Greenpeace-Protest: Stopp den Paks-Experimenten!

Umweltschützer protestieren vor ungarischem Pannenreaktor

Wien/Budapest/Paks (OTS). – Heute Vormittag protestierten Greenpeace-
Aktivisten aus Österreich und Ungarn vor den Toren des ungarischen Atomreaktors Paks. Auf einem großen Transparent forderten die Umweltschützer "Stop Paks Experiments". Vor kurzem kam es zu mehreren schweren Störfällen in Paks wobei radioaktive Gase im Atomreaktor freigesetzt wurden. Die Störfälle entstanden während eines Verfahrens zur Reinigung von Brennstäben, bei dem zu Testzwecken gleichzeitig 30 anstatt nur sieben Brennstäbe gereinigt werden sollten. "Greenpeace fordert ein sofortiges Ende dieser Experimente und die lückenlose Aufklärung der Ursachen der Störfälle. Mit der geplanten Betriebszeitverlängerung der Reaktoren russischer Bauart um zehn Jahre steht das nächste unsichere Experiment bevor. Wenn der Pannenreaktor Paks länger am Netz bleibt als vorgesehen, dann gleicht das einem russischem Roulette, das auf dem Rücken der Menschen in Österreich, Ungarn und in ganz Europa ausgetragen wird", warnt Greenpeace Atomsprecher Erwin Mayer.

Am 10. April dieses Jahres ist es im Atomkraftwerk Paks bei einer Reinigungsprozedur von radioaktiven Brennstäben zu einem schweren Störfall der INES-Stufe 3 mit Freisetzung radioaktiver Gase im Kraftwerk gekommen. Am 3.Mai kam es dann zu einem neuerlichen Störfall in demselben Reinigungsbehälter. Man versuchte, im Reinigungswasser enthaltenes radioaktives Jod mit einer Chemikalie zu binden um es so zu entfernen. Mitschuld an den beiden Störfällen dürfte der Versuch sein, die Prozedur gleichzeitig mit 30 Brennstäben durchzuführen anstatt wie üblich mit sieben. Die österreichische und auch die ungarische Öffentlichkeit ist erst vergangenen Mittwoch über den neuerlichen Störfall informiert worden. Paks ist nur 200 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt.

Wegen der vier Tonnen spaltbaren Materials, das noch immer am
Boden
des Abklingbeckens liegt, können weitere Zwischenfälle nicht ausgeschlossen werden. Im Extremfall kann es sogar zu einer unkontrollierten Kettenreaktion kommen, wodurch weiteres radioaktives Material austreten könnte. "Die Desinformationspolitik der Kraftwerksleitung in Paks, allen voran Direktor István Kocsis, ist inakzeptabel und entspricht nicht dem Geist guter nachbarschaftlicher Beziehungen in einer erweiterten EU. Greenpeace kritisiert auch, dass der Wirtschaftsminister sowohl Eigentümervertreter als auch oberste Kontrollbehörde ist. Die Kompetenzen müssen unverzüglich getrennt werden", kritisiert Mayer. "Wir fordern die Einsetzung einer unabhängigen europäischen Expertenkommission mit Beteiligung aller Nachbarländer, um den wahren Unfallhergang in allen Details offen zu legen. Bevor die Ergebnisse der Expertenkommission vorliegen, ist es unverantwortlich den Block zwei wieder in Betrieb zu nehmen", so Mayer weiter.

In Europa droht ein Comeback der Atomindustrie. Nicht weniger als
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neue Reaktoren sind in Planung oder Diskussion. Die Euratom-Kredite sollen um zwei Milliarden Euro aufgestockt werden. Auch der längst überkommene Euratom-Vertrag soll einen festen Bestandteil der neuen EU-Verfassung bilden. Deshalb hat Greenpeace ein Volksbegehren für ein "atomfreies Europa" eingeleitet, das vom 10. bis zum 17. Juni 2003 auf allen österreichischen Gemeindeämtern zur Unterschrift aufliegen wird. Mayer: "Die anhaltenden atomaren Störfälle wie in Paks unterstreichen die Dringlichkeit des Atomausstiegs. Jede Unterschrift für das Volksbegehren ist ein Auftrag an die Bundesregierung, sich in der EU für den Ausstieg aus der Atomkraft einzusetzen", so Mayer.

Rückfragen & Kontakt:

MMag. Franko Petri,
Pressesprecher Greenpeace, vor Ort in Paks,
tel. 0043-(0)676-5147246
Mag. Erwin Mayer,
Volksbegehrenssprecher Greenpeace, vor Ort in Paks,
tel. 0043-(0)664-2700441

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