Greenpeace: Reaktor im slowakischen AKW Mochovce defekt

Radioaktivität ausgetreten - Arbeiter wurden bei dem Zwischenfall verstrahlt

Bratislava/Wien (OTS). – Laut Greenpeace vorliegenden Informationen
wurde der erste Reaktorblock des slowakischen AKW Mochovce am 25. April 2003 hochgefahren, obwohl bekannt war, dass die Isolierung der Reaktorhülle möglicherweise undicht ist. Zwei Stunden später musste der defekte Reaktor wieder heruntergefahren werden, weil Unregelmäßigkeiten bei der Reaktorabdeckung auftraten. Der Reaktor wurde dann fast zwei Wochen überholt. Bei dem Zwischenfall wurden offenbar auch Arbeiter in Reaktornähe verstrahlt, wie aus dem Kraftwerk bekannt wurde. Greenpeace bezeichnete den gefährlichen Vorfall als "Skandal" und fordert eine sofortige Untersuchung, eine lückenlose Information der Öffentlichkeit und personelle Konsequenzen. "Diese weitere Panne in einem Atomkraftwerk in der Nähe Österreichs – nach der Unfallserie im ungarischen AKW Paks – beweist wieder einmal die Notwendigkeit des Anti-Atomvolksbegehrens vom 10. – 17. Juni", so Greenpeace-Atomsprecher Erwin Mayer.

Am 24. April 2003 war das Kraftwerkspersonal darüber informiert worden, dass im Zuge einer generellen Revision eine potentielle Undichtheit der Reaktorabdeckung entdeckt worden war. Dennoch starteten die Techniker den Reaktor, mussten ihn aber bereits zwei Stunden später wieder herunterfahren, als der zu erwartende Defekt entdeckt wurde und Radioaktivität austrat. Laut Informationen aus dem Kraftwerk waren Arbeiter in Reaktornähe einer stark erhöhten Strahlung im Ausmaß einer Jahresdosis ausgesetzt. Wie auch bekannt wurde, dürfte die Kraftwerksleitung das Risiko in Kauf genommen haben, um den Zeitplan der Revision einzuhalten.

Für Erwin Mayer von Greenpeace offenbart der Zwischenfall erneut alarmierende Sicherheitsdefizite: "Nach den abenteuerlichen Experimenten und Pannen im ungarischen Kraftwerk Paks werden nun auch im slowakischen Mochovce haarsträubende Praktiken bekannt. Das Hochfahren eines Reaktors mit undichter Abdeckung ist sehr gefährlich. Wieder versuchten die Atom-Behörden die Gefahren zu vertuschen. Die österreichische Bundesregierung wurde wieder nicht informiert und die österreichische Bevölkerung erfährt von dem gefährlichen Störfall erst aus den Medien. Wir fragen uns: Wo bleibt der lautstarke Protest der österreichischen Bundesregierung gegen die gravierenden Sicherheits- und Informationsdefizite der Atombehörden? Wir fordern die österreichische Bundesregierung unverzüglich auf, die volle Wahrheit über diesen Atomunfall von der slowakischen Regierung herauszufinden und die Menschen zu informieren", sagte Mayer.

"Der Störfall in Mochovce belegt: Es gibt keine sicheren Atomkraftwerke. Der europäische Atomausstieg ist der einzige Weg zur nuklearen Sicherheit. Die Pannenserien, das rätselhafte Schweigen des Bundeskanzlers und des Umweltministers sowie das Atom-Comeback in der EU unterstreichen mehr als deutlich die Dringlichkeit des Anti-Atomvolksbegehrens vom 10. – 17. Juni 2003", betonte Mayer abschließend.

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