Glawischnig: Scharfe Kritik an US-Gentechnik-Klage gegen EU

EU-Vorsorgeprinzip gerechtfertigt, viele Fragen offen

Wien (OTS) - Scharfe Kritik an der von den USA angekündigten WTO-Klage gegen das EU-Moratorium für Gentech-Zulassungen übt Eva Glawischnig, stv. Klubobfrau und Umweltsprecherin der Grünen. "Der Versuch der US-Konzerne, den kommerziellen Anbau von Gentech-Pflanzen in Europa per WTO-Urteil durchzusetzen, ist verantwortungslos und wird die große Skepsis der europäischen Bevölkerung gegenüber Gentech-Lebensmittel nur noch verstärken", so Glawischnig.

Die EU setze laut Glawischnig in der Gentechnik-Frage zu Recht auf das Vorsorgeprinzip und die Wahlfreiheit für KonsumentInnen. Laut einer Eurobarometer-Umfrage (Dezember 2001) wollen 95% der EU-BürgerInnen das Recht auf freie Wahl, 71 % lehnen Gentech-Lebensmittel gänzlich ab und 60% sagen, dass gentechnisch veränderte Organismen (GVO) negative Umwelteinflüsse haben könnten. "Diese Einstellung sollte von den USA ernst genommen werden, anstatt sie als diffuse Verbraucherängste vom Tisch zu wischen", so Glawischnig.

Tatsächlich seien viele Fragen im Zusammenhang mit möglichen Risken der so genannten Grünen Biotechnologie bis heute nicht abschließend geklärt. Zahlreiche nachteilige Umwelt-Effekte durch GVO-Freisetzungen wie z.B. Resistenzbildungen, Schädigung von Nützlingen, Gentransfer, Verwilderung, ungeplante Veränderungen im Stoffwechsel und negative Einflüsse auf Bodenorganismen wurden beobachtet.

Völlig ungelöst ist zudem die Frage einer möglichen Koexistenz von konventionellem bzw. Biobauern- und dem Gentechnik-Anbau. Eine von EU-Kommissar Fischler i.A. gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Biobauern und konventionelle Landwirte bei großflächigem Anbau von GVO-Pflanzen in der EU aufwendige und kostenintensive Maßnahmen ergreifen müssten, um ihre Felder vor GVO-Verunreinigungen zu schützen. Mit zusätzlichen Kosten von bis zu 40% sei zu rechnen.

Die Grünen treten für eine Aufrechterhaltung des EU-Moratoriums ein, bis ein EU-weites, effizientes Regelungs- und Kontrollsystem in Kraft ist. Dies betrifft vor allem die in Ausarbeitung befindlichen EU-Verordnungen über Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit, lückenlose Haftungsbestimmungen, eine EU-einheitliche Lösung des Koexistenz-Problems und vertiefte Untersuchung ökologischer und gesundheitlicher Risken. "KonsumentInnen haben ein Recht auf volle Transparenz und freie Wahl ihrer Lebensmittel. Die US-Regierung will diese Rechte untergraben", kritisiert Glawischnig, die sich in dieser Frage eine dementsprechend klare Politik der österreichischen Bundesregierung erwartet.

Rückfragen & Kontakt:

Pressebüro der Grünen im Parlament
Tel.: (++43-1) 40110-6697
http://www.gruene.at
presse@gruene.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FMB0004