Hampson: "In Salzburg nicht gebraucht"

Wien (OTS) - Thomas Hampson, weltweit erste Adresse im
Bariton-Fach, fühlt sich von den Salzburger Festspielen nicht gebraucht. Nach der diesjährigen "Don Giovanni"-Wiederaufnahme gebe es keine Opernpläne mehr mit der neuen Intendanz, klagt er in einem NEWS-Interview: "Es gibt für die nächsten Spielzeiten in Salzburg keine Opernpläne, die signalisieren, dass meine Anwesenheit erwünscht wäre. Wie neutral kann ich das sagen, ohne Schmerzensschreie auszustoßen? Der Dialog ist nicht entstanden. Ich werde nicht gebraucht."

Martin Kusejs "Don Giovanni"-Inszenierung werde heuer wesentlichen Veränderungen unterzogen. Hampson in NEWS: "Ich habe nach dem Sommer unmissverständlich gesagt: ,Ich komme gern zurück, aber nur, wenn wir an dem, was wir gemeinsam nicht erreicht haben, weiterarbeiten. Wenn das nicht unter entsprechendem Aufwand an Probenzeit und Geld möglich ist, lassen wir es bleiben und trennen uns in Freundschaft.’ Wenn zum Beispiel fast niemand verstanden hat, weshalb Leporello am Schluss Don Giovanni tötet, haben wir beide schmerzhaft versagt. Die Idee dahinter war faszinierend: Giovanni ist am Schluss schon ein lebender Toter, der noch einmal gegen Gott aufbegehrt. Leporello erweist ihm sozusagen den letzten Freundschaftsdienst. Das ist nicht herübergekommen. Ich fand auch das Verhältnis Don Giovannis zu seinen Mädels nicht genug herausgearbeitet: Sind sie tot oder lebendig? Opfer, Mitspieler, Teufel? Auch das Bühnenbild muss neu erarbeitet werden, damit es nicht wieder diesen störenden Lärm verursacht. Und die Kostüme für Leporello und Don Giovanni werden neu erdacht. Man kann nicht mit dem Angebot eines Prada-Ladens auf die Bühne marschieren."

Enschieden dementiert er ein oft kolportiertes Zerwürfnis mit Kusej: "Ich möchte gar keinen Schwächling als Regisseur haben, und kein Regisseur kann einen Schwächling als Don Giovanni wollen. Das ist immer eine gewaltige Auseinandersetzung, aber ganz normal und gesund zwischen zwei starken Partnern, die grundlegenden Respekt vor einander haben."

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