BFI und VÖGB schlagen Alarm: Wieder massive Budgetkürzungen bei der Weiterbildung!

Presseaussendung des Berufsförderungsinstitut Österreich und des Verbandes Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung

Wien (OTS) - Wollte die erste FPÖ/ÖVP-Regierung das lebensbegleitende Lernen noch zu einem zentralen Schwerpunkt ihrer Bildungspolitik machen, so ist von diesem Anspruch im aktuellen Regierungsprogramm nicht mehr viel übrig geblieben. Im Kapitel Bildung werden zum lebensbegleitenden Lernen nur ein paar Schlagwörter aufgezählt. In der Regierungserklärung von Bundeskanzler Schüssel ist ein einziger konkreter Ansatz zur Förderung des lebensbegleitenden Lernens zu finden. Analog zum Modell des Bausparens soll ein Modell des Bildungssparens entwickelt werden. Äußerst sparsame Pläne also. Aber des Sparens nicht genug, in den nächsten zwei Jahren wird das Budget für die Erwachsenenbildung um satte 25 Prozent gekürzt!

Dabei waren die Subventionen schon die Jahre zuvor rückläufig -und das auf höchst bescheidenem Niveau. Nur 12 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln flossen zuletzt in die Erwachsenenbildung. In den nächsten zwei Jahren sollen es gar nur mehr 9 Millionen Euro sein. Das ist um ein Viertel weniger. Zum Vergleich: Im Budget 2003 sind 8,2 Milliarden Euro für Bildung und Wissenschaft vorgesehen, im Jahr darauf werden die Ausgaben sogar auf über 9 Milliarden Euro steigen. Gerade 0,1% fallen davon für die Erwachsenenbildung ab! Es scheint also leider nichts zu nützen, dass der Förderung der österreichischen Erwachsenenbildung in den letzten Jahren zahlreiche negative Befunde ausgestellt wurden:

- Der Rechnungshof kritisierte schon 1998 die geringen Aufwendungen und empfahl, auf ein ausgewogenes Verhältnis der Ausgaben für Erstausbildung zu jenen der Weiterbildung zu achten.

- In einer OECD-Studie wurde für die Erwachsenenbildung ein Finanzierungsbedarf von 1,1 Milliarden Euro (!) errechnet, will Österreich an das Spitzenfeld der Länder mit überdurchschnittlich hoher Bildungsbeteiligung aufschließen.

- Die jüngst veröffentliche 2. Europäische Erhebung über betriebliche Weiterbildung weist Österreich ebenfalls ein denkbar schlechtes Ergebnis aus. Bei den Gesamtausgaben bilden wir das Schlusslicht und bei der Teilnahmequote rangiert nur Griechenland hinter uns.

Bei den Diskussionen um den österreichischen Länderbericht zum EU-Memorandum über Lebenslanges Lernen und um die bildungspolitischen Zielsetzungen der EU bis 2010 waren sich alle Experten/innen einig:
Es mangelt in Österreich sowohl an einer umfassenden politischen Strategie zur Förderung des lebensbegleitenden Lernens als auch an öffentlichen Fördermitteln. Dieses Urteil so wie bisher zu negieren hieße, keine Verantwortung für die Zukunft Österreichs zu übernehmen. Angesichts der rasanten gesellschaftlichen Veränderungen und der immer besorgniserregenderen österreichischen Arbeitsmarktsituation wäre die Unterstützung der Menschen beim Zugang zum lebensbegleitenden Lernen das Gebot der Stunde. Das Bildungsministerium, das sich selbst zum "Zukunftsministerium" ernannt hat, ist soeben dabei, an dieser Zukunftsaufgabe zu scheitern.

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