Schüssel bestätigt Medienskandal um "Wiener Journal"

Rechungshof sollte "Kauf" von defizitärem ÖVP-Blatt prüfen

Wien (SK) "Während das Budget entgleist, die Pensionen zusammengestrichen werden und die Zukunft des Landes durch unnötige Abfangjäger-Anschaffungen vorbelastet wird, hat der zur Gänze bundeseigene 'Verlag der Wiener Zeitung' Geld genug, um einem schwer defizitären ÖVP-Blatt durch 'Kauf' aus der Patsche zu helfen", erklärte am Montag der Vorsitzende der SPÖ-Bundesratsfraktion, Prof. Albrecht K. Konecny. Bundeskanzler Schüssel habe dies nun in einer Anfragebeantwortung bestätigt, berichtete Konecny, der die Anfrage an Schüssel gerichtet hatte: "Auch wenn Schüssel nicht bereit ist, den Kaufpreis zu nennen und behauptet, von dem Vorgang keine Kenntnis gehabt zu haben, so bestätigt er doch ausdrücklich den vor der Öffentlichkeit geheimgehaltenen Kaufvertrag." ****

Das "Wiener Journal", einst von Jörg Mauthe gegründet, war in den letzten Jahren immer mehr in die journalistische Bedeutungslosigkeit und ins finanzielle Desaster geschlittert. "Ausgerechnet während des Wahlkampfes 2002 - als man annehmen konnte, das ein solcher Vorgang weitgehend unbemerkt bleiben würde - kaufte nun der Verlag der 'Wiener Zeitung' das Blatt. Auch wenn der Kaufpreis noch unbekannt ist, darf man annehmen, dass er ausreichte, um den bisherigen ÖVP-Herausgebern des Blattes die Sorge um die triste finanzielle Hinterlassenschaft ihres publizistischen Abenteuers zu nehmen", so Konecny.

Schüssel habe in der Anfragebeantwortung erklärt, der Kauf sei ausschließlich aufgrund einer "betriebswirtschaftlichen Entscheidung" der Geschäftsführer des Verlages der "Wiener Zeitung" erfolgt. "Das ist eine merkwürdige Auffassung von 'Betriebswirtschaft'", kritisiert Konecny: "Die Tatsache, dass hier ein Zeitungstitel - und möglicherweise ein sehr kleiner Abonnenten-Bestand - gekauft wurde, um ein vierteljährliches Magazin herauszugeben, das nicht nur keine erkennbare Marktlücke füllt, sondern von der 'Wiener Zeitung' auch problemlos unter einem anderen - dafür aber kostenlosen Titel -herausgebracht hätte werden können, berechtigt zu Misstrauen."

Es wäre "höchst angebracht", betonte Konecny abschließend, "dass sich der Rechnungshof dieser Affäre annimmt und den Kaufvertrag und die ihm zugrundeliegenden Motive untersucht". (Schluss) ml/mp

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