Neue Konzepte für Arbeitnehmer 45+ - Age-Management kann 100.000 "Aussteiger" im Beruf halten

Beratergruppe health@work/IBG Institut für betriebliche Gesundheitsförderung fordert Nationalprogramm für gezieltes Age-Management für Unternehmen in Österreich.

Wien (OTS) - Österreich braucht in den kommenden Jahren die Leistungen seiner älteren und erfahrenenen Erwerbstätigen dringender denn je. "Wenn sich ihr Anteil an den gesamten Berufstätigen nicht kräftig erhöht, fehlen schon bald mehr als 100.000 Erwerbstätige, die von der Wirtschaft und daher auch zur Sicherung des Pensionssystems benötigt werden", erklärt Dr. Rudolf Karazman von health@work Consulting (IBG Institut für betriebliche Gesundheitsförderung) zum Thema "Chancen für Ältere schaffen." Die einzige Bevölkerungsgruppe, die diese Lücke schließen kann, sind jene Menschen, die heute zu früh in Pension gehen oder gehen müssen. Karazman: "Mit geeigneten Maßnahmen durch die Unternehmen und den Staat kann die Verdrängung von Menschen über 45 aus dem Berufsleben beendet werden und zudem ihre Produktivität um 50 Prozent gegenüber dem derzeitigen Stand steigern."

Bevölkerungstrends gehören zu den sichersten Prognosen überhaupt:
In den kommenden 12 Jahren (bis 2015) wird die Bevölkerung Österreichs um 130.000 steigen. Der Grund dafür ist allein die Zunahme der Zahl der Menschen, die älter sind als 60 Jahre um 280.000. Die Zahl der Jugendlichen sinkt um 140.000 und die Zahl der 15 bis 60jährigen um 10.000. 2015 wird es in Österreich bei 8,27 Millionen Einwohnern 1,17 Millionen unter 15 Jahre, 5,05 Millionen zwischen 15 und 60 und 2,06 Millionen über 60 geben.

Age-Management setzt auf 3-Generationen Modell und wertet Potentiale der Arbeitnehmer für Unternehmen auf

Wenn Menschen älter werden, ändern sich ihr Leistungsspektrum und ihre Belastbarkeit. Karazman: "Der Weg in die Frühpension als letzte Karrierestufe ist unwürdig und entwertend." Älter werden bedeutet keinen Abbau der Leistungsfähigkeit, sondern einen Umbau, hat das health@work Institut ermittelt. Ab zirka 50 Jahren sinkt die körperliche Leistungsfähigkeit unter das mittlere Anforderungsniveau am Arbeitsplatz. Dauerstress, frühzeitiger Ausstieg oder Krankheit sind typische Folgen, wenn nicht rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden. Karazman: "Unser Konzept setzt dagegen auf die Erhaltung und Nutzung der Kompetenzen." Erfahrene Arbeitnehmer über 50 können vielleicht nicht mehr schwere Tätigkeiten wie die Jungen verrichten, sie sind ihnen aber überlegen, wenn es gilt schwierige Aufgaben zu lösen. Mit dem Lebensalter steigen Empathie, emotionale Intelligenz, Überblick und Selbstsicherheit. Age-Management wertet diese Potentiale auf und verbessert so die Situation von Mitarbeitern und Unternehmen.

Forschungsarbeit aus Österreich als Grundlage

Arbeitsorganisation, Arbeitsanforderungen, Arbeitszeiten und Arbeitsumgebung in den meisten Unternehmen passen nicht zu den Bedürfnissen der MitarbeiterInnen aller Altersstufen, erläuterte Karazman. Schon seit 1994 entwickelt und gestaltet die Beratergruppe health@work/IBG gemeinsam mit einer Vielzahl namhafter Unternehmen und Organisationen in Österreich und Europa altersoptimierende Organisations-Reformprogramme. Erfolgreiche Beispiele dafür sind:
Voest Alpine Stahl, SAPPI/Leykam, Agrolinz Melamin, Polyfelt, eine Tochter der OMV, Neusiedler Papierwerke, Steirische Schulen, KAV Krankenanstaltenverbund Wien und die Münchner Verkehrsbetriebe. (case stories: www.arbeitundalter.at, eine website von health@work für IV und AK).

