Eurochambres-Kongress: Weiterbildung und lebenslanges Lernen

WKÖ: Nur durch hohes Qualitätsniveau der Aus- und Weiterbildung sind Lissaboner Ziele erreichbar

Wien (PWK 308)Unter dem Titel "Auf dem Weg zu einem erweiterten Europa des Wissens" findet heute und morgen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) der 8.Eurochambres-Kongress zu den Themen "Mehr Produktivität durch Investitionen in Bildung" und "Lebenslanges Lernen" statt. Eurochambres ist die Vereinigung von europäischen Wirtschafts- und Handelskammern, deren Präsident WKÖ-Chef Christoph Leitl ist.

Die Wirtschaftskammer Österreich steht voll hinter dem Konzept des "lebenslangen Lernens" und zu den Beschlüssen von Lissabon - dem Ziel, Europa zum konkurrenzfähigsten Wirtschaftsstandort zu machen. Dazu braucht es aber verstärkte Investitionen in Bildung und Ausbildung, also in "Humankapital". Hier fällt den Unternehmen, aber auch dem Einzelnen und den Staaten eine wichtige Rolle zu. Denn nur gemeinsam kann dieses ambitiöse Ziel bewältigt werden. Die Verwirklichung der Lissabon-Ziele verlange einen wirtschaftlichen Kraftakt, der nur mit vielen dynamischen Unternehmen geschafft werden kann. Dazu muss das Bildungswesen, Unternehmertum und Unternehmergeist gefördert und die Gründung von Unternehmen erleichtert werden.

Trotz der Wichtigkeit der Förderung der Benachteiligten, darf die Förderung der Erfolgreichen und Leistungsfähigen und Leistungsbereiten nicht vergessen werden. Denn nur durch ein hohes Qualitätsniveau in der beruflichen Bildung sind die europäischen Zielsetzungen erreichbar und kann künftig die erforderliche Mobilität am Arbeitsmarkt zwischen den Mitgliedstaaten sichergestellt werden. Unterschiedliche Bildungssysteme dürfen kein Hindernis für Mobilität in einem vereinten Europa sein. Der Bildungssektor muss daher noch enger mit dem Bereich der Arbeitswelt zusammenarbeiten. "In Österreich haben wir mit dem Projekt "Bildungscluster" eine vorbildliche Kooperation zwischen Wirtschaft und Unternehmen einerseits und Schulen, Ministerien und Schulbehörden andererseits in die Wege geleitet", sagt Michael Landertshammer, Leiter der Abteilung Bildungspolitik der WKÖ und WIFI-Chef. Österreich und der WKÖ komme in diesem Zusammenhang als Brücke zwischen Ost und West eine bedeutende Rolle zu. Österreich ist in allen zentral- und osteuropäischen Staaten ein wichtiger Investor und "wir bemühen uns auch ständig, im beruflichen Bildungssektor neue Impulse zu setzen" so Landertshammer. Das "jüngste Kind" dieser Entwicklung ist die Gründung eines WIFI in Budapest.

Für fast alle MOEL-Staaten gelte, dass berufliche Bildung ein generell schlechtes Image hat, dass die Kooperation zwischen Arbeitswelt und Bildungssystem zu wünschen übrig lässt, dass die produzierende Wirtschaft im Weiterbildungsbereich wesentlich schlechter dasteht als etwa der Bank- und Finanzsektor, dass gerade die Arbeitsmarktpolitik noch sehr verbesserungsfähig ist und dass die Mitwirkung der Sozialpartner in vielen Ländern mit Leben erfüllt werden muss. Es ist daher auch eine Aufgabe von Eurochambres, über die Stärkung der "Berufsbildungsschiene" den Handelskammern in diesen Staaten Unterstützung zu geben.

Erhard Busek, profunder Kenner der ost- und südosteuropäischen Staaten, der schon lange vor der Wende Kontakte zur nicht-kommunistischen Intelligenz in diesen Ländern aufbaute, der ein guter Kenner dieser Gesellschaften und ihrer Möglichkeiten, aber auch ihrer aktuellen Umstellungsprobleme ist, ging in seinem
Vortrag auf die enorme Bedeutung einer europaweiten Bildungsoffensive ein.

Busek: "Im 21. Jahrhundert verlangt die Informationsgesellschaft mehr mobile und komplexe Berufsausbildung. Es kann nicht länger eine vorbestimmte lebenslange Karriere von der Ausbildung bis zur Pension angenommen werden." Lebensbegleitendes Lernen bedeute nicht die Entwicklung eines neuen Systems, sondern die Schaffung von umfangreichen Lernmöglichkeiten für den Einzelnen. Natürlich müssen Schule und Universitäten die Grundlage für das lebensbegleitende Lernen bilden. Busek: "Die Konsequenz für Europa ist klar: Es gilt mehr Arbeitsplätze durch Anpassung an die neuen Möglichkeiten zu schaffen, die Flexibilität der Arbeitskräfte zu forcieren und Investition in neue Technologien insbesondere der Informationsgesellschaft zu fördern. Wir müssen heute nicht mehr in technische Möglichkeiten allein investieren, sondern vor allem in die Menschen." Dabei gelte es folgende Punkte zu beachten: Die Entwicklung der Produktionssysteme zu wissensorientierten Produkten und Dienstleistungen, weg von der klassischen Massenproduktion mit angelernten Arbeitern und die Trennlinien zwischen Erziehung, Arbeit, Freizeit und Pension zu reduzieren. Das verlange eine erhöhte Qualität der Arbeitskräfte und daher eine bessere Ausbildung. "Mit billigen Arbeitskosten allein werden wir die Zukunft nicht sichern, weil wir kaum mit Asien und Lateinamerika auf Dauer konkurrieren können", meinte Busek.

Natürlich führe Rationalisierung dazu, dass Arbeitsplätze vernichtet werden und neue Technologien die menschliche Arbeitskraft ersetzen, so Busek. "Dadurch aber entstehen wieder neue Arbeitsmöglichkeiten, die allerdings nur dann genutzt werden können, wenn es die entsprechende Ausbildung dafür gibt." Partner bei dieser Entwicklung müssen die Unternehmen sein. Es hat keinen Sinn Bildungsangebote an der Wirtschaft vorüber zu präsentieren. Und Busek weiter: "Wir müssen bei der Betrachtung, was Bildung zu leisten hat, drei Perioden unterscheiden: nämlich die Ausbildung in der Jugend, die Arbeit und das Alter. In allen Bereichen sind große Veränderungen notwendig." So wie Schule und Universität auf das lebensbegleitende Lernen vorbereiten müssen, gehe es auch darum, die Arbeitszeit neu zu verteilen, eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit zu erzielen und jeweils Arbeitszeit, Lernzeit und Freizeit im Lebenszyklus anzupassen. Flexible Formen können hier helfen, das lebensbegleitende Lernen zu erleichtern. Buseks Conclusio: "Die Bedeutung des angewandten Wissens hat für die Wirtschaft eine hervorragende Bedeutung, denn ein Mehr an Ausbildung garantiert auch eine besser Position im Wettbewerb. Die gegenwärtige Situation muss als eine Herausforderung genommen werden." (BS)

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