Auf den Spuren des Feuers - Vulkanbilder von Michael Wutky

Wien (OTS) - Mit Michael Wutkys Vulkanbildern präsentiert die Gemäldegalerie ihren Beitrag zum Europäischen Museumsfrühling 2003, der unter dem Motto Mysterien und Entdeckungen steht.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts emanzipiert sich die Landschaftsmalerei aus ihrer der Historienmalerei untergeordneten Stellung. Auch zu ihrer nunmehr veränderten Aufgabe gehört das Streben nach der Erbauung und Verbesserung der Menschheit im Geiste der Aufklärung. Ein wesentlicher Anspruch ist gleichzeitig die Vermittlung des neuen empirischen Zugangs zur Natur, deren Phänomene erstmals mit den Maßstäben eines modernen wissenschaftlichen Ansatzes betrachtet werden.

In den vulkanischen Landschaften Süditaliens und überschneiden sich die Interessen von Künstlern und Naturforschern: letztere finden hier etwa gegen 1800 ein weites Untersuchungsfeld, das sich mit der möglichen Entstehung der Erdkruste aus dem Vulkanismus beschäftigt. Zahlreiche Maler hingegen, die, wie Künstlergenerationen vor ihnen, dem "Goldenen Licht des Südens", folgen, widmen ihre Aufmerksamkeit neben den neu entdeckten Stätten der Antike - seit 1763 wird Pompeij systematisch ausgegraben - besonders den vielfältigen Erscheinungsformen der italienischen Vulkanlandschaften.

Die wissenschaftliche und künstlerische Erfassung der Landschaft verbindet in diesen Jahren Maler wie Jakob Philipp Hackert, Michael Wutky oder Pietro Fabris und Naturforscher wie den Vulkanologen und englischen Gesandten in Neapel, Sir William Hamilton, die sich gemeinsam und nicht ohne Risiko wiederholt in die Gipfelzonen der Vulkane wagen. Aus ihren Erkenntnissen entstehen wissenschaftlich bedeutende, illustrierte Publikationen, wie Hamiltons berühmte Campi Phlegraei (1776), wie Hackerts nach minutiösen Beobachtungen ausgeführte, für die frühe geologische Forschung aufschlussreiche Landschaftsgemälde, oder wie die Vulkanbilder Wutkys, die mit spektakulären Effekten das Naturschauspiel und gleichzeitig das wissenschaftliche Interesse daran spiegeln.

Auf den Spuren des Feuers. Vulkanbilder von Michael Wutky.

Michael Wutky

Der 1739 in Krems bei Wien geborene Künstler ist 1755 bis 1771 als Schüler in der Wiener Akademie eingeschrieben und macht seine ersten Erfahrungen als Landschaftsmaler unter Christian Brand und Edmund Weirotter. 1771 zieht er nach Rom, wo er mit zahlreichen teils längeren Zwischenaufenthalten in Neapel bis 1785 ansässig bleibt und große Erfolge als Landschaftsmaler feiert. 1779 besteigt er mit William Hamilton während einer starken Eruption den Gipfel des Vesuv. 1781- 83 lebt er im neapolitanischen Palast des österreichischen Gesandten Graf Anton Franz de Paola von Lamberg-Sprinzenstein, für den er auch zehn großformatige Landschaftsstücke malt, darunter die beiden hier präsentierten Vulkanbilder.
Wutky kehrt 1785 nach Wien zurück . Mit sich bringt er seine 3000 Stück umfassende Mineraliensammlung. Auch in Wien gilt er weiterhin als führender Landschaftsmaler. 1795 bis 1801 hält Wutky sich wieder in Rom auf. Nach der Heimkehr 1801 verbringt er seinen Lebensabend als Maler italienischer Landschaften in Wien, wo er 1822 in Armut stirbt.

Die Vulkanbilder

Die Eroberung der Landschaft der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im wissenschaftlichen und künstlerischen Sinn geht meist einher mit der Etablierung der "Überblicks-Landschaft", die eine deutliche Erhöhung des Betrachterstandpunkts mit sich bringt, wie sie auch Wutkys Vulkanbilder großteils auszeichnet. In diesen weit in die Tiefe führendenen Panoramaansichten spiegelt sich eine Naturwahrnehmung, die sich das Wissen um die Beschaffenheit der Strukturen einer Landschaft mittels detailgenauer Beobachtung angeeignet hat.

