Peymann plant Musical von Grönemeyer und Heimkehr an die Burg

Wien (OTS) - Claus Peymann plant für sein Berliner Ensemble (BE) ein von Herbert Grönemeyer geschriebenes und komponiertes Musical. Das erklärt der frühere Direktor des Wiener Burgtheaters in einem Interview für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe. Hintergrund ist der sensationelle Publikumserfolg der Grönemeyer-Bearbeitung von Büchners "Leonce und Lena" am BE.

Voraussetzung ist allerdings, dass der Berliner Senat innerhalb der nächsten sechs Wochen die beschlossenen Subventionskürzungen zurücknimmt.Anderenfalls würde Peymann seinen im nächsten Jshr endenden Vertrag nicht verlängern: "Ich bin vollständig in der Hand des Regierenden Bürgermeisters. Innerhalb der nächsten sechs Wochen läuft die Uhr ab. Highnoon, Herr Wowereit! Ohne das notwendige Budget bin ich nicht zu haben. Ich gehe doch nicht sehenden Auges in den Konkurs - wie es in Berlin gang und gäbe ist: Es bestehen bindende Verträge für Produktionen der Top-Klasse, die ohne Lottogelder nicht bezahlbar wären: Ibsens "Wildente" in Langhoff-Regie, "Peer Gynt", inszeniert von Peter Zadek. Im Herbst 2004 planen wir Brechts "Dreigroschenoper" in der Inszenierung von Bob Wilson, ich träume von einem Musical, geschrieben und komponiert von Herbert Grönemeyer, nach dem erfolgreichen ersten und beglückenden Schritt Niemand kann sich vorstellen, dass man diese Arbeit guillotiniert. Aber in Berlin ist alles möglich. Hier hat so mancher Parvenue das Sagen und es herrschen barbarische Verhältnisse. Und das schon seit Jahren! Wer als Theaterdirektor überleben will, wird zum Kannibalen und lebt von abgewickelten Bühnen. Es ist zum Heulen!"

Die Berliner Intendanz wird - so Peymann in NEWS - in jedem Fall seine letzte sein, trotz Anfagen aus Hamburg, Zürich, Wien und dem Ruhrgebiet. Anschließend will Peymann als freier Regisseur weiterarbeiten, und zwar am Burgtheater in Wien: "Ich werde mir die Theater aussuchen, wo mich das Publikum interessiert und ich optimale Voraussetzungen für meine Arbeit finde. Und das heutige Burgtheater hat - trotz eines anderen Konzepts - ja immer noch viel mit mir und uns zu tun: Schließlich haben wir viele der heutigen Burgschauspieler nach Wien gebracht. Übrigens auch Regisseure wie Andrea Breth und Peter Zadek. Baulich und technisch ist das Haus in einem prima Zustand, ich habe Freunde in der Technik, der Verwaltung, und viele sind auch heute noch stolz auf unsere großen gemeinsamen Kämpfe und unsere große Zeit. Unsere Publikumsauslastung ist bis heute unübertroffen... Und es gäbe selbst für mich noch viel zu entdecken. Z.B. das Akademietheater: das kenne ich kaum! Ich musste ja immer am großen Haus inszenieren."

Peymann charakterisiert sich in NEWS als "einen der letzten unbequemen Künstlerkönige": "Es dominiert ein anderer Phänotyp. Ich habe mein Leben lang immer für eine ästhetisch und politisch konsequente Theaterarbeit gekämpft. Wir hatten viele Gesichter, aber immer auch einen Kopf. Ich habe mich nie versteckt, mich nie herausgehalten. Manchmal waren die Inszenierungen sehr angreifbar -aber jede hatte ihre eigene Vision. Heute dominiert der schnelle Kick - und der moderne Manager-Intendant. Bachler in Wien, Wilms in Berlin, Stromberg in Hamburg und auch Baumbauer in München. Mit solchen Intendanten kann man leichter umgehen. Sie sprechen die gleiche Sprache wie ihre Partner in Politik und Zeitungen. Zadek, Dorn, Stein oder ich sind verschlossener, schroffer und gelegentlich auch arroganter. Im Grunde können mich alle Politiker am Arsch lecken, genau wie die Theatersausschüsse und natürlich die Theaterkritiker! Natürlich möchte ich auch geliebt, bewundert, gefragt und natürlich auch gehasst werden, aber nicht von denen. Heute werden die Künstler an den Theatern zurückgedrängt und abgesägt: die eleganten Verwalter sind die Männer der Stunde - die unbequemen Künstlerkönige werden geköpft."

Rückfragen & Kontakt:

Sekretariat NEWS
Chefredaktion
Tel.: (01) 213 12 DW 1103

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NES0001