VP-Rothauer und VP-Marboe: Designoffensive für Wien

Design als Synergie zwischen Kunst und Wirtschaft

Wien (VP-Klub): Die Wiener Volkspartei schlägt eine Designoffensive für Wien vor. Diese umfasst die Schaffung eines Design-Clusters, eines Ausstellungs- und Informationszentrums für Design, eine enge Kooperation mit bestehenden Designentwicklern und die dauerhafte Berücksichtigung von Design bei Aufträgen der öffentlichen Hand. Das Bewusstsein für die Wettbewerbsrelevanz von gutem Design muss sowohl in der Ausbildung aus auch in Produktions- und Dienstleistungsunternehmen verstärkt werden. Vorbild der Designoffensive für Wien ist das finnische Designförderprogramm "design 2005!".

Utl.: Definition von Design

Design hat eine wichtige Schnittstellen-Funktion zwischen angewandter Kunst (Ästhetik) auf der einen und Wirtschaft (Produktion) auf der anderen Seite. Dieses Vermittlerpotential zwischen Kunst und Wirtschaft soll bei allen Überlegungen zur Designoffensive für Wien eine wichtige Rolle spielen. Design kann man als Gestaltungstätigkeit, die die künstlerisch-ästhetischen Aspekte, aber auch die Brauchbarkeit und das Marketing eines Produktes berücksichtigt, bezeichnen. Design ist aber nicht nur produktbezogen zu sehen, sondern ist auch auf Dienstleistungen und Unternehmenskommunikation zu beziehen. Design umfasst die Bereiche Industriedesign, Kunstgewerbedesign, Kunsthandwerk, Design-management und Innenarchitektur. Der Bereich des Kunstgewerbedesigns gliedert sich noch weiter in Keramik- und Glaskunst, sowie Textilkunst und Modedesign auf. Auch grafisches Design ist Bestandteil von Design im Sinne der Formulierung von Standortförderungsstrategien.

Utl.: Designstandort Wien

Design gewinnt sowohl als Wettbewerbsfaktor in der Wirtschaft, vor allem im produzierenden Gewerbe, als auch als Bestandteil der angewandten Kunst einen immer wichtigeren Stellenwert. Diese Funktion des Designs sollte der Kultur- und Wirtschaftsstandort Wien unbedingt stärker als bisher nutzen und fördern. Und zwar in dem für die Kreativseite (z.B. Designbüros) genauso die Rahmenbedingungen verbessert werden, wie jene für Unternehmen, insbesondere was den verstärkten Einsatz von professionellem Design-Know-how betrifft. Produktdesign wird für die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft, besonders der Klein- und Mittelbetriebe (KMU), ein immer wichtigerer Faktor. Durch eine verstärkte Inanspruchnahme von Designdienstleistern kann ein interessantes Beschäftigungssegment für Kreative ausgebaut werden. Auch für den eigentlichen Kunstbetrieb ergeben sich durch "Cross-Over-Projekte" interessante Anknüpfungspunkte, die den Wiener Kunstbetrieb um einige Facetten reicher machen könnten.

" Wenn zwei Produkte das gleiche können und das gleiche kosten, dann werde ich mich für das Schönere entscheiden" - kurz gefasst der Wettbewerbsvorteil von gutem Design.

Utl.: Beschäftigungspotential Designwirtschaft

Leider bedienen sich in Wien und Österreich noch relativ wenige KMU entsprechender Designdienstleister. Einzig bei der Gebrauchsgraphik ist dies etwas anders, aber auch hier sind die Ergebnisse nicht immer so, dass von einem konzeptiven Designansatz gesprochen werden kann. Design ist ein wichtiger Bestandteil der sogenannten Creative Industries, die in Wien durchaus gute Standortvoraussetzungen haben könnten.

