ORF-"Sternstunden des Fernsehens" zum 70. Geburtstag von Axel Corti

Dakapo für preisgekrönte Trilogie "Wohin und zurück" ab 3. Mai: "Weil die Geschichte ein Teil unseres Lebens ist"

Wien (OTS) - Er war Theater- und Filmregisseur, Autor, Radiomacher und "Schalldämpfer" der Nation, Österreicher, Europäer und Kosmopolit zugleich. Und er wäre am 7. Mai 2003 70 Jahre alt geworden: Axel Corti (1933 - 1993). Dem Lebenskünstler und ausgesprochenen Existenzialisten, der für den ORF TV- und Radiogeschichte geschrieben hat, ist vom 3. bis 17. Mai ein Programmschwerpunkt gewidmet. Im ORF-Fernsehen gibt es ein Dakapo von Cortis mehrfach preisgekrönter Trilogie "Wohin und zurück" über Emigration und Heimkehr. Das ORF-Radio Ö1 bringt ein Wiederhören mit dem legendären Feuilleton "Schalldämpfer" ebenso wie eine Reihe weiterer Sendungen", die ganz im Zeichen des Künstlers stehen. Außerdem wurde die Ö1-CD-Box "Axel Corti im Radio" neu aufgelegt. Der ORF gedenkt Corti zudem auch im Rahmen einer Retrospektive, die vom 6. bis 12. Mai im Wiener Metro-Kino läuft. Corti hat vor allem in seinen Filmen österreichische Zeitgeschichte festgehalten. "Weil sie ein Teil unseres Lebens ist", begründete Corti während der Dreharbeiten zu "Wohin und zurück" seine intensive Beschäftigung mit der Historie:
"Man kann nicht heute leben, ohne von 1940 etwas zu wissen. Das wäre ganz einfach Selbstbetrug. Ein sehr weit verbreiteter Selbstbetrug zwar, aber einer, dem man nicht nachgeben sollte." Gabriel Barylli, zentrale Figur von Teil zwei und drei der Trilogie "Wohin und zurück", ist am 9. Mai um 23.05 Uhr in ORF 2 zu Gast "Bei Stöckl".

"Richtige Leute mit richtigen Gesichtern" - Axel Corti über seine Arbeit

Das Bestreben, diesem Selbstbetrug zu trotzen, zog sich durch sämtliche Werke Axel Cortis. "Ich glaube, dass die Neugier der älteste und der richtigste Antrieb eines Künstlers ist: die Neugier über Menschen, über Zeiten und dadurch über sich etwas zu erfahren", sagte Axel Corti 1988 in einem Interview. Er nutzte das Medium Film vor allem für eines: herauszufinden, warum und unter welchen Umständen welche Menschen welcher Schichten wie handeln und es im fortschreitenden Prozess des Erkennens mit glaubwürdigen Darstellern poetisch-filmisch zu formulieren. Ein Markenzeichen, an dem man einen Corti-Film erkennen mag, ist wohl die Genauigkeit des scheinbar Nebensächlichen. Bei jedem neuerlichen Ansehen eines seiner Werke vermag man immer wieder neue, oft unscheinbare, aber eben doch für die Geschichte charakteristische Details zu entdecken. Stets kämpfte der Filmemacher um diese Genauigkeit: "Es kostet Geld, wenn man in einem Kaffeehaus dreht und man nebenbei auch immer wieder die Gäste zeigen will. Da muss man halt diese Gäste mit richtigen Leuten besetzen, damit die glaubhaft sind, mit richtigen Gesichtern." Corti ärgerte sich über Mitarbeiter, die die Zahl der Gäste herunterhandeln wollten und meinten: "In an Kaffeehaus sitzt eh a jeda...". "Nein, sitzt er nicht", lautete Cortis Antwort. "In diesem Kaffeehaus sitzen andere Leute als in einem Kaffeehaus im zweiten Bezirk." Es waren immer die Menschen, auf die Corti fixiert war, nicht so sehr die Themen, wie der Regisseur selbst betonte. Er versuchte immer wieder, sich ganz an die Menschen heranzutasten, mit viel Liebe der Wahrheit näher zu kommen. Deshalb werden die Figuren in Cortis Filmen niemals diffamiert, vor allem nicht, wenn sie eine problematische Haltung haben. In dem Moment, in dem man sich wirklich einlasse, erfahre man nicht zuletzt auch etwas über sich selbst, war Cortis Meinung. "Ich versuche, dass nicht falsche Gefühle, falsche Mittel eingesetzt werden, dass nicht Sentamentalität an Stelle von Gefühl steht" war -neben der Präzision - sein Credo bei der Arbeit.

