ÖSTERREICH IM HEILIGEN LAND NR-Präsident Khol eröffnet Ausstellung "Szepter und Pilgerstab"

Wien (PK) - Nationalratspräsident Andreas Khol eröffnete heute Abend im Hohen Haus die Ausstellung "Mit Szepter und Pilgerstab -Österreichische Präsenz im Heiligen Land seit den Tagen Kaiser Franz Josephs", für welche das Erzbischöfliche Dom- und Diözesanmuseum verantwortlich zeichnet. An der Veranstaltung nahm ein ebenso zahlreiches wie prominentes Publikum teil, darunter Bundesratspräsident Herwig Hösele und der Südtiroler Landesrat Bruno Hosp.

Präsident Khol betonte in seiner Begrüßung, das Publikum habe es hier mit einer großartigen Ausstellung zu tun, die einen hervorragenden Überblick darüber gebe, was zwischen Österreich und dem Heiligen Land schon vor 140, 150 Jahren an
Gemeinsamkeiten entstand. Durch das österreichische Engagement seien sehr enge Beziehungen gewachsen, und wenn man, so wie er, Khol, die Gnade gehabt habe, selbst einmal das österreichische Hospiz in Jerusalem zu besuchen und die Ereignisse an einem
Freitag zu verfolgen, dann wisse man, welche Geschichte hier entstanden sei, dann könne man stolz auf dieses Hospiz sein.

Der Präsident erinnerte daran, dass seinerzeit durch eine vom österreichischen Parlament initiierte Spendenaktion im Hospiz
eine Tagesklinik eingerichtet werden konnte, die sich heute noch
als überaus nutzbringend für die dortige Bevölkerung erweise. Das Hospiz sei, so der Präsident abschließend, jederzeit einen Besuch wert.

Kurator Bernhard Böhler gab einen historischen Rückblick über die Entwicklung der Beziehungen zwischen Österreich und dem Heiligen Land seit der Eröffnung des Suez-Kanals 1869 und sagte, die Ausstellung wolle zeigen, wie mannigfach das österreichische Engagement gewesen sei. So hätten nicht nur die Infrastruktur und die Wirtschaft im Heiligen Land profitiert, auch die
Hilfestellung für die Armen der Bevölkerung sei bemerkenswert gewesen. Bei dieser Gelegenheit ging Böhler auch auf das österreichische Pilgerwesen ein, das um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert seinen Höhepunkt erlebt habe.

Wiewohl der Schwerpunkt der Ausstellung, so Böhler, auf den
Jahren der Monarchie liege, so würde auch das heutige Engagement Österreichs dargestellt. Der Redner verwies weiters auf das gleichzeitig erscheinende Buch und meinte, dass dieses Thema nun auch im Hohen Haus präsentiert werden könne, dafür könne Präsident Khol gar nicht genug gedankt werden. Bei dieser Gelegenheit überbrachte Böhler auch die besten Wünsche und Grüße von Kardinal Schönborn, der an der Teilnahme an dieser Eröffnung leider durch unaufschiebbare anderweitige Verpflichtungen
verhindert sei.

ÖSTERREICHS PRÄSENZ IM HEILIGEN LAND

Als im Jahre 1869 Kaiser Franz Joseph eingeladen wurde, der welthistorischen Eröffnung des Suez-Kanals beizuwohnen, wurde sofort der allerhöchste Wille kund, dieses große Ereignis mit einer frommen Wallfahrt ins Heilige Land zu verbinden. In
Begleitung eines Großteils der k.u.k. Regierung reiste der
Kaiser, unter dessen zahlreichen Titeln sich auch der eines „Königs von Jerusalem" befand, nach Palästina, um als Pilger die heiligen Stätten aufzusuchen. Umjubelt von allen in Jerusalem vertretenen Religionen zog Kaiser Franz Joseph am 9. November
1869 in die Heilige Stadt ein. Er war damit das erste gekrönte Haupt eines christlichen Landes, das seit der Zeit der Kreuzzüge den Boden der Heiligen Stadt Jerusalem betrat. Nicht zuletzt
durch seine außerordentliche Wohltätigkeit rief der Kaiser während seines Aufenthalts in Palästina bei der ortsansässigen Bevölkerung über alle religiösen Grenzen hinweg Begeisterung hervor.

Mit diesem Besuch Kaiser Franz Josephs war auch der seitens der Habsburger Monarchie immer wieder artikulierte Wunsch verbunden, Präsenz im Heiligen Land zu zeigen und ebendort als Schutzmacht
der Interessen der römisch-katholischen Kirche aufzutreten. Aus diesem Grund wurde sowohl die Unterstützung von bestehenden als auch die Gründung von neuen österreichischen Institutionen im ganzen Heiligen Land sehr forciert. Diese Entwicklung basierte
auf der Verknüpfung von religiösen Empfindungen mit außenpolitischen Zielvorstellungen und wirtschaftlichen
Interessen.

Mit der heute eröffneten Ausstellung wird ein erst ansatzweise erforschtes Kapitel österreichischer Geschichte umfassend aufbereitet: Von der Pilgerfahrt Kaiser Franz Josephs ausgehend
wird aufgezeigt, wie mannigfaltig das von Österreich(-Ungarn) gezeigte Engagement im Heiligen Land war. Insbesondere wird die Geschichte der Institutionen und Aktivitäten der Monarchie im Heiligen Land präsentiert.

So ist beispielsweise das 1863 eröffnete österreichische Hospiz
in der Via Dolorosa in Jerusalem nicht nur das älteste Pilgerhaus seiner Art im Heiligen Land überhaupt, sondern auch ein Prachtstück der Kunst des österreichischen Historismus.

Konsularämter hatte die Habsburger Monarchie bereits seit dem 18. Jahrhundert in Akkon und Jaffa unterhalten; in Jerusalem wurde im Jahr 1849 ein Konsulat eingerichtet, dessen wichtigste Aufgabe
schon bald der Schutz der laufend wachsenden jüdischen Gemeinden und nicht, wie ursprünglich vorgesehen, der Schutz der Interessen der katholischen Kirche war. Die meisten Juden, die damals in Jerusalem wohnten, wussten sich daher den Schutz des österreichischen Konsulats zu sichern, selbst jene, die nicht aus der Donaumonarchie stammten.

Auch Wirtschaft und Infrastruktur profitierten von der Präsenz
der Österreicher. 1859 führten diese das erste reguläre Postsystem im Heiligen Land ein, und die Schiffe der Dampfschiffahrtsgesellschaft des Österreichischen Lloyd liefen
den Hafen von Jaffa von 1853 bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs
an und waren die einzigen ausländischen, die in Haifa anlegten. Dadurch hatte der österreichische Lloyd und die k.k. Post
ebendort eine marktbeherrschende Stellung.

In dieser historischen Rückschau wird an die traditionelle Vermittlerrolle Österreichs im Nahen Osten erinnert. Die Kolonien der aus österreichischen Kronländern, aus Ungarn und aus Russland immigrierten Juden konnten sich dank des Schutzes der österreichischen Konsuln etablieren. Genauso wurde der Dialog mit der muslimischen Welt gepflegt; schließlich trat die
Donaumonarchie als jene europäische Macht hervor, welche damals beste Beziehungen zum Osmanischen Reich und zur arabischen Welt unterhielt.

Die Ausstellung wird von einer umfassenden, mit bis dato
weitgehend unbekanntem Bildmaterial illustrierten Buchpublikation begleitet; sie ist dem Gedenken an Dr. Rudolf Kirchschläger gewidmet. (Schluss)

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