Mode, Werbung, Film, Architektur, Kunst, Theater, die Musikbranche und auch das Produktdesign sind in Wien traditionell gut verankert und erzielen eine hohe Wertschöpfung und ein hohes Beschäftigungsniveau, wobei in beiden Fällen noch große Entwicklungspotentiale ungenutzt sind. Man darf die Beschäftigungseffekte der Kreativindustrie nicht unterschätzen. Derzeit arbeiten laut einer Untersuchung der Arbeiterkammer in Wien 15.000 ArbeitnehmerInnen in diesem Bereich. 7.500 Personen arbeiten in Wien direkt im Bereich Design (Architektur, Werbung, Grafik).

Utl.: Wiener Tradition und Zukunftspotential in den MOEL

Wien hat als Ort der Designgestaltung viele historische Anknüpfungspunkte zu bieten, denkt man beispielsweise an die Wiener Werkstätte, die von der Jahrhundertwende bis zu den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts weltweit maßgebliches Design entwickelte. Bis zu einem gewissen Grad könnte Wien in diesem Bereich auch als ehemalige Ost-West-Drehscheibe eine Rolle spielen. Die Stadt könnte sich bei einer entsprechenden Designinitiative als Katalysator für den Export und den Transfer von Design Know-how in die östlichen Nachbarregionen positionieren. Denn auch dort wird durch eine anhaltend prosperierendere Wirtschaftsentwicklung das Bewusstsein für die Wettbewerbsrelevanz von gutem Design und in der Folge die Nachfrage nach Designdienstleistern bald schon spürbar größer werden. Hier unter den ersten Ansprechpartnern und Anbietern vor Ort zu sein, hätte für die Ostregion Österreichs viele Vorteile. Alle diese Entwicklungschancen verlangen daher ein verstärktes politisches Engagement der Wiener Stadtregierung. Es braucht mutige politische Leitentscheidungen um die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, die Wien zu einem Designstandort werden lassen.

Utl.: Wiener Design-Cluster

Die ÖVP fordert daher die Schaffung eines Design-Clusters für Wien. Dieser soll, nach dem Vorbild des von der VP in der abgelaufenen Koalitionsperiode geforderten und realisierten Bio-Tech-Clusters, ein Impulsgeber für den verstärkten Einsatz von Design in möglichst vielen Wirtschaftsbereichen sein. Gerade da es sich um die Forderung nach einem Cluster in einem zukunftsträchtigen, sich zunehmend dynamisch entwickelnden Dienstleistungsbereich handelt (in anderen EU-Ländern sind Design-Offensiven mittlerweile voll angelaufen) sollte unser Vorschlag rasch aufgegriffen werden. In vielen Wirtschaftsstudien wird kritisiert, dass die Wiener Wirtschaft unter einem Defizit beim Angebot von wirtschaftsnahen Dienstleistungen leidet. Mit einer Designoffensive für Wien könnte diese Lücke spürbar verkleinert werden. Es sollen im Wiener Raum Institutionen geschaffen werden, in denen sich Designschaffende mit ihren Vorstellungen erfolgreich und dauerhaft einbringen können und wo Wiener Design internationale Reputation entwickeln kann.

Utl.: Wiener Designlabor

Denkbar wäre eine Art gefördertes Designlabor, das mit jungen, kreativen Unternehmen zu günstigen Konditionen zusammenarbeitet. Dadurch würde die Hemmschwelle, sich als KMU eines professionellen Designdienstleisters zu bedienen, gesenkt und damit mögliche längerfristige Kooperation begünstigt und im Idealfall eine permanente Zusammenarbeit initiiert werden.

Utl.: Designzentrum im Museum

In Verbindung damit sollte, im Rahmen eines bestehenden Museums, ein Ausstellungszentrum geschaffen werden, das Platz für eine permanente Auseinandersetzung mit Design bietet, aber auch ausländische Ausstellungs-beteiligungen von jungen Wiener Designern organisiert. Wichtiges Anliegen dieser Institutionen muss auch die Kontaktherstellung zwischen Wirtschaft und Designschaffenden sein. Für die Realisierung dieses Zentrums sollen auch private Sponsoren gefunden werden.