"Wohin und zurück": "Kein Film über Gut und Böse"

Über seine Motivation zur Trilogie "Wohin und zurück", die die Jahre 1938 bis 1945 aus der Sicht jüdischer Emigranten und späterer Heimkehrer schildert, meinte Axel Corti: "Wir wollten keinen Film über Gut und Böse machen, sondern zeigen, wie es damals war und wie jeder auf seine Art reagierte und vielleicht reagieren musste". Der erste Teil der von 1982 bis 1985 gedrehten ORF-Koproduktion mit dem Titel "An uns glaubt Gott nicht mehr" steht am Samstag, dem 3. Mai, um 22.45 Uhr im Rahmen der Programmreihe "Sternstunden des Fernsehens" auf dem Programm von ORF 2. Hauptprotagonist ist der 16-jährige Jude Ferry (Johannes Silberschneider), der nach der Ermordung seines Vaters durch SS-Schergen nach Prag flüchtet. Dort lernt er zahlreiche Schicksalsgefährten kennen, denen er im Verlauf seiner abenteuerlichen Flucht immer wieder begegnet. Im Mittelpunkt von Teil zwei und drei - "Santa Fe" (Samstag, 10. Mai, 22.40 Uhr, ORF 2) und "Welcome in Vienna" (Samstag, 17. Mai, 22.45 Uhr, ORF 2) -steht Freddy Wolff (Gabriel Barylli), der mit Ferry auf dem gleichen Emigrantenschiff geflüchtet ist. Das Drehbuch zur Trilogie stammt von Georg Stefan Troller, der darin autobiografische Erlebnisse verarbeitete.

Axel Corti im ORF-Radio

Samstag, 3. Mai, 9.05 Uhr: "Hörbilder": Feature über Axel Corti

Sonntag, 4. Mai, 8.15 Uhr: "Du holde Kunst", es spricht Axel Corti (Wh. Mo. 0.05 Uhr)

Montag, 5. Mai, 11.40 Uhr: "Radiogeschichten: Das Wunderkind", Axel Corti liest Thomas Mann

Dienstag, 6. Mai, 20.30 Uhr: "Hörspiel-Studio: Seelenläuten" von Cortis Freund Walter Schlorhaufer (Regie und Hauptdarsteller: Corti); danach ein Gespräch mit Schlorhaufer über Corti.

Mittwoch, 7. Mai, 14.05 Uhr: "Von Tag zu Tag" mit Wendelin Schmidt-Dengler und Cortis Witwe Cecily anlässlich einer Corti-Veranstaltung im Literatur-Archiv am Abend

Außerdem sind am Mittwoch, dem 7. Mai, vier "Schalldämpfer" zu hören:

7.50 Uhr: "Private und politische Naschgelüste" (vom 24. Mai 1993) 11.40 Uhr: "Dahintersteher und Sich-ins-Bild-Rücker" (vom 3. Mai 1993)
17.09 Uhr: "Die Mächtigen und die Kunst" (vom 26. Februar 1989) 23.49 Uhr: "Immunität und Etikette bei Duellen" (vom 10. Mai 1993)

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