Pensionspläne der Regierung berücksichtigen Änderungen in der Berufswelt überhaupt nicht

Linz (OTS) - Ein wichtiges Kriterium für eine gelungene, zukunftsorientierte Pensionsreform ist - neben der Absicherung der finanziellen Leistungsfähigkeit - auch die Berücksichtigung der ständigen Änderungen in der Berufswelt. In diesem Lichte sehen die Regierungspläne nicht nur höchst unsozial, sondern auch ziemlich altbacken aus, meint die AK-Frauenredaktion.

Der Trend auf dem Arbeitsmarkt ist seit vielen Jahren klar sichtbar. Die (steigende) Frauenerwerbstätigkeit ist nicht zuletzt aufgrund familienfeindlicher Arbeitsorganisation und fehlender öffentlicher Kinderbetreuung immer mehr gekennzeichnet von Teilzeitarbeit. Zur Steigerung der Flexibilität und Reduzierung von Personalkosten greifen Unternehmen immer mehr auf Arbeitsformen wie Teilzeit, geringfügige Beschäftigung und neue Selbständigkeit zurück.

Ein Vollzeitjob für das gesamte Arbeitsleben wird für immer mehr Arbeitnehmer/-innen zur Ausnahme. Phasen der Beschäftigung wechseln mit Arbeitslosigkeit, zeitweiligem Berufsausstieg zur Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen, Phasen der Weiterbildung oder Umschulung. Lebensbegleitendes Lernen und Qualifizierung werden immer wichtiger, um einen Job zu bekommen bzw. diesen abzusichern. Neue Berufskrankheiten entstehen insbesondere in Folge des steigenden Drucks, durch wachsenden Stress und psychische Belastungen verstärkt auch bei mittleren und höheren Angestellten.

Viele Regierungsvertreter/-innen gebrauchen all diese Entwicklungen immer wieder als Schlagworte, beschwören die neue Zeit, besingen die Modernisierung als Notwendigkeit und fordern ständig mehr Flexibilität der Arbeitnehmer/-innen.

Beim Schnüren des aktuellen Pensionspakets aber wurden diese neuen Realitäten einfach ausgeblendet. Schlimmer noch, wer freiwillig oder gezwungenermaßen in diesen neuen Realitäten lebt, wird dafür mit zum Teil erheblichen Pensionskürzungen bestraft. Verursacht durch eine 40-jährige Durchrechnung, die darauf keinerlei Rücksicht nimmt, und verschärft noch durch niedrige Steigerungsprozente!

Der Lohn für Frauen (und die wenigen Männer), die Jahre der Teilzeitbeschäftigung einschieben, ob freiwillig oder mangels Alternativen, heißt Pensionskürzung...
Der Lohn für längere Arbeitszeitreduzierung zur Betreuung der Kinder oder zur Pflege von Angehörigen heißt Pensionskürzung... Der Lohn für diejenigen, die nach Arbeitslosigkeit einen schlecht entlohnten Job annehmen müssen, heißt Pensionskürzung...
Der Lohn für diejenigen, die sich (im Interesse der gesamten Wirtschaft!) Auszeiten nehmen für Weiterbildung und Qualifizierung, heißt Pensionskürzung...

Die AK-Frauenredaktion meint: Wer bei einer Pensionsreform die Zeichen der Zeit so konsequent ausblendet, ist nicht zukunftsorientiert, sondern lebt in der Vergangenheit!

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