Hoscher: Immer mehr Nahversorger vor dem Aus - Politik muss gegensteuern

Wien (SK) "Im Bereich von Einkaufsstraßen stehen wir sowohl bei Städten als auch bei Gemeinden vor zunehmenden Problemen", betonte SPÖ-Abgeordneter Dietmar Hoscher Montag gegenüber dem Pressedienst der SPÖ. Das Ausbleiben der Konsumenten führe vermehrt zu Leerstehungen und damit auch zur Verringerung der Lebensqualität in Stadt- und Ortskernen. "Man darf nicht vergessen, dass der Handel in diesen Gebieten auch wichtige soziale Aufgaben, etwa bei der Nahversorgung aber auch bei der täglichen Kommunikation, erfüllt", betonte der Wirtschaftsexperte. ****

"Einer der Gründe für diese Entwicklung liegt sicher im schnellen Wachstum der Einkaufszentren auf der sogenannten grünen Wiese", hielt Hoscher fest. Im europäischen Vergleich liege Österreich bei Einkaufszentren im Spitzenfeld. In Deutschland werde zum Beispiel bereits bei 1,3 Quadratmeter Verkaufsfläche pro Einwohner von einer bis zu 40-prozentigen Überkapazität gesprochen, in Österreich liege man derzeit aber schon bei 1,5 Quadratmeter pro Einwohner. "Einkaufszentren sind aber nicht allein am Handelssterben in den Zentren verantwortlich", kritisierte der Ökonom. Mangelnde politische Sensibilität für entsprechende Rahmenbedingungen trage ebenso dazu bei wie die manchmal unbestreitbare fehlende Kooperationsbereitschaft der betroffenen Unternehmen untereinander. "Das politische Lippenbekenntnis zur Nahversorgung hilft ebenso wenig wie die in einigen Fällen unterentwickelte Solidarität der betroffenen Handelsunternehmen, zum Beispiel wenn es um die Finanzierung gemeinsamer Werbeauftritte geht", sagte der SPÖ-Abgeordnete.

"Die Thematik muss breit und ohne Scheuklappen diskutiert werden", forderte Hoscher. Dabei sei auch die Frage nach der Möglichkeit einer Änderung der verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen zur Bewilligung von Einkaufszentren zu relevieren. Dies helfe aber den derzeit schon betroffenen Unternehmen und Einkaufsstraßen wenig. "Die von der Regierung geplante Halbsatzbesteuerung nicht entnommener Gewinne hilft im Handelsbereich der überwiegenden Anzahl an Klein- und Mittelbetrieben nicht weiter. Wenn schon ein Volumen von 400 Mio Euro bewegt wird, müsste auch für Förderungen kleiner Handelsbetriebe vorgesorgt werden können", schlug Hoscher vor. Weiters müsse man über gemeinsame Marketingstrategien, über ausreichende Parkmöglichkeiten, Steuerungsmöglichkeiten über die Kommunalsteuer, Verkehrsanschlussabgaben, die Einrichtung von Förderungsfonds, die zielgerichtete Ausgestaltung eines beratungsintensiven und damit wettbewerbsfähigeren Angebots, Änderungen im Bereich des Mietrechtes und vieles mehr gesprochen werden.

"Ansatzpunkte zur möglichen Entschärfung der Problematik gibt es durchaus einige. Allerdings läuft uns langsam aber sicher die Zeit davon", schloss Hoscher. (Schluss) ml/mp

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