CHEMIKALIEN-UNVERTRÄGLICHKEIT: POTENZIELLES RISIKO AM ARBEITSPLATZ

Experten plädieren für eine Stärkung des Vorsorgeprinzips in der Chemiepolitik

Wien (OTS) Ständige Kopfschmerzen, tränende Augen oder Hautausschläge - wenn dieses Krankheitsbild auftaucht, obwohl die Patienten laut Laborbefund gesund sind, kann die Diagnose auf Chemikalien-Unverträglichkeit lauten. Laut Experten dürften in Österreich bereits mehrere tausend Menschen von diesem in Europa noch verhältnismäßig unerforschten Syndrom betroffen sein. Die Symptome werden durch Spuren von Chemikalien ausgelöst, wie sie im Wohn- oder Arbeitsumfeld auftreten können. Nach dem privaten Umfeld nennen Betroffene den Arbeitsplatz als zweithäufigste Ursache für ihre Beschwerden. Da die Beschwerden jedoch häufig bereits im "Niedrig-Dosis-Bereich" unterhalb von geltenden Grenzwerten auftreten, stehen Wissenschaft, Politik und Arbeitgeber vor neuen Herausforderungen. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft veranstaltet daher heute, Dienstag ein internationales Expertenforum zu dieser Thematik.****

Laut wissenschaftlichen Untersuchungen sehen "chemisch Sensitive" vielfach ihren Arbeitsplatz als krankheitsauslösend. Dabei fällt auf, dass bestimmte Berufsgruppen wie beispielsweise Drucker, Maler oder Laboranten deutlich überrepräsentiert sind. In den letzten Jahren steigt die Zahl der Betroffenen offenbar an, wobei immer öfter auch Büro-Arbeitsplätze als Auslöser genannt werden.

Zwar wird "Multiple Chemikalien Sensitivität" (kurz MCS-Syndrom) in Österreich im Regelfall nicht als offizielle Berufskrankheit gesehen (in Ausnahmefällen ist eine Anerkennung aufgrund einer Generalklausel im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz möglich), Beschäftigte haben aber in jedem Fall Anspruch auf wirksame Chemikalien-Prävention: das Österreichische ArbeitnehmerInnen-Schutz-Gesetz (AschG) verpflichtet nämlich Arbeitgeber "für Sicherheit und Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer im Bezug auf alle Aspekte, die die Arbeit betreffen, zu sorgen".

Für eine Fülle chemischer Stoffe existieren zwar bereits sogenannte maximale Arbeitsplatz-Konzentrationen (kurz MAK-Werte), Chemikalien-Konzentrationen bei "MCS" liegen jedoch häufig im Niedrig-Dosis-Bereich und somit unterhalb geltender Grenzwerte. Folglich werden Chemikalien-Belastungen im Niedrig-Dosis-Bereich oft als toxikologisch irrelevant angesehen und die Beschwerden von Betroffenen nicht ernst genommen. Erschwerend hinzu kommt, dass EU-weit derzeit schätzungsweise rund 50.000 bis 60.000 verschiedene Chemikalien am Markt sind und zwar in unterschiedlichen Produkten und Anwendungen. Bei vielen dieser Stoffe ist die langfristige Wirkung auf den menschlichen Organismus noch nicht vollständig erforscht. Auch ArbeitnehmerInnen können mit diesen Stoffen in Berührung kommen.

Österreich drängt daher im Rahmen der neuen EU-Chemiepolitik darauf, dass in Zukunft nur mehr chemische Stoffe am Markt zugelassen werden dürfen, deren Wirkungsweise ausreichend dokumentiert ist. Vorige Woche hat die Europäische Kommission die ersten Vorschläge für eine neue EU-Chemikalienpolitik veröffentlicht: Wesentliche Anliegen Österreichs, unter anderem die verstärkte Verankerung des

Vorsorgeprinzips sind darin vorerst enthalten.

Das Auftreten von MCS ist für Österreich Anlass, die Umsetzung des am Weltgipfel von Johannesburg vereinbarten Zieles, die negativen Auswirkungen von Chemikalien bis 2020 zu minimieren, im Rahmen der neuen EU – Chemiepolitik massiv einzufordern. Dies teilt das BMLFUW abschließend mit.

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