"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Nicht resignieren" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 18. April 2003

Innsbruck (OTS) - Der greise Papst versenkt sich tief in das Mysterium des Glaubens. Nach fast fünfjähriger Pause verfasste Johannes Paul II. wieder eine Enzyklika. In dem am Gründonnerstag veröffentlichten Schreiben befasst er sich, dem Tag entsprechend, mit der Eucharistie.
"Seit mehr als einem halben Jahrhundert sind meine Augen jeden Tag auf die weiße Hostie gerichtet, in der das Drama von Golgatha lebendig gegenwärtig wird." Das offizielle kirchliche Lehrschreiben ist wie kaum ein anderes dieses Papstes von persönlichen Gedanken, Erfahrungen und Mystik geprägt. Ein Lehrschreiben als berührendes und packendes Zeugnis des Glaubens, das wohl auch als Vermächtnis gedacht ist.
"Ecclesia de Eucharistia" breitet das Eucharistie-Verständnis der katholischen Kirche aus. Neues enthält es daher zwangsläufig nicht. Das mag viele Katholiken und Protestanten schmerzen. Die Enzyk-lika ist aber in keiner Zeile ein gegen die Ökumene gerichtetes Dokument. Die Realität eröffnet keine allzu erfreulichen Perspektiven: Die Ökumene lebt, der Dialog läuft vielfach nur schleppend und zögernd. Dass sich der Papst in einer kühnen Entscheidung für die gemeinsame Kommunion aussprechen werde, hatte wohl niemand ernsthaft erwartet. Millionen von Christen mögen die Unterschiede zwischen Abendmahl und Eucharistie-feier nicht als Hindernis für gegenseitige Gastfreundschaft empfinden. Vieles ist äußerlich ähnlich: Die Gläubigen gehen in die Kirche, treten vor den Altar, nehmen die Hostie in den Mund und trinken den Wein. Doch was die Theologie angeht, gibt es gravierende Unterschiede. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, sprach von einer "fast schroffen Klarheit" der Enzyklika. Als Konsequenz empfahl er, nicht zu resignieren, sondern das (ökumenische) Gespräch noch intensiver werden zu lassen.

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