• 18.05.2003, 17:25:02
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Rot-Blau bleibt wohl auf die "Spargelzeit" beschränkt (von Oliver Pink)

Ausgabe vom 19.5.2003

Graz (OTS) - Nur so eine Frage: Was denkt sich eigentlich Andre
Heller, wenn er in Mauthausen über "die Haiders, Le Pens und Pim
Fortuyns" vom Leder zieht und dann gemeinsam mit seinem Freund
Alfred Gusenbauer wahlwerbend durch die Unis tourt? (Wobei Pim
Fortuyn hier eher zu Unrecht in schlechte Gesellschaft gerät, denn
NS-Relativierendes ist von ihm nicht überliefert.) Jenem Alfred
Gusenbauer also, der sich neuerdings mit eben diesem Jörg Haider zum
Spargelessen trifft.

Die Antwort ist wohl diese: Nicht viel. Denn seit dem Februar 2000
hat sich im Mittelinks-Spektrum ein Feindbild-Wechsel vollzogen.
Jörg Haider hatte sich mit seinem Rückzug selbst ins Out manövriert.
Der böse Bube war fortan Wolfgang Schüssel. So erklärt sich auch,
dass nach der Wahl 2002 im Anti-Haider-Lager kaum Jubel aufkommen
wollte. Trotz der FP-Verluste von 17 Prozent, die man früher nicht
einmal zu erträumen gewagt hätte. Doch den Wahlsieg hatte der
mittlerweile - vor allem in der SPÖ - noch verhasstere Wolfgang
Schüssel eingefahren.

Was liegt also näher, diesen jetzt, da er in der Pensionsreform-
Bredouille steckt, ein wenig zu ärgern. Aber wird daraus gleich eine
rot-blaue Koalitionsoption für die Zukunft? Nein. Denn die
Gusenbauer-SPÖ und die Haider-FPÖ sind nicht kompatibel. Auch wenn
Andreas Mölzer angesichts der Spargel-Connection gerne an die
Wöllersdorf-Connection erinnert, als illegale Nazis und
Sozialdemokraten gemeinsam im austrofaschistischen Anhaltelager
saßen und dort den Grundstein für eine spätere rot-blaue
Zusammenarbeit legten. Doch so wie Rot-Blau unter Sinowatz fast das
Ende der FPÖ bedeutet hätte, so würde es bei Rot-Blau unter
Gusenbauer die SPÖ zerreissen.

Sinn macht das Techtelmechtel dennoch. Will Rot-Grün eines Tages die
bürgerliche Mehrheit brechen, wird es zu folgender Aufgabenteilung
in Sachen Wählerrekrutierung kommen müssen: Die SPÖ öffnet sich in
Richtung FPÖ, die Grünen in Richtung ÖVP. Alexander Van der Bellen
hat seine Hausaufgabe bereits gemacht. Nun liegt es an der SPÖ. Der
rot-blaue Flirt könnte so eine rot-grüne Mehrheit möglich und
Ludersdorf zum geflügelten Wort a la Knittelfeld machen. Was den
dortigen Tourismusobmann freuen dürfte.

Weniger Freude dürfte derzeit der Bürgermeister von Purkersdorf
empfinden: Karl Schlögl durfte im Jahr 2000 nur deshalb nicht SPÖ-
Vorsitzender werden, weil er die Türe zur FPÖ einen Spalt aufmachen
wollte. Diese hat Alfred Gusenbauer für Jörg Haider nun relativ weit
geöffnet. ****

OTS0049    2003-05-18/17:25

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