt werden soll, verglichen werden und mit diesen übereinstimmen müssen.

Doch die Tierversuche liefern selbst unverlässliche, unsichere und nicht reproduzierbare Ergebnisse: Untersuchungen haben gezeigt, dass Tierversuche, durchgeführt mit ein- und derselben Versuchsanordnung in verschiedenen Labors unter den gleichen Bedingungen und Voraussetzungen, unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Dazu kommt, dass sich die Ergebnisse aus dem Tierversuch nicht auf den Menschen übertragen lassen. Die weltweit über 8.000 wegen schwerster Nebenwirkungen und auch tödlicher Folgen beim Menschen zurückgenommenen Arzneimittel beweisen die Untauglichkeit der Tierversuche für die Bewertung der Sicherheit und Unbedenklichkeit. Auch nehmen - trotz millionenfacher Tierversuche - die Umwelt- und Lebensmittelbelastungen mit gefährlichen Stoffen kontinuierlich zu. Bei der Behandlung von Aids, Krebs, Allergien, Diabetes, Herz- und Kreislauferkrankungen etc. sind kaum Fortschritte zu verzeichnen. DDr. Christopher Anderegg: "Gemäß Studien der chemischen Industrie selbst erweisen sich 90 bis 95 Prozent der Produkte, die im Tierversuch für sicher oder wirksam befunden wurden, während der klinischen Prüfungen am Menschen als unbrauchbar oder gefährlich."

"Unter diesem Aspekt, dass Tierversuche nicht verlässlich reproduzierbar sind und sich auf den Menschen schlecht übertragen lassen, stellt diese Art der Validierung einen großen Hemmschuh bei der Entwicklung und Anerkennung von tierversuchsfreien Verfahren dar", so Gerda Matias zusammenfassend.

Damit die Anzahl der Tierversuche zumindest nicht noch weiter steigt, fordern die TierversuchsgegnerInnen eine saubere und transparente Definitionstrennung der Begriffe, eine verstärkte Förderung der Entwicklung von echten tierversuchsfreien Methoden und eine Gesamtreform des umstrittenen Validierungsverfahrens.

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"Internationaler Bund der Tierversuchsgegner" (IBT)
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rathmanner@tierversuchsgegner.at
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