Unternehmen sind unvorbereitet auf neue Anforderungen der Belegschaften

Da es in Österreich, keine öffentliche Unterstützung durch ein Nationalprogramm gibt, sind die meisten Unternehmen auf die sich verändernden Strukturen der Bevölkerung weitgehend unvorbereitet. Betriebe mit hohem Anteil an Nacht- und Schwerarbeit und Stress und hohem Prozentsatz an Mitarbeitern über 40 Jahren werden davon besonders betroffen sein. Frühpensionierungen, Krankheit, Überstunden und Fluktuation sind jedoch schon heute Faktor Nr. 1 bei der Entstehung von hohen Personalkosten und zudem nachteilig für die Lebensqualität. "Den größten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit und Arbeitsproduktivität hat das Führungsverhalten", erklärt Karazman:
"Wir müssen unsere Sichtweise ändern - die Arbeit muss an die Menschen angepasst werden und nicht umgekehrt."

Gesundheitsberufe brauchen Erfahrung älterer MitarbeiterInnen

Wenn das Age Management nicht stimmt, kommt es zum Verlust von Kompetenz und falschen Altersstrukturen in Betrieben. Typisches Beispiel dafür sind die Spitäler, die eine sehr hierarchische Organisation und wenige Mitgestaltungsmöglichkeiten durch die Mitarbeiter aufweisen. 85% der Krankenschwestern im patientennahen Dienst sind unter 35 Jahre alt, nur 15% älter. Weil es in Pflegeberufen zu wenig Karrierechancen und passende Berufsprofile gibt, versuchen ältere Krankenschwestern häufig patientenferne Karrieren in Ambulanz, Leitung, Verwaltung oder Ausbildung einzuschlagen. Den Mangel an Erfahrung und Qualität bekommen die Patienten zu spüren. Wenn in einem Team aber alle Generationen vertreten sind, sinkt der Stress, Junge erreichen rascher hohe Leistungen und das System funktioniert insgesamt besser.
Karazman. "60% der Wiener Bevölkerung sind über 60, das Gesundheitsbudget wird nicht größer, daher muss die Qualität besser werden. Wir brauchen nicht nur Intensiv-Teams, die Hektik, Geschwindigkeit, und Konflikte aushalten. Diese Teams haben wenig Bestand und lösen sich bald auf. Wir brauchen Meister in der Krankenpflege."

Miteinander aller Generationen als Ziel

Junge Mitarbeiter und Einsteiger brauchen ein Gruppengefühl und setzen sich mit großem Elan für ihre Ziele ein. Ältere Mitarbeiter fühlen sich zunehmend für das Ganze und den sozialen Zusammenhang einer Gruppe verantwortlich. Ab einem Alter von 46 Jahren treten zudem Verlässlichkeit und Erfahrung in den Vordergrund. So kommt es, dass sich die Leistungsprofile ergänzen. Karazman: "Aus der IT- und Versicherungswirtschaft wissen wir, dass ältere Mitarbeiter zwar deutlich weniger Kunden betreuen als jüngere KollegInnen, dafür aber den Löwenanteil der großen Abschlüsse tätigen." Die Arbeitsanforderungen sind jedoch immer noch überwiegend am jungen, männlichen, gesunden und inländischen Arbeitnehmer ausgerichtet. Zusätzlich basiert die gesamte Organisation von Betrieben noch immer auf dem rundum gesunden Menschen, statt optimale Möglichkeiten für alle zu bieten. In der Generation 55+ ist nur noch ein Drittel ohne chronische Erkrankung und in 10 Jahren sind die Älteren bereits die einzige Arbeitskraftreserve in Europa. Doch für diese Reserve muss mehr getan werden. Karazman: "Nur etwa 5% des Bildungsbudgets der Unternehmen werden Arbeitnehmern über 40 Jahren zur Verfügung gestellt. So lassen Unternehmen ihre MitarbeiterInnen vorzeitig aus dem Arbeitsprozess aussteigen."

health@work consulting (IBG): Bereits Unternehmen mit 50.000 Mitarbeitern beraten

Das Institut für betriebliche Gesundheitsvorsorge Österreich (IBG) bildet mit worklab die Unternehmensgruppe health@work. Wichtigster Tätigkeitsbereich ist die Entwicklung von Programmen zur humanökologischen Unternehmensentwicklung. Die dabei verwendeten Methoden stützen sich vor allem auf eine ausgewogene Balance der maßgeblichen Aspekte der Arbeit: die Arbeitsbewältigung, das Arbeitsinteresse und die Zusammenarbeit, die im Human Work Index (HWI) dargestellt werden. Die Unternehmensgruppe kann dabei auf Evaluierungen in vielen Unternehmen mit insgesamt mehr als 50.000 MitarbeiterInnen in ganz Europa zurückgreifen.

Weitere Infos unter www.healthwork.at

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Andrea Baidinger,
Mitglied der Geschäftsleitung der Kommunikationsagentur Ecker&Partner,
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