"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Schrecken ohne Ende" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 22.04.2003

Wien (OTS) - Der Golfkrieg ist vorüber, aber die Angst hat uns weiter fest im Griff. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, dem Afghanistan- und dem Irak-Krieg verbreitet jetzt die Lungenkrankheit SARS weltweit Angst und Schrecken. Eine geheimnisvolle Seuche, die binnen wenigen Wochen schon dutzende Menschenleben gefordert hat: Das ist der Stoff, aus dem im Medienzeitalter die Schlagzeilen gemacht sind.

Kein Wort davon, dass allein der Straßenverkehr zu Ostern in Europa wie jedes Jahr ein Vielfaches an Blutzoll gefordert hat. Wir wollen auch nicht wissen, wie viele Kettenraucher und Alkoholkranke Gevatter Tod tagtäglich hinwegrafft und wir ignorieren, dass alljährlich mehr Menschen an Malaria sterben als beispielsweise an AIDS.

Ob Krieg oder Seuchen, ob Handymasten, Elektrosmog oder Ozonloch:
Es gibt immer genug irrationale Ängste, die uns die realen Gefahren des täglichen Lebens vergessen lassen. Dafür verdrängen wir umgekehrt auch, wie gering die Wahrscheinlichkeit ist, diese Woche den Doppel-Jackpot im Lotto zu knacken: Statistisch gesehen müssen wir leider eher damit rechnen, vom Blitz getroffen zu werden als am Mittwoch den Solo-Sechser zu tippen.

All das wollen wir gar nicht so genau wissen. Ab heute hat uns ja ohnehin wieder die große Pensionsdebatte fest im Griff und lenkt von jenen Bedrohungen ab, die zu steuern wir im Gegensatz zu Krieg und SARS wirklich selber in der Hand hätten.

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