Hongkong: Drehscheibe für Österreichs China-Handel

Exporte nach Hongkong legten um 40 Prozent zu. Trotz SARS sind keine großen Einbrüche bei österreichischen Ausfuhren zu erwarten

Wien (PWK305) - Zur Zeit ist es die infektiöse Lungenkrankheit SARS, die Hongkong und die im Norden angrenzende südchinesische Provinz Guangdong in die Schlagzeilen rückt. Für die österreichische Exportwirtschaft ist die Region aber nicht erst seit SARS ein Begriff. "Die erfolgreiche Bearbeitung dieses Marktes durch heimische Unternehmen läuft schon seit Jahren und wird durch SARS keine nennenswerten Einbrüche erleben", erwartet Walter Koren, Leiter der AUSSENWIRTSCHAFT ÖSTERREICH der WKÖ.

Im vergangenen Jahr sind die österreichischen Ausfuhren nach Hongkong um satte 40 Prozent gestiegen und haben einen Wert von 564 Millionen Euro erreicht. Heuer sind wegen SARS durchaus leichte Einbrüche zu befürchten und eine neuerliche Zunahme im Rahmen von 2002 ist nicht zu erwarten. Geschäftsreisen in die Region sind bereits deutlich zurückgegangen. Hongkong, seit 1997 Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China, hat so ganz wesentlich dazu beigetragen, dass sich China in der Zwischenzeit deutlich vor Japan als wichtigster asiatischer Absatzmarkt für österreichische Produkte etabliert hat. Die Gesamtexporte nach China machen 1,2 Mrd Euro aus (+38% gegenüber 2001). "Fast drei Viertel unserer Exporte nach Hongkong entfallen auf vier Warengruppen", berichtet der WKÖ-Handelsdelegierte in Hongkong, Martin Glatz. Die Lieferungen von Nachrichtengeräten haben sich besonders gut entwickelt (ihr Liefervolumen hat sich verdreifacht). Stark zugelegt haben Exporte von Waren aus mineralischen Stoffen, darunter vor allem Glaswaren. Elektrische Maschinen und Geräte sowie Textilien folgen in der Reihe der wichtigsten Exportgüter. "Die relativ starke Konzentration auf wenige Warengruppen macht unsere Ausfuhren aber insgesamt anfällig für sektorale Einflüsse" sagt Glatz.

Selbst wenn die Kaufkraft in den größten Städten Chinas auch in Zukunft rasant wachsen wird, ist das Pro-Kopf-Einkommen Hongkongs mit 26.576 Euro (2002) bei weitem das höchste in der Region. Konsumgüter der oberen Preisklasse werden wohl auch in Zukunft in Hongkong einen aufnahmefähigen Markt finden. Die traditionell starke österreichische Beteiligung an der Lebensmittel- und Gastronomiefachmesse HOFEX ist Beweis für das anhaltende Engagement österreichischer Anbieter in diesem Segment.

"Der Beitritt Chinas zur WTO wird auch zu einer merklichen Steigerung der Importe der Volksrepublik führen", ist Koren überzeugt. Andrerseits werden Hongkongs Vorteile gegenüber dem Festland noch über Jahre hinaus bestehen bleiben: Das sind die Konvertibilität der eigenen Währung, die Effizienz des Containerhafens und des Flughafens, die gut entwickelte Infrastruktur, das solide Rechts- und Finanzsystem, das transparente geschäftliche Umfeld und schließlich auch die hohe Lebensqualität. Koren: "Auch Hongkong, immer schon Drehscheibe für den China-Handel, wird also mittelfristig von der Mitgliedschaft Chinas in der WTO profitieren. Das sollte auch für den weitaus größten Teil der österreichischen Produkte gelten, die zwar nach Hongkong geliefert werden, aber für China bestimmt sind."

Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang Hongkongs dynamisches Hinterland, die südchinesische Provinz Guangdong mit seiner Hauptstadt Guangzhou (Kanton) und dem Perlflussdelta, oft als "Workshop of the World" bezeichnet. Glatz: "Nahezu 30 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in China entfallen auf diese Provinz. Auch österreichische Firmen produzieren in Guangdong." So werden dort zum Beispiel Elin-Transformatoren hergestellt, die Firma Andritz fertigt Pumpen und Komponenten für umwelttechnische Anlagen, die Firma Neuman Aluminium hat eine Produktionsstätte für Aluminiumbutzen errichtet, und die Firma VA TECH Transmission & Distribution hat erst vor wenigen Monaten in Guangzhou die Fertigung von Hochspannungsschaltanlagen aufgenommen. Zur besseren Betreuung der wachsenden Zahl von Kunden in der Region gründen immer mehr österreichische Firmen in Hongkong und/oder Guangzhou Verkaufsbüros. In Hongkong bestehen zur Zeit knapp 60 Niederlassungen österreichischer Firmen, und die Zahl der Repräsentanzen in Guangzhou steigt ständig. Die Unterstützung bei der Unternehmensgründung ergänzt eine Reihe von Initiativen der Außenhandelsstelle Hongkong und dient dem nachhaltigen Aufbau österreichischer Exportpositionen in Südchina. Besonderes Augenmerk wird der Technologiekooperation und den sich aus dem sechsten Rahmenprogramm der EU ergebenden Möglichkeiten zur Zusammenarbeit im Forschungsbereich geschenkt. Eine für das österreichische Büro für Forschungs- und Technologiekooperation (BIT) zu diesem Thema organisierte Roadshow zu Jahresbeginn hat bereits zu ersten konkreten Projekten geführt. Regelmäßig werden für österreichische Firmen Wirtschaftsmissionen organisiert, die vor allem dem Projektgeschäft im Infrastruktur- und Umweltsektor gewidmet sind.

China wird aber nicht nur für österreichische Exporteure, sondern auch für Einkäufer immer wichtiger. Das gilt ganz besonders für Hongkong und das Perlflussdelta. Mehr als ein Drittel der Exporte des Festlands wird über Hongkong abgewickelt. Die Erzeugnisse der im Perlflussdelta angesiedelten Leichtindustrie, wie etwa Uhren, elektronische Haushalts- und Bürogeräte, IT-Produkte, Spielzeuge und Bekleidungsartikel sind für 30 Prozent der Exporte Festlandchinas verantwortlich. Die Waren gelangen zum Großteil über den Perlfluss in die Sonderverwaltungsregion, von wo aus sie in alle Welt versandt werden. Das Frachtaufkommen des Containerhafens und des Flughafens Hongkongs steht folglich an der Spitze weltweiter Umschlagsstatistiken. In der Absicht, österreichischen Firmen den Zutritt zu diesem Beschaffungsmarkt zu erleichtern, veranstaltet die AUSSENWIRTSCHAFT ÖSTERREICH mit der Außenhandelsstelle Hongkong im Oktober 2003 eine Wirtschaftsmission mit dem Thema "Sourcing". Während die Städte im Perlflussdelta Wachstumsraten jenseits von zehn Prozent verzeichnen, sind Hongkongs Konjunkturaussichten zur Zeit getrübt. Die offene und folglich von äußeren Einflüssen stark abhängige Wirtschaft der Sonderverwaltungszone wächst nur schwach. Der SARS-Ausbruch hat Hoffnungen auf ein unmittelbar bevorstehendes Ende dieser Phase zunichte gemacht. Ein hastig geschnürtes Maßnahmenpaket der Regierung soll die größten Härten abfedern. (BS)

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