Jugend.kult und Wirklichkeit

Wien (OTS) - Jugend und Jugendlichkeit rücken in der Öffentlichkeit immer mehr in den Vordergrund. Gleichzeitig gab es noch nie eine Gesellschaft, die aus so vielen Alten bestand. Das Haus der Barmherzigkeit veranstaltete gestern ein Diskussionsforum zu diesem Thema. Einhellige Meinung war: Jeder möchte lange leben und später alt werden.

Länger leben, später altern

Das Wiener Haus der Barmherzigkeit lud am Mittwoch zum ersten Diskussionsforum ins Studio 44 der Österreichischen Lotterien in den dritten Bezirk. Am Podium diskutierten Lore Krainer (Autorin und Komponistin), Univ.-Prof. Dr. Konrad P. Liessmann (Universität Wien), Univ.-Prof. Dr. Siegfried Meryn (Universität Wien) und Mag. Dodo Roscic (ORF) zum Thema "Jugend.kult und Wirklichkeit". Einhelliger Tenor der Diskussion: Jeder möchte lange leben und spät alt werden. Der Philosoph Liessmann prangerte vor allem die Umwertung des Begriffes Jugendlichkeit an. Alleine das Jung-Sein sei mittlerweile in der Gesellschaft der Inbegriff von Qualität geworden. Meryn ortet gegenwärtig eine kollektive Hysterie in den Bereichen Wellness, Fitness und Anti-Aging. Der Konsument hinterfrage nicht die Sinnhaftigkeit diverser Angebote. Der Mediziner warnte jedenfalls vor einem Jugend- wie Alterskult. Lore Krainer vermisst Sendeformate für die Altersgruppe 60+ im ORF als auch eine politische Vertretung für deren Interessen. Die jüngste Teilnehmerin Dodo Roscic (30 Jahre) gestand eine Verdrängung des Älterwerdens ihrer Generation ein.

Ausgrenzung des Alters

Der Ärztliche Direktor des Pflegekrankenhauses Prim. Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger machte bereits in seinem Impulsreferat die Diskrepanz zwischen Jugend.kult und Wirklichkeit deutlich. Medien, Werbung und Lifestyle vermitteln eine hohe Wertigkeit der Jugendlichkeit. Gleichzeitig führen sie zu einer Abwertung des Alters, so der Geriatrie-Experte. In Wirklichkeit ist die Altersgruppe der über 60-jährigen viermal so groß wie noch 1869. Im Jahr 2050 werden sie ein Drittel der Bevölkerung ausmachen. Mit der Abwertung des Alters werden aber auch Schwächen und Gesundheitsprobleme des Alters abgeschwächt. Gisinger: "Das Alter wird ausgegrenzt. Alte, hilfsbedürftige Menschen werden doch heutzutage stigmatisiert und abgeschoben." In diesem Zusammenhang forderte er neuerlich eine Anhebung der mittleren und höheren Pflegegeld-Stufen auf ein kostendeckendes Niveau.

Österreichische Lotterien zeigen soziale Verantwortung

Der Vorstandsdirektor der Österreichischen Lotterien Dr. Emil Mezgolits würdigte in seiner Begrüßung die Arbeit von Betreuungseinrichtungen wie dem Haus der Barmherzigkeit. "Sozialpolitische Zielsetzungen können durch die Unterstützung des Haus der Barmherzigkeit auf sinnvolle Weise verwirklicht werden", so Mezgolits. Auch die Österreichischen Lotterien handeln im Bewusstsein ihrer sozialen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Für das Diskussionsforum stellten die Lotterien Räumlichkeiten und Infrastruktur kostenlos zur Verfügung.

Die Diskussionsveranstaltung moderierte Dr. Gerfried Sperl von der Tageszeitung "Der Standard".

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