SJÖ kritisiert Khol: "Nationalratspräsident bleibt bei Dollfuß-Huldigung"

Wien (SK) Eine Verkehrung historischer Tatsachen wirft Andreas Kollross, Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Österreich (SJÖ), dem Nationalratspräsidenten Khol vor. In Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der SPÖ habe Khol seinen viel kritisierten Auftritt bei der Präsentation eines Buches über die Zwischenkriegszeit von Karl-Gottfried Kindermann nun auch noch verteidigt. In diesem Buch wird Engelbert Dollfuß als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus gewürdigt. Kollross am Dienstag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst: "Khols Huldigung des austrofaschistischen Diktators Dollfuß als Kämpfer gegen den Nationalsozialismus widerspricht allen offensichtlichen Fakten. Dollfuß legte den Grundstein für das NS-Regime durch die Beseitigung der Demokratie in Österreich. Diesen Schritt als Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu definieren entspricht dem Demokratiekonsens einer Bananenrepublik." ****

Der sogenannte Kampf von Dollfuß gegen die Nazis habe sich etwas anders dargestellt, als Khol das in seinem verklärten Geschichtsverständnis wiedergebe. Für Kollross sprechen die historischen Fakten gegen Khol: "Dollfuß versuchte hinterrücks die Nazis in sein Regime einzubinden, während er gleichzeitig jeglichen Widerstand für Freiheit und Demokratie brutal unterdrückte. Dass Dollfuß letztendlich selbst Opfer des Naziterrors wurde, war Folge seines Größenwahns und seiner fatalen Unterschätzung der Gewaltbereitschaft der Nazis."

Die Tatsache, dass Dollfuß noch immer im ÖVP-Parlamentsklub hängt, ist für Kollross ein politischer Skandal der Sonderklasse. "Es besteht jederzeit die Möglichkeit für die ÖVP, sich vom Revisionismus abzuwenden und den Diktator zu entfernen. Dass Khol immer wieder Dollfuß lobend erwähnt, zeigt, dass die ÖVP das dunkelste Kapitel ihrer Geschichte noch nicht aufgearbeitet hat und es offensichtlich nicht will. Dollfuß war ein Diktator und Mörder. Auch wenn seine Verbrechen nie die Dimension eines Hitler erreichten, so ist es nicht gerechtfertigt, Verbrechen wider die Menschheit durch größere zu relativieren. Die Rechtfertigung der Beseitigung der Demokratie durch eine brutale Diktatur 'zum Schutz' gegen eine andere Diktatur entspringt auf jeden Fall einem höchst merkwürdigen Demokratieverständnis", so Kollross abschließend. (Schluss) ml

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