PRÖLL: EU-ERWEITERUNG BRINGT HEIMISCHER MILCHWIRTSCHAFT 100 MILLIONEN POTENZIELLE KUND/INNEN

Weltmilchtag unter dem Motto Exportoffensive in Richtung neuer Märkte

Wien (OTS) Angesichts der EU-Erweiterung muss der heutige Weltmilchtag unter der Devise "Exportoffensive in Richtung neuer Märkte" stehen. Die EU-Erweiterung gibt der österreichischen Milchwirtschaft die einmalige Chance, neue Märkte mit insgesamt 100 Millionen potenziellen neuen Kunden zu erobern. Wie Studien zeigen, liegt in den Beitrittsmärkten ein enormes Wachstumspotenzial. Jetzt nicht auf diesen Zug aufzuspringen, hieße eine historische Chance zu verpassen. Die Erweiterung zu einem Erfolg zu machen heißt auch, sich auf den neuen Märkten zu etablieren, die vor unserer Haustüre liegen. Dies erklärte Landwirtschaftsminister DI Josef Pröll anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Agrarmarkt Austria zum Weltmilchtag 2003.****

Ab Mai 2004 wird die Europäische Union um zehn Länder erweitert. Für die heimische Lebensmittelwirtschaft ist damit die enorme Chance verbunden, auf diesen Märkten Fuß zu fassen. Studien bescheinigen gerade im Milchbereich große Wachstumspotenziale in den neuen Mitgliedsländern. Der Pro-Kopf Konsum von Molkereiprodukten liegt mit 184 Kilogramm bei nur 75% des EU-Durchschnittsverbrauchs von 247 Kilogramm. Untersuchungen gehen davon aus, damit, dass sich der Verbrauch dem EU-Niveau anpassen wird. Allein bis 2005 werden Zuwächse von 4,2 % in Polen erwartet, gefolgt von Tschechien mit 3,6 % und der Slowakei mit 2,8 %.

Jetzt geht es darum, diese Chancen nicht nur sehen, sondern sie auch zu ergreifen. Die österreichische Milchwirtschaft und die Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern, die Wirtschaftskammer mit ihren Handelsdelegierten, die Agrarmarkt Austria mit ihrem Vermarktungs-Know-how und das Landwirtschaftsministerium, wir alle müssen jetzt an einem Strang ziehen, um die Erweiterung zu einem Erfolg zu machen, so Pröll weiter.

Das Lebensministerium unterstützt bereits seit längerem die von der Wirtschaftskammer und Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern gemeinsam getragene Initiative "Export 1-24" und die Exportbemühungen der österreichischen Milchwirtschaft. Hohe Priorität haben durch die Wachstumspotenziale und durch die Nähe zu Österreich zunächst die Länder Tschechien und Slowakei.

Der Trend in den Beitrittsländern kommt unseren Unternehmen entgegen, er geht zum einen in Richtung hochwertige Molkereiprodukte, andererseits gewinnen Qualität, Haltbarkeit, Geschmack und moderne Aufmachung an Bedeutung. Eine steigende Nachfrage ist auch nach Wellness- und Convenience-Produkten und probiotischen Joghurts zu erwarten. So wie in den jetzigen EU-Ländern rechnen Experten auch damit, dass die Konsument/innen ihre Mahlzeiten verstärkt außer Haus einnehmen werden. Das bedeutet Marktpotentiale für Milchsnacks, Milchdesserts und Frischkäse.

Österreichs Milchwirtschaft kann und muss bei diesen Markttrends einhaken. Dabei braucht nicht bei Null angefangen zu werden. Auch derzeit ist Österreich schon gut auf den Beitrittsmärkten vertreten. Vor allem bei Käse weist unsere Handelsbilanz einen Überschuss von 1,8 Mio. Euro auf. Das Defizit von 3 Mio. Euro bei den Molkereiprodukten ist auf die schlechte Bilanz bei der Milch zurückzuführen.

Auf diesen neuen Märkten wird Österreich dabei weniger mit Unternehmen der Beitrittsländer in Konkurrenz treten, sondern mit den anderer EU-Staaten. Die Milchwirtschaft in den Beitrittsländern wird sich in den kommenden Jahren vor allem auf Kosteneffizienz und Strukturbereinigungen konzentrieren müssen – Experten rechnen mit einem Rückgang von bis zu 50% der Molkereien – und mit einer Anpassung der Produktionsstandards an EU-Niveau.

Mit einer Exportoffensive der Beitrittsländer auf dem Binnenmarkt ist ebenfalls nicht zu rechnen. die Produktionsquoten wurden auf dem derzeitigen Niveau fixiert, eine Ausweitung des Produktionsniveaus und damit eine gleichzeitige Belieferung des Heimatmarktes und zusätzliche Exportoffensiven sind nicht möglich. Überdies sind Milchprodukte, die nicht den strengen EU-Standards entsprechen, vom Export in den Binnenmarkt ausgeschlossen. Diese dürfen für einen Übergangszeitraum von drei Jahren auf nationalen Märkten verkauft werden, danach überhaupt nicht mehr.

GAP-REFORM MUSS RAHMENBEDINGUNGEN FÜR MILCHWIRTSCHAFT SICHERN

Neben der Konzentrierung auf die neuen Märkte ist es allerdings wichtig, dass die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik vernünftige Rahmenbedingungen für die heimischen Milchbauern und damit eine stabile Produktionsgrundlage für die Milchwirtschaft sicherstellt. Für Österreich ist es daher unabdingbar, dass die derzeitige Milchquotenregelung beibehalten wird. Sie ist der Garant für eine Bewirtschaftung in den für Österreich so wichtigen Bergregionen. Eine Verlängerung der Milchquotenregelung bis 2015 hat für uns daher oberste Priorität, so Minister Pröll.

Österreich spricht sich auch gegen eine von der EU vorgeschlagene Milchquotenerhöhung und eine Interventionspreissenkung aus. Höhere Produktionsmengen sind aus heutiger Sicht absolut nicht erforderlich. Eine Preissenkung würde in vielen Regionen eine Produktion unter den Gestehungskosten mit sich bringen und ist deshalb ebenso energisch abzulehnen.

Die neuen Märkte in einer erweiterten EU haben für die österreichische Milchwirtschaft – so wie auch für andere Sektoren – oberste Priorität. Der heurige Weltmilchtag muss daher von der gesamten Branche als Startschuss für eine Exportoffensive gesehen werden. "Ich erwarte mir, dass die Milchwirtschaft die Chancen der Erweiterung genauso offensiv ergreift, wie sie dies bei Österreichs EU-Beitritt gemacht hat", so Minister Pröll abschließend.

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