SPÖ-Enquete: Diskussion zum Thema "Studienbedingungen" mit Broukal, Zechlin, Mautz und Eckl

Studiengebühren haben Situation an den Unis nicht verbessert

Wien (SK) Einigkeit herrschte am Montag bei der SPÖ-Enquete "Österreichische Universitäten - Probleme und Lösungen" im Parlament darüber, dass die Einführung von Studiengebühren die Situation an Österreichs Universitäten nicht verbessert hat. SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal, Moderator der Enquete, sprach von einer "Barriere" für die Studierenden. Lothar Zechlin, Rektor der Uni Graz, wies in Zusammenhang mit dem Budget 2003 auf die "schmerzhaften Einschnitte für die Universitäten" hin und betonte ausdrücklich, dass Ministerin Gehrer mit den Rektoren nicht über die Kürzungen gesprochen habe. Für ÖH-Vorsitzende Andrea Mautz ist die Richtung, in die die Bildungspolitik geht, insgesamt "nicht gut", es drohe ein Zwei-Klassen-Bildungssystem. Für Martha Eckl von der AK-Wien zeigt sich, dass die Studiengebühren für die Betroffenen zu keinerlei Verbesserungen geführt haben und die Kürzungen beim Wissenschaftsbudget die Probleme im Bereich der Lehre noch verschärfen werden. ****

Der Rektor der Uni Graz nannte drei Hauptpunkte im Zusammenhang mit den Studienbedingungen: Erstens gebe es überlastete Studienrichtungen, was mit dem offenen Hochschulzugang insofern zusammenhänge, als man klar sagen müsse, wenn eine Studienrichtung überlastet ist, und man nicht studieren kann - dann dürfe man nicht von einem offenen Hochschulzugang sprechen. "Es können nur so viele Tickets vergeben werden, wie es Plätze gibt", so Zechlin, der ein österreichweites Management und eine gezielte Ressourcenzuweisung vom Bund einfordert. Zechner betonte weiters, dass er Studiengebühren grundsätzlich nicht ablehne, diese müssten aber sozial ausgewogen sein. Beunruhigend sei, dass seit der Einführung der Gebühren die Zahl der Erstsemestrigen zurückgegangen ist. Außerdem sei es ein Problem, dass die Beiträge nur an die Zeit, nicht aber an Kreditpunkte gekoppelt seien - dies bedeute Schwierigkeiten für erwerbstätige Studenten. "Das klassische Bild vom männlichen Vollzeitstudenten gehört längst der Vergangenheit an", so Zechlin. Auf die Frage Broukals, ob die Studienbeiträge nicht wenigstens den Unis bleiben sollten, erklärte Zechlin, dass das mit einem nur sehr kleinen Teil passiere, weit weniger als die Hälfte der Gebühren bleibe den Universitäten. Von einem erhöhten Studienbeitrag für überlastete Studienrichtungen hält Zechlin nichts. "Studienbeiträge dürfen nicht prohibitiv sein, sondern müssen den Zugang zum tertiären Sektor erhöhen."

Zur Finanzierung hielt der Rektor der Uni-Graz fest, dass es massive Einbußen im Budget gebe - zum einen, weil die Gehaltssteigerungen und Biennalsprünge für das Personalbudget 2003 nicht berücksichtigt worden seien, und zum zweiten seien Kürzungen bei den Ermessungsausgaben angekündigt worden. "Wir brauchen im Jahr 2003 dringend Hilfe!", richtete Zechlin den Appell an alle Parlamentsparteien. Der schlechten Studiensituation in vielen Fächern drohe eine weitere Verschlechterung. 2003 habe man es mit einer "absoluten Ausnahmesituation" zu tun; es werde schmerzhafte Einschnitte geben, und Gehrer habe, anders als von ihr behauptet, mit den Rektoren nicht gesprochen", so der Rektor.

Mautz: Weg ins Zwei-Klassen-Bildungs-System droht

ÖH-Vorsitzende Andrea Mautz erklärte, dass die Richtung, in die die Bildungspolitik geht, "nicht gut" sei. So gebe es zum einen eine Verschlechterung der Studienbedingungen und zum anderen eine chronische Unterfinanzierung der Unis. Der Weg in ein Zwei-Klassen-Bildungssystem drohe. Mautz befürchtet die Einführung des angelsächsischen Modells, wonach die Masse der Studenten lediglich einen Bachelor-Abschluss macht und nur wenige einen Hochschul-Abschluss. Verschärft würde die Situation derzeit durch Studieneingangsprüfungen, Studiengebühren und weniger Stipendien. Außerdem solle der Zugang zur Studienförderung noch einmal eingeschränkt werden, informierte Mautz.

Unter dem Deckmantel "Globalbudgets" würden bei den Bildungsausgaben weitere Kürzungen vorgenommen. "Bildung wird als Investition ins Humankapital gesehen, und die Kundinnen und Kunden sollen dafür bezahlen", so Mautz.

Eckl: "Weltklasseuniversität" bald nur mehr eine dubiose Internetadresse

Martha Eckl von der AK-Wien betonte in ihrem Statement, dass die Studierenden-Sozialerhebung klar darauf hingewiesen habe, dass die Studiengebühren zu keinen sichtbaren Verbesserungen im Studienalltag geführt haben. Die Kürzungen beim Wissenschaftsbudget würden die Probleme im Bereich der Lehre sogar noch verschärfen. Bei Studienanfängern sei auch ein Auseinanderklaffen von "Wunsch und Wirklichkeit" zu beobachten, ebenso wie bei der gesetzlichen und der tatsächlichen Studiendauer. Eckl sieht weiters bei etlichen Lehrenden ein "didaktisches Entwicklungspotenzial", und es sollten mit den Inhalten auch Perspektiven vermittelt werden. Eckl forderte abschließend, dass den Studenten vermittelt werden muss, dass sie auf der Uni willkommen sind und dass es eine ausreichende Dotierung für die Unis gibt. Unter dem Titel "Autonomie dürfe nicht Kindesweglegung betrieben werden. Sonst bleibt vom Begriff 'Weltklasseuniversität' nur mehr eine dubiose Internetadresse übrig." (Forts.) cs

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