Utl.: Kooperationen mit bestehenden österreichischen Designförderern

Eine enge Kooperation mit anderen Institutionen, die im Bereich "Design-Politik" und Ausbildung Erfahrungen haben, wie etwa das DesignTransferCenter Linz (www.designtransfer.at), die Kunstuniversität Linz (Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, www.khs-linz.ac.at/), Der Universität für angewandte Kunst, www.angewandte.at, Institut für Design, oder die Fachhochschule Joanneum, Studiengang Information und Design (www.fh-joanneum.at/fhj/) in Graz wären erstrebenswert. Eine sinnvolle Aufgabenteilung mit diesen Institutionen wäre anzustreben.

Utl.: Wiener "Design-Krätzl"

Wichtig wäre es in Wien ein Stadtgebiet besonders zu fördern, das sich schon aufgrund seiner Grundstruktur und seiner Tradition zu einem Zentrum für die Designdienstleister entwickeln könnte.

Utl.: Die Vorbildfunktion des öffentlichen Sektors

Da in der Stadt Wien das öffentliche Vergabewesen ein großes ökonomisches Gewicht hat, sollte dieser Umstand bei der Realisierung der Designoffensive für Wien im Mittelpunkt der Anstrengungen stehen. Entscheidend wäre es die Gestaltung des öffentlichen Raums als eigenständige Designerleistung ganz bewusst anzuerkennen, und damit eine Vorbildfunktion für die Promotion von gutem Design in Wien zu übernehmen. Gerade im Bereich Straßenmobiliar, Hinweisschilder, Möblierung öffentlicher Gebäude, aber auch in der nicht-architektonischen Gestaltung von Innenräumen und Arbeitsumgebungen im öffentlichen Sektor könnte Wien Vorbildfunktion entwickeln, besonders was die Berücksichtigung von Design in Planung und Ausführung betrifft.

Utl.: Design und eine benutzerfreundliche Informationsgesellschaft

Ein weiterer dynamisch wachsender Designbereich ist jener der sich mit Arbeits- und Funktionsumgebungen der Informationsgesellschaft beschäftigt. Gerade Informationsdesign wird immer wichtiger, wenn man an die hohe Durchdringung von Verwaltung und Wirtschaft durch Mobiltelephonie, Internet oder E-Mail denkt. Hier wären intelligent designte Lösungen gefragt, die sich weltweit gut verkaufen ließen. Nach wie vor Zukunftsrelevanz hat die benützerfreundliche und ästhetische Gestaltung von Telekommunikationseinrichtungen (z.B. Notebooks, Mobiltelefone, PDAs).

Utl.: Design als Teil der unternehmerischen Strategie erkennen

Österreichische Führungskräfte müssen von der unternehmensstrategischen Bedeutung von gutem Design überzeugt werden. Durch städtische Förderung kann Wien mithelfen für seine Unternehmen hier einen Wettbewerbsvorteil herausarbeiten.

Utl.: Spezialdesign Ökodesign

In den letzten Jahren hat sich ein interessanter Zweig von Spezialdesign herausgebildet, der sich mit der ökologischen Verträglichkeit von Industrieprodukten auseinandersetzt. Österreichische Entwicklungen sind beispielsweise essbare Bio-Verpackungen. Aber auch im Sinne des nachhaltigen Wirtschaftens, der Ressourcenschonung und des Recycling sind intelligente Lösungen in Zukunft sicher begehrt. Auch in diesem Bereich sollte Wien seine vorhandenen Kompetenzen ausbauen und Initiativen initiieren.

Utl.: Vorbild Finnland: Design 2005!

