MEHR GELD FÜR DIE KUNST Kunstbericht 2001 liegt dem Parlament vor

Wien (PK) - Nach einem für die Kunst weniger erfreulichen Jahr
2000 konnten sich Bildende Kunst, Musik und Film 2001 über zum
Teil beträchtliche Zuwächse bei den Subventionen freuen. Das Kunstbudget wuchs von 1,06 Mrd. S auf nunmehr 1,48 Mrd. S (107,5 Mio. Euro). Das
geht aus dem Kunstbericht 2001 (III-19 d.B.) hervor, der seit
kurzem dem Nationalrat vorliegt.

Kunststaatssekretär Franz Morak kann dementsprechend zufrieden Bilanz ziehen: "Ich glaube, der Kunstbericht 2001 zeigt, dass es
uns trotz schwieriger budgetärer Verhältnisse gelungen ist, aktiv Kunst- und Kulturpolitik zu betreiben. Wir haben wichtige Gesetze verhandelt und umgesetzt, wir konnten Sondermittel für
nachhaltige Investitionen und Großprojekte flüssig machen, wichtige europäische und internationale Initiativen durchführen und - was mir besonders wichtig ist - die Kunstschaffenden wieder
in den Mittelpunkt der Kunst- und Kulturpolitik stellen."

Daher wurden, so Morak weiter, "im Budget zugunsten der direkten Förderung der Kunstschaffenden Akzente" gesetzt: "Zum einen
wurden die Stipendien erhöht und mit dem Ernst-Jandl-Preis eine Auszeichnung für deutschsprachige Lyrik geschaffen, zum anderen haben die Jahre 2000/2001 für die Künstlerinnen und Künstler in Österreich wesentliche Neuerungen im Steuer- und Sozialversicherungsbereich gebracht: Die Gewinn-Rücktragsmöglichkeit sowie die Pauschalierungsmöglichkeit von künstlerischen Betriebsausgaben im Einkommenssteuerrecht und das Zuschusssystem des Künstler-Sozialversicherungsfonds sind Verbesserungen, die den Kunstschaffenden erstmals bürokratische Erleichterungen gegenüber dem Fiskus einräumen bzw. finanzielle Belastungen vermindern."

Morak verweist darauf, dass sich Künstler-Sozialversicherung und das Gesetz über die Preisbindung bei Büchern, die beide 2000 in Geltung traten, im Berichtszeitraum bereits positiv auswirkten,
und geht in seinem Vorwort auch auf die erfolgreichen Bemühungen ein, "Kunst aus Österreich in einem internationalen Kontext zu präsentieren": "Dazu gehören nicht nur die Teilnahme an Großereignissen wie den Filmfestspielen in Cannes oder der
Biennale Venedig und die Teilnahme von Galerien und Verlagen an internationalen Kunst- und Buchmessen, sondern auch
Präsentationen auf neuem Terrain." 2001 habe man demgemäß versucht, mit zwei beispielgebenden Projekten zu zeitgenössischer österreichischer Kunst und Architektur sowie zu Design, für "Österreich Neuland zu erobern". Die Bilanz fiel, so Morak, sehr erfolgreich aus.

Wichtige Verbesserungen gab es 2001 auch auf dem Gebiet der Galerienförderung sowie im Bereich der Kulturpolitik, oder, wie
es Staatssekretär Morak ausdrückt: "Das zweite gesellschaftspolitisch relevante Thema meiner Arbeit war die Verknüpfung von Kunstförderung und Kulturpolitik mit der Erweiterung der Europäischen Union." Gerade der österreichischen Kulturpolitik komme hier, so Morak, als "Brücke zwischen Ost und West" eine besondere Verantwortung zu. Neben anderen richtungweisenden Schritten erwähnt der Bericht hier die "direkte Förderung von Maßnahmen zur grenzüberschreitenden Kulturarbeit". Diese wurde durch die Stiftung eines Würdigungspreises zusätzlich gefördert. Von besonderer Wichtigkeit für Österreichs Kulturleben war überdies die Ernennung von Graz zur Kulturhauptstadt Europas
im Jahre 2003, heißt es in Moraks Vorwort abschließend.

