Ärztekammer will Überstunden und Nachtdienste als Versicherungsjahre aufrechen

Sonst müssten Ärztinnen noch mit 90 Jahren Patienten behandeln - Dorner: "Kein Streik, aber volles Verständnis für kampfbereite Spitalsärztinnen und -ärzte"

Wien (OTS) - Ärztekammerpräsident Prim. MR Dr. Walter Dorner äußert sich anlässlich der morgen angesetzten Großdemonstration in Wien mit einem neuen Vorschlag zur Pensionsreform: "Wir wissen, dass gerade Ärztinnen lange Ausbildungszeiten haben, lange auf einen Posten warten müssen und inklusive der Karenzzeiten wahrscheinlich noch als Greisinnen arbeiten müssten, um eine adäquate Pension zu bekommen." Man wisse auch, dass gerade Spitalsärztinnen und -ärzte kontinuierlich die gesetzlich festgelegte Wochenarbeitszeit überschritten. "Warum also werden bei Ärztinnen und Ärzten die über Jahre erbrachten Überstunden und Nachtdienste nicht auf die Lebensarbeitszeit aufgerechnet", bringt Dorner einen neuen Aspekt in die Pensionsdebatte ein.****

Derzeit arbeiten 37 Prozent der Spitalsärzte mehr als 60 Stunden pro Woche, 52 Prozent arbeiten bis zu 72 Stunden und 16 Prozent bis zu 99 Stunden pro Woche im Spital. Das ergebe umgerechnet auf die Lebensarbeitszeit einige wichtige Versicherungsjahre mehr, betonte Dorner.

Für den Ärztekammerpräsidenten steht fest, dass man eine Reform, bei der Ärztinnen bis 80 oder 90 Jahre arbeiten müssten, um einen vollen Pensionsanspruch zu erhalten, "unter allen Umständen" verhindern müsse. Deshalb zeige er auch volles Verständnis für kampfbereite Spitalsärztinnen und -ärzte, die sich der morgigen Demonstration anschließen wollen. Dorner: "Ein Streik ist sicherlich der letzte Ausweg, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Zuerst sollten natürlich alle Möglichkeiten der Verhandlung ausgelotet werden. Trotzdem verstehe ich die Sorgen der Kolleginnen und Kollegen und unterstütze sie in ihren Anliegen."

Auch für Dr. Sabine Oberhauser, Präsidialreferentin für Gewerkschaftliche Angelegenheiten der Ärztekammer für Wien, ist die Pensionsreform eine "überstürzte Husch-Pfusch-Aktion, bei der wieder einmal die Frauen mit den höchsten Einbußen zu rechnen haben". "Ich rufe alle Ärztinnen und natürlich auch Ärzte auf, zur morgigen Demonstration zu gehen und ihren Unmut über die geplante Pensionsreform öffentlich zu äußern." Eine derartige Benachteiligung gegenüber Frauen erfordere geschlossenen Protest auf der Straße, so Oberhauser.

Oberhauser wundert sich weiters über die Eile der Bundesregierung, 91 Gesetze in vier Wochen mit verkürzter Begutachtungsfrist beschließen zu wollen. "Scheinbar muss alles schnell über die Bühne gehen, damit nicht zu viele Bürgerinnen und Bürger bemerken, dass die Anschaffung von Kampfjets mit unserer Altersversorgung finanziert wird." Für Oberhauser ist nur eine Vorgangsweise in der derzeitigen Situation zulässig: "Gemeinsam mit den Sozialpartnern zurück an den Verhandlungstisch und keine kopflosen Entscheidungen über die Zukunft von Millionen Österreicherinnen und Österreichern."

Auch Ärztechef Dorner appelliert nochmals an die Regierung:
"Besser eine abgeschwächte Version der Pensionsreform im Herbst ohne soziale Opfer als eine Kampfreform in einem Österreich, dem das Wort sozialer Gerechtigkeit fremd geworden ist." (bb)

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223 od. 0664/1014222
Fax: (++43-1) 51501/1289
hpp@aekwien.or.at
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW0001