KR Leo Schreiber - Aufsichtsratspräsident der ARA AG, Aufsichtsratsvorsitzender von Coca-Cola Beverages Austria: Zwangspfand ein ÖKO-Schmäh - ARA-Vorbereitungen auf Deponieverordnung 2004

Zwangspfand bringt Belastungen und Kosten für Umwelt, Konsumenten und Wirtschaft

Wien (OTS) - "Ein Zwangspfand auf Getränke-Einwegverpackungen bringt enorme Kosten für Wirtschaft und Konsumenten bei zweifelhafter ökologischer Wirkung", bringt ARA Aufsichtsratpräsident KR Schreiber die Haltung der österreichischen Getränkewirtschaft zur neuerlichen Diskussion rund um das Pfand auf den Punkt.

Littering kein Thema

Die Argumente der Pfandbefürworter in Österreich sind für Schreiber nicht nachvollziehbar und gehen in eine völlig falsche Richtung. "Immer wieder hört man, dass damit das Littering eingedämmt werden soll. Aus meiner Erfahrung kann ich aber sagen, dass einerseits Littering in Österreich nur im Geringen existiert und dass andererseits Getränkeverpackungen dabei nur eine geringe Rolle spielen. Gehen Sie mit offenen Augen durch Wien. Wieviel Müll sehen Sie? Was davon sind Dosen oder Flaschen? Und wie viel davon sind Zeitungen und Prospektmaterial, für die wohl niemand ein Pfand überlegt?"

Insellösung für Getränkeverpackungen verstellt den Blick aufs Ganze

Auch dem Argument der erhöhten Verwertungsmengen kann Schreiber nicht folgen. Denn das Pfandsystem ist eine "Insellösung" nur für Getränkeverpackungen. Der wesentlich gewichtigere Teil der sonstigen Verpackungen wird von einem Pfandsystem nicht erfasst. Um der Umwelt nicht zu schaden, muss man also die bestehende getrennte Sammlung der anderen Verpackungen weiter aufrecht erhalten. Der Umwelt ist es nämlich egal, ob in der Dose Bier oder Katzenfutter war. "Im Einwegpfand-Vorzeigeland Schweden wurden 2001 78% der bepfandeten Getränkeverpackungen verwertet. In Österreich betrug die Rücklaufquote im selben Jahr über 70% - und das bei sämtlichen Verpackungen. Es ist daher nicht sinnvoll 120 Mio. Euro in den Aufbau und weitere 40 Mio. Euro jährlich in den Betrieb eines Systems zu investieren, das derart geringen Nutzen für die Umwelt und zusätzliche Arbeitsbelastungen für Wirtschaft und Konsumenten bringt. Das Zwangspfand ist genau betrachtet, nichts als ein Öko-Schmäh, der viel verspricht und nichts hält, und den Konsumenten Arbeit und Geld kostet."

Deutscher Handel denkt über Auslistung von Mehrweg nach - zwei Systeme zu teuer

Gegen die Argumentation der Pfandbefürworter, dass das Pfand zu einer Steigerung der Mehrweg-Quote führt, führt Schreiber ins Treffen: "Der derzeit als Erfolg angeführte Effekt in Deutschland ist kurzfristig, die Einweg-Quotenregelung trat ja erst ab Jänner in Kraft. Damit ist der Beobachtungszeitraum viel zu kurz, um bereits fundierte Aussagen treffen zu können. Und dort, wo über Jahre hinweg Erfahrungswerte gesammelt werden konnten - wie eben in Schweden -zeigt sich, dass die Mehrweg-Quote keinesfalls steigt. Darüber hinaus haben Vertreter des Handels in Deutschland schon angekündigt, Mehrweg auszulisten, weil zwei teure Rücknahmesysteme parallel nicht tragbar sind. Es wird also das billigere übrigbleiben - und das ist nunmal Einweg."

"Handel und Abfüller sind keineswegs gegen Mehrweg. Deren Grundsatz ist: Die Wahlfreiheit für die Konsumenten muss erhalten bleiben. Ich bin daher der festen Überzeugung, dass wir mit dem österreichischen Weg der freiwilligen Selbstverpflichtung ein geeignetes Instrument in Händen haben, um diese Entscheidungsfreiheit aufrechtzuerhalten."

DeponieVO betrifft auch getrennte Verpackungs-sammlung

Stellung bezieht Schreiber außerdem zur Deponieverordnung, die ebenfalls Auswirkungen auf das ARA System haben wird. Ihre Vorgaben treten ab 1. Jänner 2004 in Kraft und sehen eine Vorbehandlung des Mülls in Müllverbrennungsanlagen oder mechanisch-biologischen Anlagen vor. Betroffen ist in erster Linie nur der Restmüll, aber auch die getrennte Sammlung von Verpackungen wird dadurch beeinflusst. "Besonders wichtig sind die Bestimmungen der Deponieverordnung für Leichtverpackungen, die bisher in der Gelben Tonne bzw. im Gelben Sack gesammelt und nach dem Aussortieren der stofflich verwertbaren Kunststoffe thermisch verwertet wurden", so Schreiber.

"Das ARA System kann sich daher in Zukunft, wo immer möglich und sinnvoll, auf die Sammlung von sortenreinem, stofflich verwertbarem Abfall konzentrieren und die übrige Verpackung dort thermisch nutzen, wo ab 2004 ausreichend Müllverbrennungsanlagen mit derartigen Funktionen bestehen."

ARA System bereitet sich seit Monaten auf Herausforderungen vor - zahlreiche Versuche und Konzeptentwicklungen

"Das ARA System bereitet sich seit Monaten intensiv auf diese Herausforderungen vor und entwickelt - auf Basis zahlreicher Forschungs- & Entwicklungs-Projekte sowie Praxisversuche - neue Sammelkonzepte und Vertragsmodelle. Diese Konzepte werden es auch in Zukunft ermöglichen, eine effektive Verpackungssammlung zu realisieren. Und gleichzeitig den Anforderungen und Möglichkeiten der neuen Deponieverordnung gerecht zu werden", unterstreicht Schreiber.

"Wien weist ja durch die Restmüllverbrennung und die Nutzung der Energie zur Fernwärmeerzeugung seit langem eine besondere Entsorgungssituation auf. Ergänzend dazu läuft in der Bundeshauptstadt ein Versuch mit eigens konstruierten Sammelbehältern. Auch in Salzburg und Klagenfurt werden neue Modelle in der Praxis erprobt, dabei waren auch Metallverpackungen betroffen."

Umsetzung der Konzepte bei entsprechender Infrastruktur

"In Umsetzung werden all diese Konzepte jedoch natürlich erst gehen, wenn in den einzelnen Regionen die entsprechende Infrastruktur besteht. Das heißt, wenn ausreichend Kapazitäten für die thermische oder mechanisch-biologische Behandlung von Abfällen vorhanden sind -und das wird nicht überall zur gleichen Zeit sein. Eine Umstellung erfolgt natürlich nur in Abstimmung mit den jeweiligen Kommunen und nur, wenn durch diese Umstellungen Vorteile für Kommunen, Wirtschaft und Konsumenten entstehen", betont Schreiber.

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