Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Osterspaziergang und Apokalypse" (von Manfred Posch)

Ausgabe 18.04.2003

Klagenfurt (OTS) - Ich höre schon des Dorfs Getümmel,/Hier ist des Volkes wahrer Himmel,/Zufrieden jauchzet groß und klein:/ Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Goethes gewaltigem Zitatensteinbruch, dem "Faust" also, sind die Zeilen entnommen. Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, heißt es am Beginn des bildungsklassischen Osterspaziergangs, und hier ist auch schon der aktuelle Zusammenhang zu finden: Bewahrt diese Bundesregierung des Volkes wahren Himmel, oder wird sie die Menschen in blankes Eis hüllen? Von der anstehenden Pensionsreform ist die Rede. Reform? Und da stockt man schon. Lexika verstehen darunter "verbessernde Umgestaltung". Von einer Verbesserung ist - für letztlich Millionen Österreicher - aber nun wirklich nicht die Rede. Im Gegenteil: Die (Noch?) Koalition ist drauf und dran, eine Armutsfalle zuschnappen zu lassen.

Spät aber immerhin doch meldet sich jetzt die Bundes-SPÖ einigermaßen auffällig zum Thema. Klubchef Josef Cap lässt biblischem Zorn freien Lauf, beschwört höchst martialisch die Apokalypse (Werden der Bundesregierung die Hölle heiß machen!). Womit er ein Gegengewicht zur schwarzen Landeshauptleute-Phalanx konstruiert:
Bislang hatte man ja fast schon den Eindruck,dass die VP-Länderchefs in Sachen Pensionsraub die effizientere Oppositionspolitik gegen Schüssel und Haupt betreiben als das rote Zentrum in Wien.

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