In ihrer Konzeption könnte sich die Designoffensive für Wien an "Design 2005!", der designpolitischen Grundsatzentscheidung der finnischen Regierung von 1999 anlehnen. Die finnische Regierung hat sich das Ziel gesetzt, dass bis 2005 bereits 30 Prozent der potentiellen Unternehmenskunden die Dienste professioneller Designer in Anspruch nehmen und dass die Hälfte aller finnischen Unternehmen Design bei ihrer strategischen Planung berücksichtigen. Für das Jahr 2010 gilt als Ziel eine 50-prozentige Nutzung von Design-Dienstleistungen durch die finnischen Unternehmen. In diesem Zusammenhang setzen die Finnen auf eine Zusammenarbeit verschiedener Kommunen (Helsinki, Lahti, Rovaniemi), die partnerschaftlich mit ihren Standortvorteilen für den Erfolg des Projektes garantieren sollen. Die finnische Regierung geht davon aus, dass derzeit bereits 7.000 Designer in den Wirtschaftszweigen Werbung und Marketing beschäftigt sind. Die Kunstsparten beschäftigen 400 Personen und in den Architekturbüros sind rund 1.800 Designer tätig. Dieses Beschäftigungspotential, das viele hochqualifizierte Jobs vor allem für junge Menschen bietet, möchte die finnische Regierung auch im Sinne der Arbeitsplatzschaffung noch mehr nutzen. Für das Jahr 2010 peilt Finnland eine Anzahl von 2.000 professionellen Industriedesignern an. Mit dieser Zahl will man die finnischen Designbüros zu internationalen Know-how-Exporteuren werden lassen. Internationale Designprojekte sollen hierbei den Weg weisen. Wichtige Leitfunktion wird auch der öffentlichen Hand eingeräumt. Vor allem der Gestaltung des öffentlichen Raums durch entsprechende Vorgaben und Aufträge wird bei der finnischen Designoffensive ein hoher Stellenwert eingeräumt.

Utl.: Folgende Forderungen verbindet die Wiener VP mit der Designoffensive für Wien:

1. Schaffung eines Designclusters (Design-Innovationszentrum) in Wien (Vorbild Bio-Tech)
2. Schaffung eines Ausstellungs- und Informationszentrums in Wien
3. Koordination der Designoffensive für Wien mit Aktivitäten der zuständigen Bundesministerien (Bildung, Wirtschaft, BKA-Kunst), in anderen Bundesländern, um eine bessere Aufgabenteilung zu erzielen (Universitäten, DesignTransferCenter Linz, Joanneum Graz)
4. Rasche Ausschreibung von expliziten Designdienstleistungen für die Gestaltung des öffentlichen Raums in Wien (auch für bereits in Planung oder Bau befindlichen Projekten)
5. Dauerhafte Berücksichtigung von Design als eingeständige Disziplin neben Stadtplanung und Architektur für die Gestaltung von öffentlichen Außen- und Innenräumen
6. Ausschreibung eines funktionierenden Leitsystems für Ämter der Stadt und des Landes Wien, insbesondere das Wiener Rathaus
7. Das Beschäftigungspotenzial Design für den Wiener Arbeitsmarkt besser als heute ausschöpfen
8. Unterstützung und Ausbau bestehender Initiativen, Stiftungen, Vereine wie der österreichischen Designstiftung, "Designzone Looshaus" und "Designpfad", Unit F- Büro für Mode
9. Besondere Berücksichtigung und Förderung von Ökodesign
10. Die Designoffensive für Wien erfordert starke Investitionen in Forschung und enge Zusammenarbeit zwischen Öffentlicher Hand, Ausbildung und Wirtschaft (Bund und Wien)

Utl.: Ziele der Designoffensive für Wien

1. Die dauerhafte Verbesserung von österreichischer Designqualität 2. Führende Stellung Österreichs bei der wirtschaftlichen Nutzung von Designdienstleistungen
3. Verbesserung von Qualität, Wettbewerbsfähigkeit und Nachfrage von österreichischen Produkten und Dienstleistungen auf dem Weltmarkt durch besseres Design
4. Erhöhung der Nutzung der Möglichkeiten von Design in vielen Branchen
5. Design als Produktentwicklungshilfe für Firmen verstärkt bewusst zu machen
6. Mehr Unternehmen von der Wirtschaftsrelevanz von gutem Design zu überzeugen
7. Durchführung der Designoffensive für Wien in enger Kooperation zwischen Kultur- und Wirtschaftsressort

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