Volksbank Investmentbank: Wöchentlicher Finanzmarkt-Kommentar

Wien (OTS) - Die veröffentlichten Unternehmensergebnisse der Woche bis zum 25.4. übertrafen überwiegend die vorsichtig gesteckten Ziele, obwohl auch die eine oder andere Enttäuschung zu vermelden war. Auf den Aktienmärkten hat in der vergangenen Woche die erwartete Konsolidierung eingesetzt, was zu gleichen Teilen auf einzelne Unternehmensmeldungen, Gewinnmitnahmen und konjunkturelle Meldungen zurückzuführen ist. Der Wirtschaftsbericht der US-amerikanischen Fed (Beige Book) war zwar nicht durchgehend negativ, aber genauso wenig euphorisch.

Die OECD bezeichnet in ihrem neuen halbjährlichen Wirtschaftsausblick die herrschende weltwirtschaftliche Situation als "flau, aber keinesfalls katastrophal". Diese Sichtweise verbreitet sich- trotz des neuen Angstthemas SARS - zunehmend wieder bei den Anlegern, Konsumenten und Unternehmen. SARS ist allerdings eine Bedrohung für die fragile Konjunktur in Japan, weshalb trotz des historisch niedrigen Bewertungsniveaus weiterhin vom japanischen Aktienmarkt abzuraten ist. Für die USA konstatiert die OECD, die Nachwirkungen der Überinvestitionsphase aus den 90er Jahren seien überwunden, sodass Investitionsausgaben der Firmen wieder zu einer der Säulen des Wirtschaftswachstums werden könnten. Die niedrigen Zinsen und der schwache Dollar wirken hier unterstützend. Auch wenn der Konsum noch anfällig bleibt, zeichnet sich somit die erwartete, von den USA ausgehende konjunkturelle Erholung im Laufe des Jahres deutlich ab.

Die Inflationsgefahr in der Eurozone bleibt gering. Der Ölpreis liegt wieder auf demselben Niveau wie vor einem Jahr, sodass ein entlastender Basiseffekt bei der Errechnung der jährlichen Inflationsrate ab April zu erwarten ist. Die OPEC will ihre faktische Produktion zwar drosseln, hat ihre offizielle Produktionsmenge aber angehoben. Auch die Aufwertung des Euro gegenüber den wichtigsten ausländischen Währungen trägt zu einer Dämpfung der Preise in der Eurozone bei. So hat der Euro in den vergangenen 12 Monaten gegenüber dem US-Dollar um 22%, gegenüber dem japanischen Yen um 15% und gegenüber dem Schweizer Franken um 3% ab Wert gewonnen.

Im Geldmengenwachstum für März, das am Dienstag veröffentlicht wird, werden die oben skizzierten Faktoren noch wenig spürbar sein, wobei die Erholung des Aktienmarktes hier bereits zu einer leicht rückläufigen Tendenz beigetragen haben dürfte. Die Vorausschätzung für die Euro-Inflationsrate April, die am Mittwoch veröffentlicht wird, dürfte aber schon spürbar niedriger ausfallen als die 2,4% Inflationsrate vom März. Diese beiden Veröffentlichungen werden die zinsentscheidende Sitzung der EZB am 8.5. in der kommenden Woche verstärkt ins Bewusstsein der Marktteilnehmer rücken und zu einer rückläufigen Tendenz der Geldmarktzinsen beitragen. Eine weitere Zinssenkung vor dem Sommer ist zu erwarten, über das Timing werden die Datenveröffentlichungen der nächsten Woche schon einen gewissen Aufschluss bieten.

In der nächsten Woche dürfte der Euro stark bleiben, aufgrund der rückläufigen Zinsdifferenz zum Dollar aber nicht weiter steigen. Der Abwärtstrend beim Yen bleibt bestehen, da hier mit SARS und der angekündigten Umschichtung großer japanischer Versicherungs-Portfolios von Yen- zu Euro- und Dollaranleihen weiterhin eine große Belastung besteht. Da positive Überraschungen bei den Unternehmensmeldungen nun schon zur Erwartungshaltung der Anleger gehören, bleiben sie mehr oder minder wirkungslos, sodass die Aktienmärkte in der kommenden Woche nur mehr wenig profitieren und immer wieder von Gewinnmitnahmen gedämpft werden. Die verschiedenen Stimmungsfaktoren, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden (ifo, Einkaufsmanager, Konsumentenvertrauen) dürften mehrheitlich die Erleichterung nach dem Golfkrieg widerspiegeln und den Aktienmärkten eine gewisse Unterstützung bieten.

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