Dem Beobachter des Naturschauspiels - darunter häufig, wie auch hier, der Künstler selbst - kommt im Vordergrund auch der meisten hier ausgestellten Gemälde eine bedeutende Rolle zu. Hier wird der Standpunkts des Menschen verdeutlicht , der als Subjekt jeweils zentraler Bezugs- und Ausgangspunkt der Naturwahrnehmung und -darstellung ist.

Wutkys großes Interesse an den vulkanischen Phänomenen manifestiert sich in seinen zahlreichen Ölbildern, sowie in Aquarellen und Gouachen, wie sie auf Grund des rasch trocknenden, leicht transportierbaren Materialien übrigens auch in der freien Natur vor Ort angefertigt werden konnten.

Sie gehen in ihren spektakulär angelegte Kompositionen mit kontrastreichen Lichtsituationen und dramatischen Ausblicken, die formal deutlich auf die möglichst eindrucksvolle Inszenierung des Naturschauspiels abzielen, allerdings oft weit über die reine Erfassung der Gegebenheiten hinaus. Gemeinsam mit den traditionellen Repoussoirformationen an den Bildrändern und der Anpassung von Einzelmotiven an das Gemäldeformat scheinen hier entfernt spätbarocke Reminiszenzen anzuklingen. Sein dramatischer Zug trägt Wutky nicht nur zu Lebzeiten die etwas geringschätzige Bezeichnung "Effektmaler" ein - was aber dem Erfolg seiner Vulkanbilder kaum Abbruch tut.

Ausstellung

Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien nimmt erstmals am Europäischen Museumsfrühling
(http://printempsdesmusees.culture.fr) teil. Im Rahmen dieser von
Frankreich ausgehenden Initiative bieten heuer am 4. Mai 2003 über 1400 Museen in ganz Europa unter dem gemeinsamen Motto Mysterien und Entdeckungen ihrem Publikum bei freiem Eintritt eine breit gefächerte Palette von Veranstaltungen an.

Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien präsentiert zu diesem Anlaß

Auf den Spuren des Feuers. Vulkanbilder von Michael Wutky.
4. Mai bis 1. Juni 2003

In einer Serie von fünf teils riesigen Gemälden aus eigenem Bestand und einer Leihgabe des Kupferstichkabinetts der Akademie präsentiert die Gemäldegalerie Michael Wutkys pathetisch-effektvolle Darstellungen von glühenden Lavaströmen in Vollmondlandschaften oder Lavafontänen in den Kratern des Vesuv.

Michael Wutky (1739-1822), einer der bedeutendsten österreichischen Landschaftsmaler des späten 18. Jahrhunderts, beschäftigte sich in den langen Jahren seines Aufenthalts in Neapel (1772-85) intensiv mit den in dieser Periode gehäuften Ausbrüchen des Vesuv.

Als Maler der Aufklärung widmet er sich mit Leidenschaft der detailgenauen Erfassung und Darstellung der Natur und wagt sich sogar, gemeinsam mit dem englischen Naturforscher Sir William Hamilton, mehrfach während der Eruptionen des Vesuv bis in die nächste Nähe des Hauptkraters.

Seine Studien und Gemälde halten das gewaltige Naturschauspiel mit teils erstaunlicher geologischer Präzision im Sinne der frühen modernen Naturwissenschaften fest, zielen gleichzeitig aber auch mit spektakulären malerischen Mitteln darauf hin, den Betrachter zu beeindrucken, was hier auch heute noch gelingt.

Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Wien I., Schillerplatz 3
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, Feiertag 10.00-16.00 Uhr

Sonntag, den 4. Mai 2003: freier Eintritt in die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste

Sonntag, den 4. Mai 2003, um 10.30 Uhr: kostenfreie Führung zur Ausstellung

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Tel.: 01 58 816-182
martina.fleischer@akbild.ac.at

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