ORF-Dreharbeiten im Iran: "Die Abenteuerreisen des Alfons Gabriel"

"Universum"-Team auf dem Sprung in Krisenregion

Wien (OTS) - In unmittelbarer Nachbarschaft des Kriegsschauplatzes Irak und des Krisenherds Afghanistan wird derzeit ein außergewöhnliches "Universum"-Projekt realisiert. Wolfgang Thaler und Peter Thomsen stehen kurz vor ihrer dritten Drehreise in den Iran. Sobald das Visum ausgestellt ist, fliegen die beiden Filmer wieder in die Krisenregion, um "Die Abenteuerreisen des Alfons Gabriel", eine Koproduktion mit Wega-Film, abzudrehen. Das "Universum"-Team folgt den Spuren des österreichischen Arztes und Forschungsreisenden Alfons Gabriel - ein Unbekannter im eigenen Land, eine Legende im Iran. Als erstem Europäer gelang es ihm in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, beim dritten Anlauf die südliche Lut, eine der lebensfeindlichsten Wüstenregionen der Welt, zu durchqueren. Auch Thaler und Thomsen leisten dabei Pionierarbeit: Als erstes westliches Team erhielten sie vom Gottesstaat eine Einreise- und Dreherlaubnis für diese Region. Für "Universum" präsentieren sie die wichtigsten Stationen von Gabriels Reisen, dokumentieren die unterschiedlichen Wüstenarten - Geröll, Stein und Salz - und zeigen das heutige Leben der Menschen und ihre Strategien, um in diesen unwirtlichen Gebieten zu überleben. Geboten werden faszinierende Einblicke in eine für Kameras bisher verschlossene Lebenswelt des Mittleren Ostens. "Die Abenteuerreisen des Alfons Gabriel" steht voraussichtlich im Oktober 2003 auf dem "Universum"-Programm.

Dreharbeiten unter Polizeischutz

Im Iran sahen sich die "Universum"-Filmer mit einigen Schwierigkeiten konfrontiert: So mussten etwa für die Karawanen-Szenen Kamele aus 200 Kilometer Entfernung an den Drehort transportiert werden. Originalrequisiten und -kostüme waren kaum noch vorhanden. Außerdem bestand die Gefahr von Überfällen durch Drogendealer, deren Route von Afghanistan und Pakistan kommend durch die südliche Lut führt - ein großer Teil der Dreharbeiten konnte deshalb nur unter Polizeischutz durchgeführt werden. Unterstützt werden die "Universum"-Filmer von einer Teheraner Produktionsfirma, außerdem hat sich ein iranisches Institut, das auf die Förderung anspruchsvoller Dokumentarfilme spezialisiert ist, dem Projekt angeschlossen. Auch das iranische Fernsehen hat bereits großes Interesse an einer Ausstrahlung der "Universum"-Dokumentation bekundet - für eine ausländische Produktion gilt dies als kleine Sensation.

Die Wüste Lut ist eines der trockensten, unerforschtesten und heißesten Gebiete der Welt. Hier herrscht ein Klima mit Temperaturunterschieden von bis zu 70 Grad Celsius. Nicht einmal Bakterien können hier überleben. 1927 war Alfons Gabriel gemeinsam mit seiner Frau Agnes Kummer zum ersten Mal aufgebrochen, um die Lut zu durchqueren. Ein Unterfangen, das vor ihm noch kein anderer bewältigt hat. Und auch er scheiterte zu Beginn. Erst beim dritten Anlauf 1937/38 gelang ihm das bisher als unmöglich Geltende.

Peter Thomsen über die Dreharbeiten: "Das Schwierigste war, in den Iran hineinzukommen. Einmal da, standen uns so manche Türen offen. Für die Filmer aus dem Ausland wurde vieles auf äußerst unbürokratische Art und Weise ermöglicht. Wir konnten von einem der höchsten Minarette des Landes filmen und um die Dokumentation auch mit Luftaufnahmen zu versorgen, stellte uns das iranische Militär sogar einen Hubschrauber zur Verfügung. Keine Selbstverständlichkeit, da auch Flüge in dieser Gegend auf Grund der Größe und Abgeschiedenheit der Lut so gut wie nie stattfinden. Es gibt für die Piloten bei einem Notfall nicht einmal die Möglichkeit, Treibstoff aufzunehmen, und man ist mehr als 200 Kilometer von der nächsten Trinkwasserstelle entfernt."

Team in den Startlöchern für abschließende Drehreise

Wolfgang Thaler und Peter Thomsen waren bisher zwei Mal im Iran. Die erste Reise im Sommer 2002 stand vor allem im Zeichen von Recherche und Vorbereitungen. Beim zweiten Aufenthalt im Herbst waren vier Jeeps und zwei Versorgungsfahrzeuge unterwegs, um die 17-köpfige Crew mit Schauspielern, Kostümen und Requisiten zu den Drehorten zu bringen. Für die dritte, abschließende Reise in den Iran stehen die Filmer nun in den Startlöchern.

Wolfgang Thaler: "Der Herbst war für Dreharbeiten noch halbwegs erträglich. Bei unserer ersten Reise im Sommer wäre daran auf Grund der Hitze nicht zu denken gewesen. Viel Zeit benötigten wir, um die Wege von einem Drehort zum nächsten zu bewältigen. Außerdem war es extrem schwierig, historische Requisiten oder Kamele, die in dieser Gegend kaum mehr als Tragetiere eingesetzt werden, für die nachgestellten Aufnahmen zu bekommen. Dennoch konnten wir sogar einen Augenzeugen ausfindig machen und interviewen. Unser Film soll aber nicht nur die historische Expedition dokumentieren, sondern auch die heutige Situation darstellen."

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