DAS KUNSTBUDGET IM DETAIL

Erstmals seit 1995 stieg das Kunstbudget nachhaltig und - mit Ausnahme des ewigen Stiefkinds Literatur - generell. So erhielt
die Bildende Kunst 2001 insgesamt 283,8 Mill. S gegenüber
lediglich 77 Mill. S im Jahr zuvor. Musik und Darstellende Kunst (707,6 Mill. S gegenüber 536,2 Mill. 2000) und Film (218,5 gegenüber 180,7) zählen so zu den "Gewinnern" das Jahres 2001. Lediglich die mittlerweile bereits Besorgnis erregende Talfahrt
der Literatur ging ungebremst weiter, fielen die Subventionen
doch neuerlich von 140,9 Mill. S im Jahr 2000 auf nunmehr 136,8 Mill. S im Jahre 2001. Damit hält die Literatur nur noch einen Anteil von knapp mehr als 6 Prozent des gesamten Kunstbudgets,
was ein Minus von etwa einem Drittel gegenüber 2000 bedeutet.

Mehr als verdoppelt wurde hingegen der Anteil der Festspiele und Großveranstaltungen, auf die ein Drittel des gesamten Budgets entfällt. Die Darstellende Kunst lukriert 18, der Film 14 Prozent des Kunstbudgets, auf die Musik entfallen immerhin noch 10
Prozent.

Größter Einzelsubventionsnehmer war 2001 die "Kulturhauptstadt Graz", an der sich der Bund mit 200 Mill. S beteiligte. Ebenfalls rund 200 Mill. S gingen an die Salzburger Festspiele, 136 Mill. S erhielt das Österreichische Filminstitut, während das Theater in der Josefstadt mit 106 Mill. S gefördert wurde. Damit bekam die Bühne von Helmut Lohner und Otto Schenk rund fünfmal so viel als alle österreichischen Kleinbühnen insgesamt. Gut dotiert sind weiterhin die prestigeträchtigen Festspiele von Bregenz, die
knapp 40 Mill. S erhielten.

EWIGES STIEFKIND LITERATUR

Neuerlich gekürzt wurden die Mittel für die Literatur. Statt
140,9 Mill. S standen 2001 nur noch 136,8 Mill. S zur Verfügung. Diese Kürzung betraf primär literarische Vereine und Veranstaltungen, während die Verlagsförderung im wesentlichen gleich blieb und die Personenförderung zum Teil substantiell angehoben wurde. Erstmals wurden Autorenprämien vergeben, Stipendien für Übersetzungen oder Reisen wurden deutlich erhöht. Von besonderer Wichtigkeit für die AutorInnen sind dabei die Staatsstipendien, die 35 großteils jungen resp. unbekannten SchriftstellerInnen zum Teil namhafte Summen zur Bewältigung
ihrer Arbeit zur Verfügung stellen. Daneben erhielten 36 zum Teil renommierte AutorInnen wie Florjan Lipus, Antonio Fian, Thomas Glavinic oder Bettina Balaka konkrete Projektförderungen. Die Robert-Musil-Stipendien gingen 2001 an Alois Hotschnig, Michael Scharang und Elisabeth Reichart, und den "Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur" gewann 2001 Gert Jonke. Den
Staatspreis für europäische Literatur erhielt 2001 Umberto Eco.

Zurückgegangen ist hingegen die Publikationsförderung, sodass
hier weiter Handlungsbedarf besteht, um den zahlreichen österreichischen Talenten auch ein entsprechendes
Publikationsforum zu sichern, zumal just bei jenen Verlagen, die österreichische AutorInnen verlegen, die Verlagsförderung grosso modo bestenfalls gleich blieb, während auf deutsche Autoren oder auf Sachbücher spezialisierte Verlage sich über ein Plus freuen durften, wenngleich Robert Stocker im Bericht behauptet, es sei "noch nie so leicht wie heute" gewesen, "einen Verlag zu finden
und ein Buch zu publizieren". Die Ankündigung, es würden Massnahmen zur "Verbesserung des Vertriebs und der Präsenz der zeitgenössischen österreichischen Literatur am deutschsprachigen Markt" gesetzt, harrt daher dringend der Umsetzung.

AUFSCHWUNG FÜR DEN HEIMISCHEN FILM

Beachtliche Mittel gab es 2001 für den heimischen Film. Nicht weniger als 66,7 Mill. S wurden allein für die Filmherstellung
zur Verfügung gestellt, weitere 15,1 Mill. S gab es für die Verwertungsförderung. Beachtlich liest sich denn auch die Liste
der Kinostarts heimischer Produktionen im Berichtszeitraum,
reicht die Palette hier doch von Ulrich Seidls "Hundstage" über "Die Gottesanbeterin" mit Christiane Hörbiger, Simon Schwarz und Tanja Petrovsky bis zu Klaus Maria Brandauers "Jedermanns Fest".

Ein deutliches Plus gab es schließlich auch für die Bereiche Architektur, Design und Mode, deren Subventionen von 69,6 auf
78,6 Mill. S aufgestockt wurden.

Ein Serviceteil sowie ein Glossar zur Kunstförderung runden den Bericht ab. (Schluss)

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